Editorial 02.26: »O sole mio?!«
HCZ-Chefredakteur Wolfgang Timpe © Privat

Piff. Hat doch schon im neuen Jahr das ­Sieben-Wochen-ohne-Vorhaben beim kleinen Gläschen Rotwein sein kurzes Vorsatz-Leben ausgehaucht. Doch Trost kommt sofort von der UNESCO, die Kultur und Natur global schützt. Sie hat flugs die italienische Küche zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Ha, Pizza, Pasta und Genussfreude sind jetzt unsterblich. Da jubilieren doch die Engel in der Sixtinischen Kapelle, und meine Abneigung gegen den deutschen Klassiker Spaghetti carbonara mit Sahne (brrr!) wird endlich höchstrichterlich befeuert. Bella Italia!
Foto oben: Die italienische Küche ist immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO. Toskanalandschaft mit Oliven- und Chianti-Classico-Rebhängen. © Wolfgang Timpe

Paff. Kein Lob ohne Gegenrede. Da philosophieren italienische Genuss-Historiker lustvoll und wissenschaftlich darüber, dass die Welterbe-Auszeichnung kein Segen sei, sondern die italienische Küche „musealisieren“ würde und sie sich deshalb nicht weiterentwickeln könne, wo doch gerade erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts die regionalen Unterschiede die Cucina Italiana erstrahlen lassen. Nix ewiges Kulturerbe. Immer lässig neu, immer weiter. Mamma mia! 

Puff. Ja wie, was das mit der HafenCity zu tun hat? Dass sie mit ihren Dauerbrennern Carls Brasserie, Kinfelts Kitchen & Wine, Goa und Cardamom sowie Neni Hamburg, Strauchs Falco Grill & Seafood und der jüngsten Deseo ­Tapas Bar HafenCity international mit erfolgreicher Vielfalt glänzen kann. Aber dass eine echte Currywurst- und Fischbrötchen-Bude sowie heimelige Eckkneipe mit Buletten nach 15 Jahren immer noch fehlen, ist wohl der Grund, warum wir noch nicht immaterielles Weltkulturerbe in der HafenCity-Küchenkunst sind. So viel Wehmut darf sein. O solo triste!

Peng. Ach, in der Januar-HafenCity mit eiskaltem Matsch-Hü-und-Hott-Wetter sehnt man sich halt nach Spanien, Portugal, Südfrankreich oder Küchenwelterbe-Italien – egal, welche Region. Gut, dass man da, Vorsätze hin oder her, vor Ort ein wenig Sonnenschein beim Gläschen „Tignanello“ der Antinori-Winzer aus Florenz genießen kann. O sole mio! Wolfgang Timpe

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