Event. Mit dem Spatenstich für den Bau der neuen Hauptzentrale der weltgrößten Containerreederei Mediterranean Shipping Company (MSC) setzen MSC und die HafenCity ein Wachstumszeichen

Ein kühler Wind liegt über dem Baufeld am Lohsepark. Noch ist hier viel freie Uferfläche zu sehen. Ein paar Zelte stehen bereit, schön warm vorgeheizt. Davor versammeln sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Hafen. Sie sind gekommen, um den Spatenstich für die neue Deutschlandzentrale der weltgrößten Containerreederei Mediterranean Shipping Company (MSC) zu feiern. Der Neubau entsteht direkt neben den temporären Containern für die Campusschule HafenCity, deren Neubau im Süden des Lohseparks in der HafenCity gerade entsteht und 2029 bezogen werden soll.
Foto oben: Spatenstich am 25. Februar für die neue MSC-Zentrale am Ericusufer (v. l.): Dr. Andreas Kleinau, Vorstandsvorsitzender der HafenCity Hamburg GmbH, Dr. Melanie Leonhard, Wirtschaftssenatorin, Geschäftsführer Nils Kahn und CFO Kristin Berger, MSC Germany, sowie Dr. Andreas Dressel, Finanzsenator, Volker Schimke, Prokurist Adolf Lupp GmbH + Co. KG, Marcus Medicke, Geschäftsführer Medicke GmbH, und Lars von zur Gathem, Technischer Bereichsleiter Züblin Spezialtiefbau GmbH. © Catrin-Anja Eichinger
Für Nils Kahn, Geschäftsführer von MSC Germany, seit einem Jahr neuer alleiniger Mitgesellschafter (49,9 Prozent) der städtischen Hafengesellschaft HHLA, ist Hamburg seit Jahrzehnten Teil der Erfolgsgeschichte von MSC: „Unser neues MSC Germany Headquarter ist ein klares Bekenntnis zur Hansestadt Hamburg als wichtiges maritimes Zentrum in Europa. Hamburg ist einer unserer Heimathäfen und Drehkreuz für unsere globalen Liniendienste. Unser Ziel ist es, nicht nur neue Arbeitsplätze am Standort zu schaffen, sondern auch einen Ort der Begegnung für die Hamburgerinnen und Hamburger zu bieten. Gemeinsam mit der Stadt wollen wir die Zukunft des Hafens aktiv mitgestalten und mehr Umschlag nach Hamburg bringen“, sagt Kahn.
Das neue Gebäude entsteht nach dem Entwurf des Frankfurter Architektenbüros Wandel Lorch Götze Wach. Es soll mehr sein als ein Büro. MSC will mit diesem Standort auch stärker in die Stadt hineinwirken. Geplant sind rund 1.000 Quadratmeter öffentlich zugängliche Flächen mit Showroom und Gastronomie im Erdgeschoss.
Derzeit arbeiten rund 450 Beschäftigte für MSC in Hamburg. Mit der neuen Zentrale sollen es deutlich mehr werden. Im Interview mit der HafenCity Zeitung (HCZ) spricht Nils Kahn von künftig rund 700 Mitarbeitenden, wenn das Gebäude vollständig genutzt wird.
Ein wichtiges Thema ist für das Unternehmen Nachhaltigkeit. Das neue Gebäude soll nach hohen ökologischen Standards gebaut werden. Geplant sind recycelte Baustoffe und eine Energieversorgung, die unter anderem mit Regenwassernutzungsanlage und Photovoltaik auf dem Dach auf regenerative Energiegewinnung setzt. Damit will MSC verdeutlichen, dass „wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz zusammengedacht“ werden können.

Hamburgs Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhardsieht in dem Projekt vor allem ein Signal. Die größte Containerreederei der Welt baue ihre Deutschlandzentrale in der HafenCity, was für die Stadt ein klares Bekenntnis zum Standort und zur internationalen Sichtbarkeit sei. „Das hebt uns maritim noch mal ein bisschen auf die Weltkarte“, sagt die Senatorin nach dem Festakt im Gespräch mit der HCZ.
Sie verweist darauf, dass Hamburg nicht nur ein großer internationaler Hafen sei, sondern als Alleinstellungsmerkmal auch ein „wichtiger Eisenbahnhafen“ für Deutschland und Europa. Gerade deshalb passe die neue MSC-Zentrale gut an diesen Ort am Ericusufer an der Stockmeyerstraße in der HafenCity. Rund um den Lohsepark sitzen bereits mehrere Unternehmen aus der maritimen Branche. In Zukunft soll hier ein „maritimes Cluster“ entstehen.
Die Entscheidung fürs Grundstück war jedoch nicht unumstritten. Einige Anwohnende hätten sich gewünscht, dass die Fläche eine grüne nachhaltige Uferanlage bleiben sollte. Melanie Leonhard erklärt, dass solche Flächen im Rahmen der Stadtentwicklung „verkauft werden müssen“. Mit diesen Einnahmen „finanziere Hamburg einen großen Teil der Infrastruktur der HafenCity“. Ähnlich argumentiert auch Dr. Andreas Kleinau, Chef der HafenCity Hamburg GmbH (HCH). Das Gebiet folge „einem klaren Masterplan“. Die Flächen entlang der Kante zum Lohsepark seien von Anfang an als Baugrundstücke vorgesehen gewesen. MSC habe sich bewusst für diesen Uferort entschieden.
Der Weg zum Spatenstich ging dann dabei vergleichsweise schnell, freut sich Finanzsenator Dr. Andreas Dressel. Erste Gespräche über einen möglichen Neubau statt des heutigen Firmensitzes Am Sandtorkai gab es im Frühjahr 2023. Danach folgten Wettbewerbe für Architektur und Planung. Grundstückskauf, Bauantrag und Vorbereitung liefen parallel. Im Januar 2026 wurde final von der HCH mit MSC der Grundstückskauf besiegelt. Finanzsenator Dressel: „Die enge Partnerschaft zwischen Stadt und MSC, auch bei der Weiterentwicklung der HHLA,zeigt: Wir gestalten die Zukunft des Hafens gemeinsam und sichern so Wertschöpfung und Arbeitsplätze für Hamburg.“ Nun beginnt die eigentliche Bauphase.

Genau diese sorgt jedoch für große Sorgen bei der direkten Nachbarin gegenüber der MSC-Baustelle: der temporären Campusschule HafenCity. Dort lernen mehrere Hundert Kinder. Für sie bedeutet die Baustelle vor allem Lärm- und Staubemissionen sowie permanenten Baustellenverkehr. Schulleiterin Meike Ludzay beschreibt die Situation vorsichtig-skeptisch. Der Austausch mit MSC funktioniere grundsätzlich gut. „Ja, wir haben auch Kontakt mit dem Projektentwickler GARBE Urban Real Estate Germany, und wir können uns bislang nicht beschweren“, sagt sie. Gleichzeitig betont sie, „dass sich viele Fragen erst klären lassen, wenn der eigentliche Baubeginn richtig losgeht“.
Die Schule konnte bereits erste Maßnahmen abstimmen. Besonders laute Arbeiten sollen möglichst in Ferienzeiten stattfinden. Auch zusätzlicher Schallschutz an Containern und Fenstern werde diskutiert. Die Abstimmung läuft zwischen Schule, Bauherren, Schulbau Hamburg und Behörden.
Doch aus der Elternschaft kommt schon jetzt Kritik. Hans Christian Kölln, dessen Kinder die Schule besuchen und der Sprecher des Elternbeirats ist, sieht das Problem weniger beim Unternehmen als bei der Verwaltung. Er sagt, die Schulbehörde arbeite zu langsam. „Selbst wenn Lösungen mit den Bauherren gefunden sind, dauert die Umsetzung oft zu lange.“ Ein weiteres Thema ist der Verkehr rund um die Baustelle. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, wenn Baulaster vorbeidonnern und Schulkinder wie Erwachsene die Stockmeyerstraße vor der Schule überqueren wollen. Eine Dauer-Gefahrenquelle vor Ort. Können Kinder so sicher sein?
Schulleiterin Ludzay berichtet, dass solche Situationen keine Seltenheit seien. Vor der Schule gilt Tempo 30. Trotzdem fahren viele Baufahrzeuge schneller. Die Polizei hat deshalb bereits mehrfach Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden auch zahlreiche Verstöße festgestellt. Engmaschige Dauerkontrollen sind geplant, doch die Grundverantwortung liegt beim Bauunternehmen, das seine Mitarbeiter für diese Gefahren sensibilisieren und für die Einhaltung des Tempolimits sorgen muss.
Mit dem Spatenstich beginnt nun die entscheidende Bauphase, die nach MSC– und Bauplanung bis Ende 2028 beendet sein soll. Es muss sich zeigen, ob und wie gut es sich neben einer Großbaustelle mit Tiefbaulärm lernen lässt.
Am Ende dieses Vormittags stehen Politiker und Unternehmensvertreter nebeneinander, halten ihre Spaten in die Höhe und werfen dem Publikum Sandklumpen entgegen. Die Stimmung ist optimistisch. Die Reden handeln von Wachstum, Partnerschaft und Zukunft. Wie gut das funktioniert, wenn nun Bagger kommen und Spundwände im Spezialtiefbau gerammt werden, müssen die kommenden Monate zeigen. Der Beginn von allem ist authentische Kommunikation mit allen. HCH-Chef Kleinau: „Der Bauherrin und den Gewerken für einen reibungslosen Bau alles Gute!“ Na, dann mal los. Jimmy Blum



