tadteingang. Neue Investoren, neue Mieter. Die Indizien verdichten sich, dass die Bauruine Elbtower bis auf 199 Meter Höhe fertig gebaut wird. Weiterbau wohl ab Sommer 2026
Seit die Stadt Hamburg prüft, für gedeckelte 595 Millionen Euro mit ihrem Naturkundemuseum „Evolutioneum“ auf zwölf Etagen mit rund 46.000 Quadratmetern fast 50 Prozent Fläche des neuen, nur noch 199 Meter hohen Elbtowers zu erwerben, hat der Investor und Immobilienunternehmer Dieter Becken mit seinem Konsortium beste Chancen, dass der „Kurze Olaf“ zu Ende gebaut wird. Denn jüngst erklärte der Milliardär und Drogerieunternehmer Dirk Rossmann, dass er dem Becken-Konsortium beitreten werde. Und jetzt wurde Ende Januar bekannt, wie das Hamburger Abendblatt berichtete, „dass es einen neuen Hotelbetreiber für den 200 Meter hohen Wolkenkratzer gibt. Dort wird die Primestar Group das Fünf-Sterne-Haus Hilton Hamburg Elbtower eröffnen. Die Gruppe hat den Zuschlag für das Hotelprojekt vom Investorenkonsortium um Immobilieninvestor Dieter Becken erhalten, teilte sie am Freitag mit.“
Foto oben: Die 100 Meter hohe Bauruine Elbtower soll mit dem neuen städtischen Naturkundemuseum, Büros und einem Hilton-Luxushotel bis 199 Meter Höhe vollendet werden. © Frank Bründel | www.citynewstv.de
Damit könnte Investor Dieter Becken sein Ziel erreichen, ab Sommer 2026 den Elbtower mit dem Segen der David Chipperfield Architects bis auf neu geplante 199 Meter weiter und bis 2030 fertig zu bauen. Auf weitere 50 Meter Elbtower-Höhe hatte man verzichtet, da die Menge an Büroflächen offenbar am Markt nicht realistisch zu vermieten war.

Sommer 2026 zu Ende bauen, 2030 sollen die Mieter und das Naturkundemuseum einziehen. © picture alliance/dpa | Christian Charisius
Damit sind offenbar „die Hürden aus dem Weg geräumt, die lange an einer Fertigstellung des Wolkenkratzers hatten zweifeln lassen“, so Abendblatt-Autor und Stellvertretender Chefredakteur Matthias Iken. Nach der Insolvenz der Signa Prime-Gruppe des Investors René Benko hatten in der Folge alle vorgesehenen Mieter dem Hochhaus am Stadteingang Hamburgs tschüß gesagt – wie der Investor Commerz Real – oder verkrümelten sich stillschweigend ohne Worte wie die Nobu Hotel-Gruppe des Hollywood-Stars Robert De Niro.
»Wir sehen uns als Vorreiter in puncto Digitalisierung der Hospitality-Branche und werden diese Entwicklung auch im Elbtower progressiv vorantreiben.«
Primetime Group
Immobilienunternehmer Becken gelang es in den vergangenen Monaten, ein neues Investorenkonsortium zu organisieren. Dem gehören neben Becken selbst inzwischen die Kühne-Holding von Milliardär Klaus-Michael Kühne, der Drogerieunternehmer Dirk Rossmann und die Signal Iduna-Versicherung sowie das Bauunternehmen Adolf Lupp an. Das hatte im Oktober 2023 die Elbtower-Baustelle stillgelegt und seine Mitarbeiter und Baumaschinen abgezogen, da die Benko Signa-Firma Rechnungen nicht zahlte. Der Big Point für den jetzt wieder realistischen Fertigbau des markanten weißen Hochhauses als städtebaulicher Ostabschluss der HafenCity gelang Becken jedoch, indem er die Stadt Hamburg davon überzeugte, mit dem Naturkundemuseum dort einzuziehen und so als Stadt Miteigentümer des Elbtowers zu werden. Da Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher im Wahlkampf 2023 gebetsmühlenartig versprochen hatte, dass kein Euro Steuergeld in das „reine Privatinvestorenprojekt“ Elbtower fließen werde, überraschte die Investitionsentscheidung des Senats in Höhe von fast 600 Millionen Euro alle.

Zum Hintergrund: Die Basis für das Naturkundemuseum ist der Staatsvertrag von 2021 zur Gründung des Leibniz‑Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) und die damit verbundene Verpflichtung Hamburgs, ein modernes Forschungs- und Ausstellungshaus zu schaffen. Man prüfte seinerzeit 13 Standorte und hatte zuletzt zwei offenbar realistische Optionen: einen städtischen Neubau auf den Baufeldern 74/75 im Lohsepark der HafenCity mit kalkulierten Kosten von rund 824 Millionen Euro und eben den Elbtower.
Im Oktober 2025 verkündete dann der Senat, dass man plane, als Stadt Hamburg das Sockelgeschoss mit zwölf Etagen des Elbtowers für das neue Naturkundemuseum „Evolutioneum“ zu einem „Festpreis“ von 595 Millionen Euro zu kaufen. Bürgermeister Peter Tschentscher in der damaligen Pressekonferenz: „Für den Senat ist es wichtig, dass die Fertigstellung des Elbtowers in der Verantwortung und Federführung der privaten Investoren bleibt und die Stadt über einen Erwerb des Teileigentums für das künftige Naturkundemuseum hinaus keine wirtschaftlichen Risiken aus dem Projekt übernimmt. Der Kaufpreis für das Teileigentum und den Einbau des Naturkundemuseums soll dabei vertraglich fest abgesichert werden. Ich freue mich, dass mit diesem Vorgehen zwei Ziele der Stadt gleichzeitig erreicht werden können: Hamburg erhält ein attraktives neues Naturkundemuseum, und die HafenCity kann mit der Fertigstellung des Elb-
towers an den Elbbrücken städtebaulich vollendet werden.“

Die Hamburger Investorengruppe um Dieter Becken plant – und kann dies nun allen Anzeichen nach vollenden –, den Elbtower mit dem Evolutioneum, mit Büroetagen und mit dem Luxushotel Hilton Hamburg Elbtower auf 199 Meter Höhe zu Ende zu bauen. Dazu gehört auch die attraktive Aussichtsplattform, die die Bürgerschaft als öffentliche, frei zugängliche Fläche beschlossen hat – mit freiem Blick die Elbe hinunter, auf den Hafen und die Stadtsilhouette mit den Turmwahrzeichen der Hauptkirchen von St. Michaelis über St. Katharinen bis St. Petri.
Tschentscher betonte damals auch, dass das Naturkundemuseum im Elbtower auch wirtschaftlich funktioniere, da ein Museumsneubau Hamburg rund 824 Millionen Euro kosten würde, was 230 Millionen Euro mehr seien. Gespart sind die jedoch nicht, und 595 Millionen Euro liegen nicht mal eben in der Portokasse der Stadt. Die Summe liegt darüber hinaus für die 46.000 Quadratmeter für eine Archiv-, Büro- und Ausstellungsfläche mit rund 13.000 Euro pro Quadratmeter deutlich über Marktpreis. So wird „hintenherum“ dem Becken-Konsortium die Finanzierung des Zuendebauens ermöglicht. Finanziert wird das mit Krediten und aus dem Sondervermögen Stadt und Hafen. Die Fertigstellung des Baus wird für 2030 angepeilt, wobei das Museum mit den Archiven Platz für 16 Millionen Exponate bieten und eine große Dauerausstellung zur Evolution präsentieren soll.
»Hamburg erhält ein attraktives neues Naturkundemuseum, und die HafenCity kann mit der Fertigstellung des Elbtowers an den Elbbrücken städtebaulich vollendet werden.«
Dr. Peter Tschentscher
Aktuell interessant sei, so das Abendblatt, dass die Primestar Group einen Termin für die Fertigstellung des Hilton mitteile: „Eröffnet werden soll es bis spätestens 2029“, heißt es dort. Das „High-End-Hotel“ im Elbtower soll 195 Zimmer und Suiten bekommen. Dem Vernehmen nach gehe es um rund 13.000 Quadratmeter. Damit liege es in der Größenordnung des ursprünglich geplanten Nobu Hotels, das 191 Räume vorgesehen hatte. Das Hilton Hamburg Elbtower werde die Flächen von der ersten bis zur sechsten Etage des Elbtowers nutzen. „Primestar hat die Nobu-Fläche übernommen, weil sie baulich bereits für eine Hotelnutzung vorbereitet ist“, zitiert die Immobilienzeitung Investor Becken.
Für die Primestar Group wäre das neue Hotel der Eintritt in die Fünf-Sterne-Luxusklasse. Das Unternehmen betreibt derzeit 19 Hotels mit sieben Marken an zwölf Standorten in Deutschland, Österreich und Italien. Der Elbtower sei interessant nicht nur wegen des Naturkundemuseums, sondern auch als „State-of-the-Art-Bürogebäude“, wie sie es nennen. Neben Hotel und Restaurant soll das Hilton Hamburg Elbtower dann auch Tagungsflächen bieten. Die Hotelbetreiber versprechen für das neue Hilton im Elbtower „ein hohes Maß an digitalen Lösungen“, die nahtlos an die Smart City Hamburg andocken, so das Abendblatt. „Wir sehen uns als Vorreiter in puncto Digitalisierung der Hospitality-Branche und werden diese Entwicklung auch im Elbtower progressiv vorantreiben.“ So soll es dort einen Online-Self-Check-in und -Check-out geben, und viele Dienstleistungen können per Handy gebucht werden. Wolfgang Timpe



