»Rückenwind für die Lebensqualität!«

Freizeit. Senat und Bäderland stellen Plan für ein »Freibad Schwanenwik« an der Außenalster vor. Das Hamburger Büro gmp Architekten liefert den Entwurf an der Schwanenwik-Wiese 

Ich bin ich sehr fasziniert von der Idee des ,Freibad Schwanenwik’ an der Außenalster. Das würde passen in einer Stadt am Wasser, und wir leben ja in Hamburg mit dem Wasser, mit den Kanälen, mit den vielen Brücken, mit der Alster, mit der Bille und mit der Elbe. Es würde meinem Gefühl für die Lebensqualität in Hamburg noch einmal Rückenwind geben, wenn es uns gelänge, an einem öffentlichen Ort für alle Bürgerinnen und Bürger das Baden in dem öffentlichen Gewässer Außenalster hier an der Schwanenwik-Wiese, zu ermöglichen, einem historischen Badeort“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister ­Dr. Peter Tschentscher bei einer hochkarätig besetzten Pressekonferenz (PK) vor Ort. 
Foto oben: Umweltsenatorin Katharina Fegebankzum »Freibad Schwanenwik«: „Ich hoffe, dass der Entwurf auch bei Ihnen die eine oder andere Fantasie beflügelt, hier künftig wirklich schwimmen und ins Wasser zu springen.“ © gmp | Moka

Präsentation „Freibad Schwanenwik“ (v.l.): Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank, Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, Magdalena Weiss von amp Architekten und Bäderland-Geschäftsführerin Susan Zetzmann sowie Innen- und Sportsenator Andy Grote. © Wolfgang Timpe

Der Anlass: Senat und Bäderland stellten Mitte Mai die Idee und erste Bilder für eine mögliche neue Badestelle, das „Freibad Schwanenwik“ vor. Es soll nach skandinavschem Vorbild ein schlichtes modernes, öffentliches Naturfreibad mit Sauna-Angebot geschaffen werden. Bürgermeister Tschentscher betonte zwar mehrfach, dass es erstmal eine Idee und noch kein Projekt, aber nach ersten nachhaltigen Prüfungen an dem Ort auch möglich sei. Bei aller eigenen und breiten Begeisterung aller Beteiligten betonte er den jetzt folgenden nachhaltigen Prüfprozess, der für die auftraggebende Bürgerschaft wie für die Stadtgesellschaft „offen und transparent“ jetzt hart geprüft werde. Man kann jedoch davon ausgehen, wenn hier die ultimative Spitze des Senats mit Peter Tschentscher, der Zweiten Bürgermeisterin ­Katharina Fegebank und Chefin der Umwelt-Fachbehörde sowie dem Innen- und Sportsenator und Actice City- und Olympia-Maniac Andy ­Grote und die Bäderland-Geschäftsführerin Susan Zetzmann sich als Quartett ein Medien-Stelldichein geben, muss schon der Michel umfallen, wenn es scheitern sollte. Andy Grote zur HafenCity Zeitung HCZ: „Auch ohne den Olympia-Schwung, den wir gerne mitnutzen wollen, kann das Projekt von Hamburg allein realisiert werden.“

Kein Wunder, dass der Sportsenator vorneweg dafür wirbt, ist er doch schon vor 20 Jahren mit dem heutigen Finanzsenator Dr. Andeas Dressel, danals beide noch Jusos, plakativ in die Alster gesprungen, um für Baden in der Alster zu trommeln. Ein sichtbares Erfolgsmoment könnte der schlichte, komplett in die Uferlandschaft an der Schwanenwik-Wiese integrierte Entwurf des „Freibad Schwanenwik“ des renommierten Hamburger Büros gmp Architekten von Gerkan, Marg und ­Partner sein. Projektverantwortliche bei gmp, Executive Partnerin Magdalena Weiss, erläutert: „Mit wenigen Eingriffen kann hier ein wunderbarer Badeort im Einklang mit seiner Umgebung entstehen. Die Schilfzone am Ufer bleibt bestehen, unter dem Becken entsteht ein geschützter Raum für Fische. Die Konstruktion aus Holz und Stahl ist rückbaubar, ein natürliches Filtersystem, betrieben mit Solarenergie, ermöglicht einen weitgehend eigenständigen Betrieb des bewusst unbeheizten Bads.“

Magdalena Weiss, gmp Architekten: „Mit wenigen Eingriffen kann hier ein wunderbarer Badeort im Einklang mit seiner Umgebung entstehen. Die Schilfzone am Ufer bleibt bestehen, unter dem Becken entsteht ein geschützter Raum für Fische.“ © gmp | Moka

Selbst der bei der PK anwesende Chef des NABU Hamburg, Malte Siegert, mahnte zwar die wichtige Beachtung und Berückdichtigung aller Naturgegebenheiten an, aber findet „die Idee eines öffentlichen, nachhaltig in die Ufer- und Alsternatur eingebettetes Freibad“ grundsätzlich gut. „Öffentliche Freibäder könnten wir in Hamburg noch viel mehr an vielen Standorten gebrauchen“, so Siegert gegenüber der HCZ. Dass Natur und Umwelt, Wasserqualität, Fischbestände und Wassersportaktivitäten von Seglern, Ruderern, Stand-up-Padlern wie auch der AlsterSchifffahrt schon im jetzigen Entwurf berückdichtig wurden, ist Umweltsenatorin Katharina Fegebank amtsmäßig und persönlich wichtig;: „Die Idee des Alsterbades am Schwanenwik knüpft an eine alte Hamburger Tradition an und schafft einen offenen, öffentlichen Ort zum Erholen, Begegnen und Abschalten. Entscheidend ist, dass das Ganze auch für Natur und Umwelt funktioniert: mit einem Konzept, das die Wasserqualität dauerhaft verlässlich sichert und Ufer- sowie Naturbereiche schützt, damit die Alster ihren Charakter behält. Wenn das gelingt, ist das ein echter Gewinn für Hamburg – und auch ein erster Schritt hin zu weiteren öffentlichen Badestellen in der Stadt.“ 

Und bei der Präsentation legt sie noch eine Schippe dauf: „Wir haben die Interessen aller Nutzerinnen und Nutzer unserer wunderschönen Alster berücksichtigt. Und ich hoffe, dass der Entwurf auch bei Ihnen die eine oder andere Fantasie beflügelt, hier künftig wirklich schwimmen und ins Wasser zu springen.“ Und auch die mitgeplanten Saunen haben es Fegebank angetan, hat sie doch „bei einer Delegationsreise in Kopenhagen“ erlebt, wie vor der Haustür der Deutschen Botschaft bei windigem und kaltem Wetter das zentrale öffentliche Freibad samt Saunen genutzt wurde. „Für mich, und ich glaube für sehr viele Hamburgerinnen und Hamburger, ist das Schwimmen auf der Alster ein Sehnsuchtsort und mit dem Traum verbunden, in sauberem Wasser schwimmen zu können.“

Neue Bade- und Lebensqualität an und auf der Außenalster mit dem „Freibad Schwanenwik“ mit Alstertouristikschiff und Fernseh-Michel. © Wolfgang Timpe

Am Schwanenwik wurde bereits 1869 eine öffentliche Badeanstalt eröffnet. Die ersten Ideen beinhalten ein direkt in die Außenalster integriertes Konzept inklusive Schwimmbecken und die Neugestaltung der Alsterwiese. Im Zentrum der Überlegungen steht ein biologisches Filtersystem, das das Alsterwasser für den Badebetrieb aufbereiten soll. Eine Kombination aus Schilfzonen am Ufer und ergänzender Filtertechnik im Bereich der Steganlagen soll die Wasserqualität verlässlich sichern und gleichzeitig Natur- und Uferbereiche schützen.„Mit dem Naturbad soll die Tradition des innerstädtischen Badens wieder aufgenommen und zugleich eine zusätzliche, öffentliche Freizeitmöglichkeit geschaffen werden, die sich harmonisch in das Stadtbild einfügt“, so die Projektmacher:innen. Im nächsten Schritt werden die Detail- und Machbarkeitsplanungen vertieft, einschließlich Fragen der Wasseraufbereitung, des Naturschutzes, der Sicherheit und des Betriebs sowie dessen Finanzierung. 

Sport-Fan Andy Grote: „Hamburger Kinder könnten sogar in der Alster schwimmen lernen. Nach vielen Jahren der Diskussion über die Idee eines Schwimmbades in der Alster gehen wir jetzt im Kontext der Olympia-Bewerbung den entscheidenden Schritt weiter und nehmen das Projekt mit einem realistischen Konzept konkret in Angriff.“ Wenn alles passe und sich bestätige, geht Bürgermeister Tschentscher von einer „Planungs- und Realisierungszeit von drei bis fünf Jahren“ aus. Wie sagt man so schön auf norddeutsch: „Na denn man to!“  – bis vielleicht in 2029. Widerstand? Eher unwahrscheinlich – denn Baden in Natur hat echten Retrocharme. Wolfgang Timpe

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

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