»Am besten hört man ihm einfach zu!«

Konzert. Am 25. Februar tritt der russische Pianist und Rachmaninow-Fan Alexander Malofeev im Großen Saal der ­Elbphilharmonie mit dem London Philharmonic Orchestra auf

Der 24-Jährige ist einer jener Künstler, die bei einem Fest seiner Plattenfirma im Fotografiska in Berlin auftreten: Alexander Malofeev.Als er sich an den Flügel setzt, registriert man in null Komma nichts, dass er kein Tastenlöwe ist, sondern lieber mit seiner exzellenten Technik brilliert, die er sich in der Gnessin-Spezialschule sowie am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau angeeignet hat. Voll zum Tragen kommt sie bei einem Stück des Komponisten Nikolai ­
Medtner,
das der Russe an diesem Abend spielt.
Foto oben: Der russische Pianist Alexander Malofeev über Rachmaninows Zweite Klaviersonate: „Das Original präsentiert Rachmaninow ohne Frage als Dramaqueen, während der zweite Satz in der überarbeiteten Version keine so verrückte Klimax braucht.“ © Dovile Sermokas

Der Pianist Alexander Malofeev: „Obwohl ich jetzt in Deutschland lebe, ist Russisch immer noch
meine Sprache – auch meine musikalische Sprache.“ © Dovile Sermokas

Medtner ist neben Rachmaninow, Glinka und Glasunow einer jener Komponisten, dessen Werke Alexander Malofeev für sein neues Album ­„Forgotten ­Melodies“ ausgewählt hat. Warum hat sich der Pianist musikalisch komplett auf seine russischen Landsleute konzentriert? „Diese Idee brodelte schon einige Jahre in mir“, sagt er im Gespräch mit der HafenCity Zeitung. „Obwohl ich jetzt in Deutschland lebe, ist Russisch immer noch meine Sprache – auch meine musikalische Sprache.“ 

In seinen ersten beiden Lebensjahren hörte er zuh Hause nur Rachmaninow, weil seine Mutter nie etwas anderes auflegte. Diesen Komponisten dank seiner Aufnahmen als Pianisten zu erleben, fasziniert Alexander Malofeev, der schon mit 13 den Tschaikowsky-Wettbewerb gewonnen hat, bis heute. „Um Rachmaninows Klaviertechnik zu erkunden, habe ich viel Zeit investiert – ohne sie je entschlüsseln zu können“, gesteht er. „Am besten hört man ihm einfach zu.“

Für seinen Langspieler hat Alexander Malofeev unter anderem Rachmaninows Zweite Klaviersonate ausgesucht, allerdings nicht in der Originalfassung. Er interpretiert seine überarbeitete Version, entstanden gut zwei Jahrzehnte später in der Schweiz. Diese Entscheidung hat er bewusst getroffen, um sich Medtners Sonata reminiscenza op. 38 Nr. 1 zu nähern. Sie ist das Eröffnungsstück des ersten Zyklus der „Vergessenen Melodien“, die der Komponist schrieb, bevor er 1921 die Sowjetunion verließ. Malofeev machte sie zu einem Schwerpunkt seiner Einspielung und beschreibt sie als intim: „Selbst die lauteren Passagen sind sehr strukturiert – ähnlich wie bei Brahms.“ Gerade das hat den Pianisten gereizt. Er wollte anschaulich demonstrieren, dass russische Musik nicht zwangsläufig dramatisch sein muss. Auch das ist ein Grund, weshalb er die überarbeitete Fassung von Rachmaninows Zweiter Klaviersonate vorgezogen hat: „Das Original präsentiert Rachmaninow ohne Frage als Dramaqueen, während der zweite Satz in der überarbeiteten Version keine so verrückte Klimax braucht.“

Ebenso wie Medtner, Glinka und Glasunow hat Rachmaninow irgendwann Russland verlassen, Alexander Malofeev selbst wohnt seit 2022 in Berlin. Eint ihn das Leben im Exil mit jenen Komponisten, deren Werke er aufgenommen hat? „Ich mag das Wort Exil nicht“, stellt er klar. „Ich habe meine Heimat zwar verlassen, doch ich bin im Grunde genommen wie ein Igel, der sein Zuhause immer bei sich hat.“ Warum? Weil er gerne auf der Bühne steht und es liebt, Zeit mit seinem Instrument zu verbringen: „Wegen meiner vielen Reisen denke ich selten darüber nach, dass ich aus Russland weggegangen bin.“ Zuweilen führt ihn sein Weg auch nach Hamburg, gerade in der Elbphilharmonie fühlt er sich wohl: „Wenn man von der Bühne in den Großen Saal schaut, wirkt er wie ein Raumschiff. Das energetisiert die Musik.“ Dagmar Leischow

Info Alexander Malofeev ver­öffentlicht sein Album „Forgotten Melodies“ am 27. Februar bei Sony. Am Mittwoch, 25. Februar, um 20 Uhr, tritt er im Großen Saal mit dem London Philharmonic Orchestra auf. Das Konzert ist ausverkauft, Restkarten eventuell an der Abendkasse. Informationen unter: elbphilharmonie.de

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