Kunst. Von März bis August zeigt die Hamburger Kunsthalle in der großen Ausstellung »Maria Lassnig und Edvard Munch« 200 spektakuläre Werke
Der Titel der Ausstellung „Maria Lassnig und Edvard Munch“, die vom 27. März bis 30. August in der Hamburger Kunsthalle gezeigt wird, ist Programm. Die Schau mit rund 200 Werken führt vor Augen, was die beiden Maler:innen verbindet. Obwohl sie mehr als ein halbes Jahrhundert trennt – Edvard Munch wurde 1863 im norwegischen Loten geboren, Maria Lassnig 1919 im österreichischen Kappel am Krappfeld –, kann man in ihrem Schaffen erstaunliche Parallelen ausmachen.
Bild oben: Maria Lassnig (1919–2014), »Ehepaar«, 2001, Öl auf Leinwand, 100 x 125 cm, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, SammlungKiCo. © Maria Lassnig Stiftung / VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Tatsache ist: Edvard Munch hat Maria Lassnig definitiv beeinflusst. Die Künstler:innen eint zum Beispiel ihr einzigartiger Umgang mit Farbe als Gestaltungs- und Ausdruckselement. Ebenfalls eint sie ihre lebendige Pinselführung sowie ihre Bereitschaft, mit Maltechniken zu experimentieren.

Außerdem reflektieren beide unverkennbar ihre Empfindungen in ihren Bildern. Will heißen: Innere und äußere Welten erzeugen eine unmittelbare Spannung, der sich die Betrachter:innen kaum entziehen können. Bei Edvard Munch stehen große Emotionen im Mittelpunkt – von Trauer über Verzweiflung, Angst oder Zorn bis zu Freude. Man denke nur an das bekannteste Bildmotiv des Norwegers: „Der Schrei“. Diesen Titel tragen vier Gemälde und eine Lithografie, entstanden zwischen 1893 und 1910. Ihr Aufbau ist weitgehend identisch. Man sieht eine menschliche Figur unter einem roten Himmel. Sie presst ihre Hände gegen ihre Ohren, ihren Mund und ihre Augen hingegen reißt sie auf, gepeinigt von Furcht. Die Initialzündung für dieses Schlüsselwerk des Expressionismus gab eine Angstattacke des Künstlers. Während eines Abendspaziergangs meinte er, dass ein gewaltiger Schrei durch die Natur gehen würde. Jenseits dieser persönlichen Erfahrung ist „Der Schrei“ inzwischen zum Symbol für universelle Angst geworden. Gerade in Zeiten des Umbruchs.
Ohne Zweifel hat „Der Schrei“ Pate gestanden für Maria Lassnigs „Ohne Titel (Schreiende)“ von 1981. Die Bleistift-Aquarell-Zeichnung präsentiert eine Frau, die ihren Mund wie Edvard Munchs Protagonist weit aufgerissen hat. Allerdings hält der Gepeinigten jemand die Augen zu. Allein an dieser Figur lässt sich festmachen, wonach Maria Lassnig, deren Werke intime Einblicke in ihre Biografie geben, strebte. Ihr Ziel war es, körperliche Wahrnehmungen visuell auszudrücken. Sie malte, was sie fühlte. Dagmar Leischow
Info
Die Ausstellung „Maria Lassnig und Edvard Munch“ läuft vom 27. März bis 30. August in der Hamburger Kunsthalle. Karten und weitere Informationen unter: hamburger-kunsthalle.de



