Freddie-Alias: »Wow, das bin ich!«

Konzert. Freddie Mercury hören: Der Kanadier Marc Martel glänzt in der Tribute-Show
»One Vision of Queen« als brillante Stimme der Queen-Legende

Kompliziert ist Marc Martel nicht. Einem Interview stimmt der Sänger spontan zu, obwohl er gerade mit der Tribute-Show „One Vision of Queen“ tourt. Wenn der Kanadier am Telefon spricht, klingt er nicht unbedingt wie Freddie Mercury. Das ändert sich aber, sobald er singt. Allein seine „Somebody to Love“-Version hat bei YouTube mehr als 20 Millionen Klicks.
Foto oben: Bandleader Marc Martel: „Uns geht es tatsächlich darum, unsere eigene Vision auf die Bühne zu bringen. Im Gegensatz zu anderen Tribute-Bands kleiden wir uns nicht wie Queen, sondern ehren vor allem ihre Musik.“ © Crystal K. Martel

Marc, seit wann begeistern Sie sich für die Songs der Band Queen? Das war ein langer Prozess. In den frühen 90er Jahren habe ich den Film „Wayne’s World“ gesehen. Als „Bohemian Rhapsody“ erklang, habe ich zum ersten Mal ganz bewusst ein Queen-Lied gehört. In diesem Moment hat mich das Zusammenfließen verschiedener Musikgenres genauso ergriffen wie Freddie Mercurys hohe, fast feminine Stimme.

Wollten Sie ihm nacheifern? Nicht unbedingt. Als ich jedoch Mitte der 2000er-Jahre mit meiner Band durch Nordamerika getourt bin und eigene Songs gesungen habe, sagte jeder zu mir: „Du klingst wie Freddie Mercury.“ Damals fing ich an, mich wirklich mit Queen zu beschäftigen.

Welches Lied ist Ihr Favorit? Die Krönung ist „Bohemian Rhapsody“, besser geht es eigentlich nicht. Für mich persönlich ist „Somebody to Love“ sehr wichtig, weil Roger Taylor und Brian May durch dieses Lied vor 13 Jahren auf mich aufmerksam wurden. Ich hatte ihnen ein Video meiner Interpretation geschickt, um mich für ihre offizielle Tribute-Band Queen Extravaganza zu bewerben.

Queen-Tribute-Künstler Marc Martel: „Für mich ist das völlig natürlich, ich brauche mich nicht zu verbiegen. Einzig an meiner Aussprache muss ich ein bisschen feilen.“ © Crystal K. Martel

Wie aufgeregt waren Sie beim Casting? Unter den 30 Bewerbern, die eingeladen worden waren, war ich sicher nicht das größte Nervenbündel. Ich bin nämlich nicht mit der Musik von Queen aufgewachsen. Deshalb war ich cooler als die Leute, die plötzlich  vor ihren Jugendidolen standen. Allerdings wurde ich nervös, als mich Brian May seine Gitarre spielen ließ. Ich wollte sie nicht fallen lassen.

Sie waren danach sechs Jahre bei der Tribute-Band Queen Extravaganza. Wie lief denn die Vorbereitung? Da ich nur wenige Queen-Lieder kannte, musste ich gut 30 Titel von „Radio Gaga“ bis zu „Love of My Life“ erst mal einstudieren. Seinerzeit war ich noch mit meiner eigenen Band unterwegs. Wenn wir die Bühne für unseren Auftritt vorbereitet haben, hatte ich Kopfhörer auf und hörte Queen-Titel. Ich nahm mir vor, jeden Tag einen neuen Songtext auswendig zu lernen.

Damit waren Sie auch für Ihr nächstes Projekt Ultimate Queen Celebration bestens präpariert, oder? Ja. Diese Tribute-Show gibt es seit 2017, vor vier Jahren haben wir sie in „One Vision of Queen“ umbenannt. Dieser Name passt perfekt. Nicht nur, weil ein Queen-Song „One Vi­sion“ heißt. Uns geht es tatsächlich darum, unsere eigene Vision auf die Bühne zu bringen. Im Gegensatz zu anderen Tribute-Bands kleiden wir uns nicht wie Queen, sondern ehren vor allem ihre Musik. Ich möchte erzählen, was mich mit Queen und ihren Liedern verbindet.

Wie herausfordernd ist es, wie Freddie Mercury zu singen? Für mich ist das völlig natürlich, ich brauche mich nicht zu verbiegen. Einzig an meiner Aussprache muss ich ein bisschen feilen. Denn Freddie Mercury hat mit seinem britischen Akzent manches anders betont.

Haben Sie Queen jemals live gesehen? Ich war bei mindestens zwei Shows mit Adam Lambert. Zuletzt in Nashville, dort wohne ich. Als ich backstage war, witzelte Brian May: „Wie war es für dich, deine Songs von einem anderen Sänger zu hören?“ Er hat diesen trockenen britischen Humor. Überhaupt nehmen sich die Queen-Mitglieder nie zu ernst und sind trotzdem ernsthafte Musiker.

In dem Biopic „Bohemian Rhapsody“ durften Sie Freddie Mercury bei einigen Stücken Ihre Stimme leihen. Wie haben Sie das erlebt? Das war ein Höhepunkt meiner Karriere. Im Studio habe ich versucht, diesem legendären Sänger so nah wie möglich zu kommen. Ich wollte in jedes Lied die richtigen Emotionen legen. Allerdings bekam ich auch Songs, von denen es keine Aufnahmen gab. Ich habe mich dann gefragt: Wie hätte Freddie sie eigentlich gesungen?

Wie war es für Sie, den Film zu sehen? Ich saß mit im Kino und war total nervös. Zumal ich nicht wusste, wann mein Gesang kommt. Immer wenn ich ihn hörte, dachte ich: Wow, das bin ich.
Interview: Dagmar Leischow

„One Vision of Queen“ gastiert am Samstag, 20. September, 19.30 Uhr in der Barclays Arena. Karten und weitere Informationen unter www.semmel.de

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