»Ein Erfolg unserer Politik«

Wohnungsbau. Karen Pein, Senatorin für Stadtplanung und Wohnen, und Ralf Sommer, CEO der Investitions- und Förderbank (IFB), ziehen für 2025 Bilanz bei der Förderung von Sozialwohnungen

Bei Bilanzen und Statistiken kommt es immer auch auf den Blickwinkel an. Und wo könnte das wichtiger als in der Baubranche sein, wo Projektentwickler und Bauherren derzeit eher abwarten statt bauen – trotz moderat sinkender Zinsen – und die explodierten Baukosten kaum nachgeben. Im sozialen Wohnungsbau machen sich die bundesweit fehlenden 400.000 Wohnungen besonders dramatisch bemerkbar, auch in Hamburg. Die innerstädtischen Mieten sowie Haus- und Wohneigentumspreise steigen spürbar, da eine große Nachfrage auf zu wenige Angebote trifft.
Foto oben: Ralf Sommer, CEO der Investitions- und Förderbank Hamburg (IFB): „Mit über 6.300 bewilligten Sozialbindungen erreichen wir ein Ergebnis, das Hamburg seit Jahrzehnten nicht erzielt hat. Dieser Erfolg zeigt, wie wirkungsvoll der Mix aus Neubau, Modernisierung und der Verlängerung bestehender Bindungen ist.“© IFB Hamburg | Jörg Müller

Da freut es natürlich Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, und Ralf Sommer, den Vorstandsvorsitzenden der Investitions- und Förderbank Hamburg (IFB), dass sie Ende Ja­nuar gute Zahlen für den sozialen Wohnungsbau vorlegen konnten. Hamburg habe im vergangenen Jahr „ein sehr gutes Ergebnis“ bei der Förderung von Sozialwohnungen erzielt: Insgesamt seien 6.369 Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung bewilligt worden, „so viele wie seit den 1990er-Jahren nicht mehr“, sagt die IFB-Bank. 

Karen Pei, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Hamburg bleibt im Bundesvergleich Spitzenreiter bei der Förderung von Neubau und Modernisierung.“ © Catrin-Anja Eichinger

Damit setze die Stadt ein starkes Zeichen für bezahlbaren Wohnraum und „unterstütze weiterhin gezielt Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen“. Im Neubau wurden 2.742 geförderte Wohnungen bewilligt. Auch im Bereich der Modernisierungen zeigt sich eine deutliche Steigerung: 6.708 Wohnungen wurden für die Modernisierungsförderung genehmigt, davon 1.625 mit neuer Bindungswirkung – rund 1.000 Wohnungen mehr als im Vorjahr. 

Für Karen Pein, SPD-Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, ein Grund zum Jubeln: „Hamburg bleibt im Bundesvergleich Spitzenreiter bei der Förderung von Neubau und Modernisierung. Das ist ein klares Zeichen für die Priorität des Senats und für den Erfolg unserer kooperativen Wohnungsbaupolitik mit der Wohnungswirtschaft und den Bezirken. 2025 haben wir mehr als 6.300 sozial gebundene Wohnungen bewilligt – ein Rekordergebnis, wie wir es seit über 25 Jahren nicht mehr erreicht haben.“ 

Und Ralf Sommer, CEO der IFB, ergänzt: „Mit über 6.300 bewilligten Sozialbindungen erreichen wir ein Ergebnis, das Hamburg in seiner jüngeren Geschichte seit Jahrzehnten nicht erzielt hat. Dieser Erfolg zeigt, wie wirkungsvoll der Mix aus Neubau, Modernisierung und der Verlängerung bestehender Bindungen ist. Die IFB Hamburg schafft dafür verlässliche Rahmenbedingungen und passgenaue Förderangebote, damit Investitionen in bezahlbaren Wohnraum möglich bleiben und Hamburg seinen Bestand dauerhaft sichern und ausbauen kann.“

Anke Frieling, Vize-Chefin der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die präsentierten Zahlen sollen beeindruckend klingen, lösen aber das Grundproblem nicht: Hamburg braucht mehr bezahlbare Wohnungen.“ © Tobias Koch | tobiaskoch.net

Dass die Opposition immer was zu meckern hat, ist schon klar. Und doch kommt sie auf der gleichen Zahlengrundlage wie die Stadtregierung zum entgegengesetzten Urteil. Dr. Anke Frieling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die präsentierten Zahlen sollen beeindruckend klingen, lösen aber das Grundproblem nicht: Hamburg braucht mehr bezahlbare Wohnungen. Der Senat feiert sich für 6.369 geförderte Wohnungen, davon sind aber nur 2.742 geförderte neue, zusätzliche Wohnungen, beim Rest handelt es sich um Bindungsverlängerungen und Modernisierungen bestehender Wohnungen. In Hamburg haben 643.000 Haushalte Anspruch auf eine Sozialwohnung, da sind 2.742 Wohnungen tatsächlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Insgesamt stagniere, so Frieling weiter, der Wohnungsbau auch in Hamburg weiterhin, und die Mieten würden steigen. Die stellvertretende Fraktionschefin: „Die geförderten Wohnungen machen mittlerweile 40 Prozent der insgesamt genehmigten Wohnungen aus – eine alarmierende Zahl. Hamburg braucht viele zusätzliche Wohnungen in allen Segmenten. Doch steigende Baukosten und langwierige Verfahren schrecken Bauherren ab, und die Wirkungen von Bau-Turbo und Hamburg-Standard lassen auf sich warten.“

Der 2026er-Ausblick von IFB-Hamburg-CEO Ralf Sommer und Karen Peins BSW, der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, klingen hingegen ermutigender: „Die Programme der IFB Hamburg werden moderat an die gestiegenen Baukosten angepasst, um die Wirtschaftlichkeit für Neubau und Modernisierung weiterhin zu sichern. Grundlage dafür ist eine Kostenanpassung von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Entsprechend werden auch die Anfangsmieten in den Förderwegen leicht angehoben: auf 7,85 Euro/qm im 1. Förderweg, 9,99 Euro/qm im 2. Förderweg und 12,95 Euro/qm im 3. Förderweg.“ Und mit einem Fördervolumen von rund 868 Millionen Euro schaffe der Hamburger Senat die Voraussetzungen dafür, dass auch 2026 umfangreich in bezahlbaren Wohnraum investiert werden könne. Das Programmziel umfasse für 2026 den Bau von mindestens 3.000 geförderten Neubauwohnungen in allen drei Förderwegen.

Für Fachfrau Anke Frieling sind die neuen hohen Fördersummen okay, würden aber „null Dynamik im Hamburger Wohnungsmarkt auslösen“. „Sie können nur dann endlich wirken“, so Frieling, „wenn auch die Rahmenbedingungen verbessert werden. Hamburg braucht schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, mehr Bauland und eine echte Priorität für den Wohnungsbau.“ Wolfgang Timpe

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

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