Coaching. Ob im Alltag oder im venezianischen Fasching beim Hamburger »Maskenzauber« – welche Maske tut Ihnen persönlich gut, und auf welche sollten Sie verzichten?
Der Jahresbeginn ist auch Karnevals- beziehungsweise Faschings-Zeit in Deutschland. Wo Kölner oder Mainzer sich begeistert verkleiden und feiernd durch die Straßen ziehen, tun sich die Norddeutschen damit etwas schwerer, selbst wenn auch in Hamburg Faschings-Veranstaltungen stattfinden. So hat sich beispielsweise der „Maskenzauber“ (dieses Jahr am 31. Januar und 1. Februar) zu einer festen Veranstaltung im Hamburger Straßenkulturleben entwickelt. Zwischen Colonnaden, Binnenalster und den Alsterarkarden können Passanten wunderschöne Kostüme im Stile des venezianischen Karnevals bewundern. Besonders die kunstvollen Masken sind natürlich ein prächtiger Blickfang.
Foto oben: „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“, brachte es William Shakespeare auf den Punkt. Wissen Sie, welche Rollen Sie täglich spielen? Und welche Masken ausgedient haben? – Ein Hauch von Venedig beim „Maskenzauber“ in der Hamburger City. © picture alliance | ABBfoto
Doch ganz unabhängig vom Faschingstreiben tragen wir alle immer wieder unterschiedliche Masken auf der sogenannten Bühne des Lebens. Wir sind Vater oder Mutter, Ehemann oder Ehefrau, Lehrer oder Führungskraft, Angestellte oder Unternehmer und vieles mehr. Je nach Rolle wählen wir die passende Maske. Wir geben uns gastfreundlich oder zurückgezogen, liebenswürdig oder ablehnend, geduldig oder großzügig – halt so, wie es das soziale Umfeld erfordert.
»Welche Masken tragen Sie? Chefin, Elternteil, Freundin, Vereinsmitglied? Schon diese Übung kann erhellend sein, denn oft wird uns dabei bewusst, wie viele Masken wir tatsächlich tragen.«

Von klein auf lernen wir entsprechende Masken kennen. Im gesellschaftlichen Miteinander übernehmen wir bestimmte Verhaltens- und Erscheinungsregeln von Eltern, Lehrern und der Gesellschaft. Viele Menschen leben nach diesen Regeln, ohne sie je zu hinterfragen. Doch genau dies ist wichtig, um sich nicht angesichts der vielen Masken selbst zu verlieren. Um nicht von Rolle zu Rolle zu hetzen und überfordert auszubrennen.
Der Zauber der Klarheit:Der erste Schritt besteht darin, Klarheit über die verschiedenen Rollen zu gewinnen, die wir in unserem beruflichen und privaten Leben einnehmen, bei der Arbeit, in der Familie, in der Gemeinschaft. Ein Blatt Papier und ein Stift helfen dabei, diese zu identifizieren und zu reflektieren. Welche Masken tragen Sie? Chefin, Elternteil, Freundin, Vereinsmitglied? Schon diese Übung kann erhellend sein, denn oft wird uns dabei bewusst, wie viele Masken wir tatsächlich tragen.
Haupt- und Nebenrollen – den Fokus schärfen: Nachdem Sie Ihre Rollen aufgeschrieben haben, geht es darum, sie zu bewerten. Welche sind für Sie von zentraler Bedeutung und bringen Ihnen Freude und Erfüllung? Welche Rollen hingegen fühlen sich eher wie eine Last an und kosten Sie wertvolle Energie? Bewerten Sie: ein Plus für eine angenehme Rolle, ein Minus für eine unangenehme und eine Null für eine neutrale. Nehmen wir „Maria“ als Beispiel: Sie ist Managerin in einem großen Unternehmen, Mutter von zwei Kindern, Freundin, Mitglied im Sportverein und Tochter einer pflegebedürftigen Mutter. Die Bewertung zeigt ihr, welche Rollen ihr Freude bereiten und welche sie belasten.
Bewusst wählen: Der Schlüssel liegt nun darin, sich auf maximal sieben Hauptrollen zu beschränken. Das klingt leichter, als es ist, denn oft hängen wir an bestimmten Rollen, auch wenn sie uns nicht guttun. An diesem Punkt ist es hilfreich, sich folgende Fragen zu stellen: Wie fühle ich mich damit? Was hat wirklich Vorrang (ganz realistisch)? Wo will ich Prioritäten verändern und beispielsweise etwas delegieren? „Maria“ aus unserem Beispiel beschließt etwa, ihre Rolle im Sportverein aufzugeben, da sie ihr keine Freude mehr bereitet, und mehr Zeit für ihre Rolle als Freundin zu investieren, um diese Beziehung zu stärken.
Es lohnt sich, sich ab und an Zeit zu nehmen, die Masken des Alltags zu hinterfragen. Je besser Sie sich kennenlernen, umso genauer verstehen Sie Ihre Bedürfnisse, Werte und Grenzen. Sie können Entscheidungen treffen, die mit Ihrem Innersten im Einklang sind, statt sich von äußeren Erwartungen treiben zu lassen. Weniger Masken und mehr Sie selbst – für mehr Selbstvertrauen, bessere Beziehungen und ein erfüllteres Leben. Ihre Andrea Huber
Info
Andrea K. Huber ist Coachin im Leistungssport, hat sich
auf Stressmanagement spezialisiert und berät Unternehmen und Privatpersonen in herausfordernden Situationen. Infos: andrea-huber-coaching.de



