Verkehrskonzept: »Leise und ökologisch!«

Verkehr. Anwohner:innen und die Arbeitsgruppen im ­Netzwerk HafenCity e. V. mahnen ein nachhaltiges Verkehrskonzept zur neuen Oper an. Eine autofreie Anfahrt?

Brennpunkt Baakenhöft. Mit dem jetzt geplanten Neubau der ­Hamburgischen ­Staatsoper auf der Landzunge zwischen Elbphilharmie und Elbtower stellt sich eine zentrale Frage: Wie gelangen denn künftige Opernbesucher:innen zum neuen Kulturstandort – ohne die Wohnstraßen der östlichen HafenCity zu überlasten? Eine konsequent autofreie Anfahrt, starke Priorisierung des öffentlichen Nahverkehrs und durchdachte Fußwege- und Fährkonzepte sind entscheidend für die Akzeptanz des Großprojekts im Stadtteil. 
Foto oben: Blick von der Baakenhafenbrücke auf die geplante neue Oper: städtebauliche Achse zwischen ÖPNV und Kulturort. © BIG & Yanis Amasri Sierra, Madrid, Spain

Laut den bisher öffentlich zugänglichen Opernentwürfen rund um den Wettbewerbssiegers Bjarke Ingels Group sind für die neue Staatsoper offenbar rund 120 Stellplätze in einer Tiefgarage vorgesehen. Zum Vergleich: Die Tiefgarage an der Semperoper Dresden verfügt über rund 450 Stellplätze, und an der Bayerischen Staatsoper in München sind es etwa 500. Wenn diese geringe Zahl an Stellplätzen am Baakenhöft so beibehalten wird oder sogar noch weiter verringert werden könnte, wäre dies ein klares Signal für die Mobilitätswende. Eine autofreie Opern-Anfahrt wäre konsequent: Das Quartier am Baakenhafen steht bereits heute für kurze Wege, Familienfreundlichkeit und weitgehenden Verzicht auf das Auto. Der direkte Zufahrtsverkehr zum Operngebäude sollte daher auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Auch der Taxiverkehr muss klar geregelt werden. Statt dass Hunderte von Taxis abends durch eine Wohnstraße fahren, sollten definierte Drop-off-Zonen abseits der Wohnbebauung eingerichtet werden – beispielsweise an der Versmannstraße. Digitale Taxi-Warteschlangensysteme, wie sie bereits an Flughäfen eingesetzt werden, wären denkbar. Die Bahnlinie U4 ist und bleibt die zentrale Verbindung. Die Station HafenCity Universität an der Überseeallee liegt in unmittelbarer Nähe zum geplanten Opernstandort und bietet optimale Anbindungen an den Hauptbahnhof und die Innenstadt. Seit November 2025 fährt die U4 zu Stoßzeiten bereits im Fünf-Minuten-Takt. Besonders attraktiv wäre ein überdachter Gehweg über die Baakenhafenbrücke, der die U4-Station HafenCity Uni wettergeschützt mit dem Operneingang verbindet. Eine solche Verbindung würde nicht nur den Komfort deutlich erhöhen, sondern auch ein architektonisches Signal setzen: Die Oper ist für alle da – fußläufig, barrierefrei und einladend. Die Baakenhafenbrücke könnte so zu einer städtebaulichen Achse zwischen ÖPNV-Knotenpunkt und Kulturstandort werden.

Ein besonders reizvolles Element wäre auch eine neue Fährlinie mit Anlegern an der Staatsoper und an der S/U-Bahn-Station Elbbrücken. Damit würde erstmals eine durchgehende Fährverbindung zwischen Elbbrücken und Landungsbrücken möglich und mehr noch: Eine Linie, die das künftige Naturkundemuseum im Elbtower, die neue Staatsoper und die Elbphilharmonie miteinander verbindet, wäre ein maritimes Kulturband entlang der Elbe.

Die HADAG betreibt bereits die Linie 72 zwischen Landungsbrücken und Elbphilharmonie. Eine Verlängerung bis zu den Elbbrücken würde die östliche HafenCity erstmals per Fähre erschließen und den Busverkehr entlasten. Opernbesucher:innen könnten mit ihren Eintrittskarten kostenfrei anreisen – wie es bereits bei der Elbphilharmonie praktiziert wird. Eine Opernfahrt per Fähre würde aus dem Kulturbesuch ein ganzheitliches Erlebnis machen: staufrei, klimafreundlich und mit Blick auf Hafen und Skyline. Taktverdichtungen zu Veranstaltungszeiten, gute Anbindungen an die U4 und barrierefreie Anlegestellen sind notwendig, damit die Fähre nicht nur eine touristische Attraktion, sondern ein echtes Verkehrsmittel für alle wird.

Der Neubau der Staatsoper ist ein Testfall für die Mobilitätskultur der Zukunft in Hamburg. Damit tragfähige Lösungen entstehen, sollte die Anwohnerschaft von Beginn an in die Planungen einbezogen werden. Wenn es gelingt, die Anfahrt konsequent auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und Fußwege auszurichten, entsteht ein neues Selbstverständnis urbaner Erreichbarkeit: leise, sicher und ökologisch durchdacht. Lutz Metterhausen

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

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