Interviews. Die Kreuzfahrtszene bekommt mit dem neuen Cruise Center HafenCity im Westfield-Überseequartier am Chicagokai einen neuen Hotspot-Terminal – mit Innenstadtlage. Am 12. September wird das neue Center eröffnet. Die Verantwortlichen, CGH-Chefin Iris Scheel und HPA-Chef Jens Meier, erläutern Kreuzfahrttrends und Unternehmensstrategien
Sind Sie Transatlantik-Überquerer:in oder Kreuzfahrer:in? Dann haben Sie eventuell schon mal die Queen Mary 2 von Cunard am Brooklyn Cruise Terminal in New York verlassen oder sind eventuell die Gangways der Schifffahrthotels von AIDA Cruises oder MSC Cruises am Civitavecchia-Kreuzfahrtterminal von Rom hinabgestiegen – und sind in unwirtlichem Hafengelände gelandet. In die City der beiden Millionenstädte brauchen Sie dann zum Beispiel in New Y0rk 30 Minuten zum Empire State Building und in Rom über eine Stunde zum Colosseum – mit dem Auto.
Foto oben: HPA-CEO Jens Meier: „Das Cruise Center HafenCity verbindet Kreuzfahrt, Cityflair und urbanes Leben auf eine Weise, die im internationalen Vergleich wirklich heraussticht. Wer hier ankommt, erlebt Hamburg sofort von seiner besten Seite, direkt an der Elbe und nur ein paar Schritte entfernt vom nächsten Café.“ © Catrin-Anja Eichinger
Da haben es die Millionenmetropole Hamburg und seine Luxus-Kreuzfahrtgäste jetzt lässiger – und nachhaltiger. Denn am Freitag, 12. September 2025, wird das neue Cruise Center HafenCity, das neue Kreuzfahrtterminal in der Mega-Shoppingmall Westfield-Überseequartier, offiziell eingeweiht. In die City brauchen die Kreuzfahrer:innen dann nur 20 und zur Elbphilharmonie nur zehn Minuten – zu Fuß! Und da das Cruise Center HafenCity Teil des Westfield-Überseequartiers ist, kann man auch gleich direkt vom Schiff im Luxuskaufhaus Breuniger, im Lego Discovery Center oder im immersiven Kunsttempel Port des Lumières landen.
„Die Kreuzfahrtschiffe sollen sich nicht verstecken“, sagt Iris Scheel, Geschäftsführerin von Cruise Gate Hamburg (CGH), der Betreiberin des Cruise Center HafenCity. „Sie sind sichtbarer Teil unserer Hamburgischen Philosophie, dass der Hafen ein lebendiger Teil der Stadt ist und bleibt.“ Wir haben ihr und dem Hafenchef, Jens Meier, CEO der Hamburg Port Authority (HPA), zehn Fragen zum neuen Terminal, zum Kreuzfahrtbusiness und Hafen gestellt. Viel Spaß! Wolfgang Timpe

10 Fragen an … Jens Meier
Der CEO der Hamburg Port Authority (HPA) und Welthafenpräsident über das neue Cruise Center HafenCity und seine internationalen Hafenstrategien
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Am 12. September wird das neue Terminal Cruise Center HafenCity im Westfield-Überseequartier offiziell eingeweiht. Welche Bedeutung hat nach Steinwerder und Altona das neue dritte dauerhafte Kreuzfahrtterminal in der HafenCity für Sie persönlich – und für die HPA? Für die Hamburg Port Authority (HPA) ist das neue Cruise Center HafenCity vor allem ein echter Gewinn für unsere Infrastruktur. Gleichzeitig zeigt der Bau, wie positiv sich die Kreuzfahrt am Standort Hamburg entwickelt. Mit dem dritten Terminal können wir deutlich flexibler auf steigende Passagierzahlen reagieren und erfüllen die Anforderungen der internationalen Kreuzfahrtbranche noch besser. Die Schiffsanläufe lassen sich effizienter und nach ihren Bedürfnissen verteilen – sowohl aus logistischer Sicht als auch im Hinblick auf die Besucherlenkung. Und auch beim Thema Nachhaltigkeit setzen wir neue Maßstäbe: mit Landstromversorgung, optimierten Abläufen bei der Abfertigung und einer hervorragenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Was mich persönlich besonders freut, ist die Verbindung von Kreuzfahrttourismus mit urbanem Leben. Die Lage direkt im Westfield-Überseequartier ist wirklich etwas Besonderes. Einzelhandel und Gastronomie direkt an der Kaimauer bieten den Passagieren ein ganz anderes Ankunftserlebnis als an vielen anderen Terminals, die oft eher abgelegen liegen. Hier fahren die Schiffe bei Ein- und Ausfahrt an den Landungsbrücken vorbei und gleiten direkt an der Elbphilharmonie entlang. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein tolles Beispiel dafür, wie Hafen und Stadt in Hamburg miteinander harmonieren.
Eröffnungsfeier am Freitag, 12. September 2025:
Klar, es gibt Reden zur Premiere und zur Kreuzfahrtbranche, und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher kommt, und er schneidet kein klassisch rotes Eröffnungsband durch. Psst, das Lego Discovery Center bietet eine Überraschung für alle, bevor dann am Ende des Festes die »MS Europa« von Hapag-Lloyd Cruises auslaufen wird.
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Was ist für Sie der USP, das Alleinstellungsmerkmal, des Cruise Center HafenCity im globalen Kreuzfahrtbusiness-Wettbewerb? Wie schon gesagt, für mich liegt der USP ganz klar in der einzigartigen Lage – mitten in der Stadt, direkt im Herzen der HafenCity. Das haben Kreuzfahrtgäste in der Regel nicht, dass sie aus dem Schiff aussteigen und quasi direkt in einer modernen Shoppingmall stehen. Dazu kommt die hervorragende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Ob U-Bahn, Bus oder sogar zu Fuß, man ist sofort mittendrin im Hamburger Stadtleben. Das macht die An- und Abreise nicht nur bequem, sondern auch nachhaltig. Das Cruise Center HafenCity verbindet Kreuzfahrt, Cityflair und urbanes Leben auf eine Weise, die im internationalen Vergleich wirklich heraussticht. Wer hier ankommt, erlebt Hamburg sofort von seiner besten Seite, direkt an der Elbe und nur ein paar Schritte entfernt vom nächsten Café.
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Die HPA hat das ehemalige New-Work-Gebäude am Strandkai in der HafenCity als neuen Firmensitz erworben. Wann erfolgt denn der Umzug der HPA-Familie an die Adresse Strandkai 1 in der HafenCity, und was bedeutet das für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Der große Umzug in unser neues Zuhause am Strandkai 1 in der HafenCity ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Bis dahin passiert noch einiges: Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren – von Raumkonzepten über die technische Ausstattung bis hin zur Gestaltung der Arbeitsbereiche. Ausschreibungen und Beauftragungen sollen bis Ende 2025 abgeschlossen sein, und ab Januar 2026 starten dann die notwendigen Umbauten im Gebäude. Anfang 2026 geht’s also richtig los mit der Umsetzung.
Für unsere Kolleginnen und Kollegen bedeutet der neue Standort vor allem eins: mehr Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Arbeiten. Wir setzen künftig auf das „Open Space“-Konzept. Das heißt, eine offene Raumstruktur, weniger Trennung und mehr Nähe. Neben den klassischen Arbeitsplätzen wird es auch Rückzugsorte geben, wie Telefonboxen, ruhige Ni-schen für konzentriertes Arbeiten und flexible Bereiche für kreative Meetings.
Klar, das wird für viele eine große Veränderung. Wir gehen weg vom gewohnten Einzelbüro, hin zu mehr Offenheit. Aber genauso viele freuen sich schon jetzt auf genau diese neue Art zu arbeiten. Und wir werden uns gegenseitig unterstützen, damit sich jede und jeder im neuen Heimathafen wohlfühlt und gut ankommt. Kurz gesagt: Es wird vielleicht anders, aber es wird sicherlich beeindruckend in allerbester Lage. Und wir freuen uns drauf!
»Einzelhandel und Gastronomie direkt an der Kaimauer bietet den Passagieren ein ganz anderes Ankunftserlebnis als an vielen anderen Terminals, die oft eher abgelegen liegen. Hier fahren die Schiffe bei Ein- und Ausfahrt an den Landungsbrücken vorbei und gleiten direkt an der Elbphilharmonie entlang. Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein tolles Beispiel dafür, wie Hafen und Stadt in Hamburg miteinander harmonieren.«
Jens Meier über das neue Cruise Center HafenCity
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Seit Kurzem hat durch den neuen Hafenentwicklungsplan, den neuen HHLA-Mitgesellschafter MSC und die steigende Wichtigkeit des Hamburger Hafens in der Bundesregierung Hamburgs wichtigster Wirtschaftsmotor Hafen Fahrt aufgenommen. Es sollen Milliarden investiert werden. Was sind für die HPA als Eigentümerin der Hafenflächen und Kaianten strategisch mittel- und langfristige Zukunftsinvestitionen, auf die Sie setzen? Der Hamburger Hafen ist und bleibt ein wichtiger Wirtschaftsmotor, und ja, das merkt man aktuell besonders. Unsere Kundinnen und Kunden sowie Partnerinnen und Partner erwarten eine Hafeninfrastruktur, die nicht nur leistungsfähig und sicher ist, sondern auch digital und effizient funktioniert. Dort sehen wir unseren Fokus. Dazu gehören große Projekte wie der Ersatzneubau der Köhlbrandbrücke, die Modernisierung der Hafenbahn und die Transformation des Waltershofer Hafens. Letzterer ist das Herzstück des Containerumschlags. Hier sorgen wir mit der Drehkreis-Erweiterung dafür, dass auch die großen Schiffe künftig noch effizienter manövrieren können. Gleichzeitig werden die Flächen fit für morgen vorbereitet, damit der Hafen auch langfristig leistungsfähig bleibt.
Aber auch die bestehende Infrastruktur muss gepflegt werden, wie beispielsweise die Sanierung der Kaimauern. Im Hafen gibt es rund 43 Kilometer Kaimauern, davon gehören etwa 35 Kilometer der HPA. Da gibt es viel zu tun. Ein weiterer Fokus liegt auf moderner Technologie. Hier geht es um digitale Prozesse und smarte Lösungen, die den Hafen effizienter und wettbewerbsfähiger machen. Und natürlich müssen wir an die Umwelt denken. Kontinuierlich verfolgen wir das Ziel, mit grünen Technologien und nachhaltigen Praktiken die Belastungen zu reduzieren, beispielsweis durch Landstromanlagen für Kreuzfahrt- und Containerschiffe.
Nicht zu vergessen ist die Sicherheit. In Zeiten von Cyberkriminalität, durch Erpressung, Manipulation, Spionage oder Sabotage, ist die Absicherung unserer digitalen Infrastruktur ein Muss. Als Betreiberin von verschiedenen kritischen Infrastrukturen arbeiten wir intensiv daran, unsere Systeme präventiv zu schützen.

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Viele Hamburger Reeder und Hafen-Unternehmer:innen im Hafen beklagen, dass man viel PR-Wirbel um Technologien wie grünen Wasserstoff macht, aber auf den Hafenflächen – anders als in Antwerpen oder Rotterdam – keine Restrukturierung und Neuansiedlung zukunftsträchtiger Industrieunternehmen, etwa von Start-ups, stattfindet. Was antworten Sie den Hafenunternehmern? Ich verstehe die Sorgen und die Ungeduld und nehme sie ernst. Und klar ist auch, wenn wir den Hafen zukunftsfähig machen wollen, brauchen wir nicht nur neue Technologien, sondern auch neue Köpfe, neue Ideen und neue Unternehmen, aber auch die Etablierten. Der Wandel ist im Gange, auch wenn er nicht sofort überall sichtbar ist. Wir arbeiten daran, die Voraussetzungen für genau diese Ansiedlungen und Transformationen zu schaffen. Das ist jedoch kein Sprint, sondern ein Marathon. Es bestehen komplexe Strukturen, und wir müssen zunächst die Grundlagen schaffen, bevor Neues entstehen kann. Insbesondere beim Thema Wasserstoff sind wir in konkreten Projekten unterwegs, etwa bei der Entwicklung von Umschlag- und Speicherlösungen oder bei der Integration von Wasserstoff in bestehende Logistikketten. Viele Akteure verfolgen dabei Projekte und befinden sich in der Umsetzung, um den sogenannten Sustainable Energy Hub zu realisieren.
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Viele Hafenunternehmer kritisieren den einseitigen Schwerpunkt in Hamburg auf das Containerbusiness, auf das Auf und Ab um den Containerumschlag in TEU, den Standardcontainern mit einer Länge von 20 Fuß (Twenty-foot Equivalent Unit). Ist Hamburg zu Container-traditionell? Der Containerumschlag ist sichtbar, messbar und wird oft als Gradmesser für die Hafenentwicklung genommen. Aber Hamburg ist mehr als nur TEU-Zahlen. Der Hamburger Hafen ist ein Universalhafen mit Umschlag von Containern, Massengut, Flüssiggut, RoRo und Stückgut sowie Kreuzfahrt, Logistik und Industrie. Diese Vielfalt ist eine Stärke. Sie macht uns wirtschaftlich widerstandsfähiger und flexibler. Wenn der Containerumschlag mal schwächelt, wie etwa in der Corona-Zeit, können andere Segmente stabilisieren. Damals stieg der Umschlag von Agrargütern stark an. Ein Universalhafen wie Hamburg bietet auch Raum für unterschiedlichste Technologien und Innovationen, und diese Offenheit macht uns attraktiv für neue Geschäftsfelder und für Unternehmen, die mehr als nur Standardcontainer bewegen. Diese Diversität ist ein Standortvorteil im internationalen Wettbewerb. Hamburg kann mit anderen großen Häfen mithalten, gerade weil wir nicht auf eine einzige Ladungsart angewiesen sind.
»Um beim Thema Landstrom zu bleiben: Der Hafen von Los Angeles hat hier schon einige Jahre vor uns einen Standard gesetzt, den wir zwar technisch nicht eins zu eins übernehmen, aber für uns adaptieren konnten. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Best Practices innerhalb der IAPH verbreitet werden. Wir konnten von einem amerikanischen Hafen lernen, und wiederum andere europäische Häfen lernen nun von unserer individuellen Umsetzung.«
Jens Meier über Hamburg im globalen Hafenbusiness
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Viele befürchten, weil die Gebühren im Hamburger Hafen im Wettbewerbsvergleich viel zu hoch seien, dass man in den kommenden Jahren wesentlichen Hafen-Umsatz an andere verlieren würde, zum Beispiel an die Nordhäfen in Wilhelmshaven. Warum ist die Nutzung des Hafens so teuer? Die Frage ist berechtigt, jedoch ist es wichtig, das Thema von allen Seiten zu betrachten. Beispielsweise die Lage. Hamburg liegt nicht direkt an der Küste, sondern im Hinterland. Das ist ein Vorteil, weil wir inmitten Europas sitzen und sehr gut angebunden sind – gerade über die Hafenbahn. Auch dass die Güter in Hamburg oft länger auf dem Schiff bleiben, bringt einen logistischen Vorteil mit sich, verursacht aber eben auch Kosten. Und nicht alle Gebühren hängen direkt am Hafen selbst – viele entstehen bei unseren Partnern. Ich kann Ihnen aber versichern, dass alle an Effizienzsteigerungen arbeiten – jeder für sich, häufig auch gemeinsam, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hamburg bietet daher viele Pluspunkte, die man nicht vergessen sollte. Die hervorragende Infrastruktur, die Nähe zu den großen Wirtschaftszentren, die starke Hafenbahn machen den Standort attraktiv. Ja, Hamburg mag im Vergleich nicht zu den günstigsten Häfen zählen, bietet dabei aber auch entscheidende Vorteile, wie beispielsweise eine hervorragenden Hinterlandanbindung und vernünftig bezahlte Arbeitsplätze.
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Sie sind als Präsident des Welthafenverbands, der International Association of Ports and Harbors (IAPH), salopp formuliert der Welthafenpräsident und oberster internationaler Hafen-Netzwerker. Quo vadis maritime Hafenweltwirtschaft? Immer größer, höher und weiter? Ja, das ist richtig, die IAPH vereint mehrere Hundert Häfen in mehr als 90 Ländern und ist damit die größte Vereinigung aller Häfen weltweit. Gerade in geopolitisch stark angespannten Zeiten wie den jetzigen ist es von besonderem Wert, dass wir mit der IAPH ein globales Forum haben, bei dem wir als Hafengemeinschaft mit einer Stimme sprechen und unsere Interessen vertreten. Dabei geht es in erster Linie darum, Lösungen für die großen Herausforderungen der maritimen Industrie zu entwickeln.
Der Wettbewerb untereinander ist dabei nur ein ganz kleiner Teil. Vielmehr wollen wir in gemeinsamer Anstrengung unseren Teil dazu beitragen, die Emissionen der Schifffahrt zu verringern, Innovationen vorantreiben und damit natürlich auch wirtschaftlich effizient und relevant bleiben. Als internationale Hafenfamilie sind wir nun mal alle aufeinander angewiesen und tun gut daran, uns gemeinsam proaktiv gegenüber wichtigen Stakeholdern wie zum Beispiel der International Maritime Organization (IMO) zu positionieren und die Rahmenbedingungen des Welthandels mitzubestimmen.
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Welche Rolle spielt Hamburg im weltweiten Konzert der IAPH-Häfen? Die Hamburg Port Authority ist innerhalb der IAPH ein aktiver Impulsgeber für Innovation und Zu-sammenarbeit. Das heißt, dass wir mit mutigen Ideen vorangehen, wie beispielsweise der Inbetriebnahme von Landstromanlagen und der verpflichtenden Nutzung dieser Anlagen für Kreuzfahrtschiffe ab 2027, drei Jahre vor der offiziellen EU-Richtlinie. Damit inspirieren wir andere Häfen, es uns gleichzutun und diese Investitionen schon jetzt zu tätigen. Gleichzeitig profitieren wir in solch einem großen Netzwerk von einem riesigen Wissensschatz.
Um beim Thema Landstrom zu bleiben: Der Hafen von Los Angeles hat hier schon einige Jahre vor uns einen Standard gesetzt, den wir zwar technisch nicht eins zu eins übernehmen, aber für uns adaptieren konnten. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Best Practices innerhalb der IAPH verbreitet werden. Wir konnten von einem amerikanischen Hafen lernen, und wiederum andere europäische Häfen lernen nun von unserer individuellen Umsetzung. Generell gesprochen bietet uns die IAPH damit die ideale Plattform für den fachlichen Austausch, mit dem Ziel, internationale Standards zu setzen. Denn im Endeffekt profitieren wir als maritime Lieferkette alle davon, wenn der globale Handel noch effizienter, digitalisierter und nachhaltiger abläuft. Für diese Vision setze ich den Fokus in meiner zweiten Amtszeit als IAPH-Präsident, die ich ab November offiziell antrete, insbesondere auf die Verbesserung der Lieferkettenresilienz und des digitalen Datenaustauschs sowie die Optimierung des Hafenbetriebs durch den Einsatz hochmoderner Technik – aber auch durch Ausbildungsoffensiven für die Talente von morgen.
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Welches Schiff ist für Sie der Inbegriff nachhaltiger Schifffahrt? Für mich gibt es nicht das eine Schiff als Inbegriff nachhaltiger Schifffahrt. Nachhaltigkeit zeigt sich in vielen Facetten: Da sind zum einen die traditionellen Segelschiffe, die seit Jahrhunderten windgetrieben und emissionsfrei die Meere befahren – Sinnbild einer ursprünglichen und ressourcenschonenden Seefahrt. Zum anderen beeindrucken mich moderne Frachter, die zwar mit konventionellen Treibstoffen betrieben werden, aber durch ihre enorme Transportleistung pro Tonne Fracht eine sehr effiziente und damit im Verhältnis umweltfreundliche Transportart darstellen.Besonders zukunftsweisend sind für mich jedoch die vielen Schiffe, die heute schon mit LNG, Methanol oder anderen alternativen Kraftstoffen unterwegs sind. Mit unserem „Bunker Ready“-Ansatz haben wir im Hamburger Hafen dafür gesorgt, dass solche Schiffe bei uns auch tatsächlich mit diesen umweltfreundlicheren Antrieben versorgt werden können. Das zeigt, dass wir nicht nur über nachhaltige Schifffahrt reden, sondern aktiv an ihrer Umsetzung arbeiten – von den Segeln vergangener Tage bis zu den Technologien von morgen. Die Fragen stellte Wolfgang Timpe