Der 50-$-Diktator: »Etwas sehr Lustiges!«

Komödie. Im Schmidt Theater auf dem Kiez feiert »Der 50-Dollar-Diktator« seine Premiere

Selbst auf St. Pauli passieren Sachen, die sogar für den Kiez ziemlich schräg sind. In der Komödie „Der 50-Dollar-Diktator“, die am 12. September im Schmidt Theater uraufgeführt wird, steht plötzlich ein unerwarteter Gast vor Cornelius von der Waidts Tür: Wohambe Wahumbe, ein Diktator mit Kalaschnikow. Weil der Hamburger ihn mit einer 50-Dollar-Patenschaft unterstützt hat, konnte er beim Militär Karriere machen. Nun möchte Wohambe Wahumbe dem edlen Spender nicht nur danken, sondern bei ihm übernachten. Das bringt Cornelius von der Waidt in die Bredouille, schließlich hat er just bei der Demo „Kein Bett für Diktatoren“ gegen sein Patenkind demonstriert.
Foto oben: Familienchaos und Kulturschock. Wenn im „Der 50-Dollar-Diktator“ deutsches ­Gutmenschentum auf malumbische Realpolitik trifft, dreht sich alles im Kreis. Bald weiß niemand mehr, wer gut oder böse ist. © Morris Mac Matzen

Klar, dass die Situation eskaliert – zwischen Familienchaos und Kulturschock. Cornelius von der Waidts moralistische Fassade kriegt allmählich Risse. Wenn deutsches Gutmenschentum auf malumbische Realpolitik trifft, dreht sich alles im Kreis. Bald weiß niemand mehr, wer gut oder böse ist. Es geht drunter und drüber. Reporter:innen nehmen die Fährte auf, ein Waffenhändler kommt ins Spiel, die Tochter fliegt versehentlich einen Drohnenangriff.

Die Autoren „Der 50-Dollar-Diktator“: Tommy Jaud (l.) und Moritz Netenjakob). © Morris Mac Matzen

In Szene gesetzt wird diese Farce von Corny Littmann, geschrieben wurde sie von Tommy Jaud und Moritz Netenjakob, beide preisgekrönte Bestsellerautoren. Tommy Jaud hat über drei Millionen Bücher verkauft. Sein bekanntestes Werk „Hummeldumm“ war Spiegel-Jahresbestseller, „Vollidiot“ und „Resturlaub“ schafften es auf Platz eins der Bestsellerlisten. Diese beiden Romane wurden fürs Kino verfilmt. Auch fürs Fernsehen war Tommy Jaud, ein gebürtiger Franke, tätig – als Creative Producer und Headwriter für „Wochenshow“ und „Ladykracher“. Unter dem Pseudonym Sean Brummel verfasste Tommy Jaud „Einen Scheiß muss ich“, ein Manifest gegen das schlechte Gewissen. Der Kölner Moritz Netenjakob war Chefautor von „Switch“ und „Wochenshow“. Zudem schrieb er Drehbücher für die Serien „Pastewka“, „Dr. Psycho“ und „Stromberg“ – letztere brachte ihm den Adolf-Grimme-Preis ein. Sein Romandebüt „Macho Man“ stand monatelang in den Top Ten der Spiegel-Bestseller, verfilmt wurde dieses Werk mit Christian Ulmen in der Hauptrolle. Es thematisiert, wie sich ein Frauenversteher in eine Türkin verliebt und sich plötzlich in einer Welt voller Machos bewegt. 

Auch die Nachfolgeromane „Der Boss“ und „Milchschaumschläger“ verarbeiten den Clash der Kulturen. Dennoch sitzt Moritz Netenjakob nicht bloß am Schreibtisch, sondern bespielt auch Kleinkunst- und Kabarettbühnen. Mit Dietmar Jacobs schrieb er das Libretto des Musicals „Himmel und Kölle“, ausgezeichnet mit vier deutschen Musicalpreisen, sowie die Theaterstücke „Kalter weißer Mann“ und „Extrawurst“. Wenn dieser Mann seine Kreativität mit Tommy Jauds Schaffenskraft vereinigt, kann dabei nur eins herauskommen: etwas sehr Lustiges. Dagmar Leischow

„Der 50-Dollar-Diktator“ läuft vom 12. September bis 15. November im Schmidt Theater. Karten und weitere Informa­tionen unter: www.tivoli.de

Das Ensemble „Der 50-Dollar-Diktator“: Boris Boehringer (l-r), Vera Gobetz, Jasmin Fihlon, Deryl Kenfack | Mitte (v.l.): Elena Zvirbulis, Carolin Spieß, Robin Brosch, Veit Schäfermeier, Charlotte Heinke, Hans-Jürgen Helsig) plus Autor Tommy Jaud und Regisseur Corny Littmann (v.l. vorne sitzend). © Morris Mac Matzen

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