„Handlungsfähig zum Bond-Start sein“

5 FRAGEN AN …

HANS-JOACHIM FLEBBE über Corona-Verluste, James-Bond-Weltpremiere und große Kinoleinwände

1
Herr Flebbe, seit ein paar Wochen hat die Astor Film Lounge HafenCity wieder geöffnet – allerdings nach wie vor nur mit halber Platzausnutzung wegen der Corona-Hygienevorschriften. Wie erleben Sie Ihr eigenes Premiumkino, das Kinoerlebnis unter solchen Bedingungen? 
Erst einmal sind wir froh, dass wir zumindest wieder einen grundlegenden Kinobetrieb anbieten können. Viele Gäste haben diese besondere Form des Ausgehens in den zurückliegenden Monaten vermisst und freuen sich nun wieder über Gemeinschaftserlebnisse vor der großen Leinwand. 
Leider stellen uns die Regelungen in Hamburg aber weiterhin vor erhebliche Schwierigkeiten. Es ist sehr schade, dass hier nicht auf die nachweislich sichere Situation im Rahmen eines Kinobesuchs Rücksicht genommen wird, wie dies zum Beispiel in Niedersachsen der Fall ist.

Achim Flebbe: „Unser Angebot aus großer Leinwand, exzellentem Sound, Komfort und engagiertem Service wird auch zukünftig funktionieren.“

2
Wie können Sie denn mit 50 Prozent Umsatzverlust durch die nächsten Monate kommen? 
Wie hoch auch jetzt nach der Öffnung die Umsatzverluste ausfallen, lässt sich noch gar nicht real beziffern. Wir sind in den nächsten Wochen nun erst einmal dabei, den Betrieb Stück für Stück wieder in Richtung „Normalität“ zu steuern, langsam auch die Personalstärke wieder so aufzubauen, dass wir zum lange erwarteten Bond-Start Ende September voll handlungsfähig sind. Wirtschaftlich gesehen sind dies schon extrem harte Zeiten. Wir werden im 2. Jahr nachein-ander Verluste erleiden. Aber wir haben glücklicherweise einen fairen Vermieter und die Entschädigungszahlungen des Bundes kommen spät, sehr zögerlich, aber sie kommen. 

Achim Flebbe: „Vor der Pandemie zählten wir mit der ASTOR Film Lounge HafenCity zu den bestausgelasteten Kinos in Deutschland. Da wollen wir natürlich auch wieder hin.“ © Elena Zaucke
Achim Flebbe: „Vor der Pandemie zählten wir mit der ASTOR Film Lounge HafenCity zu den bestausgelasteten Kinos in Deutschland. Da wollen wir natürlich auch wieder hin.“ © Elena Zaucke

3
Sie sind seit Jahrzehnten Kinofan, Programmmacher und vor allem Kinounternehmer mit eigenen Häusern, haben u.a. die Multiplexkinos in Deutschland eingeführt und zum Erfolg gebracht. Die Weltpremiere des neuen James-Bond- Films wird immer wieder verschoben, aktuell auf den 30. September. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Kinobranche und auch  der Filmproduktion ein? Wird es wieder goldene Kinozeiten geben? 
Auf diese Frage gibt es wohl keine kurze Antwort. Aktuell steht die Kinobranche vor einer der größten Herausforderungen ihrer Geschichte. Und dies nicht nur, weil der Aufwand größer wird und die Säle – per Verordnung – leerer werden. Die Pandemie hat in den zurückliegenden Monaten das Geschäftsmodell der Streamingdienste gefördert. Unsere größte Aufgabe wird es daher sein, sowohl unseren langjährigen Partnern bei den Filmverleihern als auch unseren Gästen zu beweisen, dass es nur einen Ort geben kann, um Filme richtig zu erleben: die große Leinwand! 
Ich bin sicher, dass uns dies in der ASTOR Film Lounge HafenCity gelingen wird. Unser Angebot aus großer Leinwand, exzellentem Sound, Komfort und engagiertem Service wird auch zukünftig funktionieren.

4
Mit Ihren Astor-Film-Lounge-Premiumhäusern haben Sie sich wieder einmal ein neues eigenes Publikum für ein hochwertiges und sinnliches Kinoerlebnis erschaffen. Kann der Erfolg nach Ende der Pandemie wieder bruchlos starten? 
Vor der Pandemie zählten wir mit der ASTOR Film Lounge HafenCity zu den bestausgelasteten Kinos in Deutschland. Da wollen wir natürlich auch wieder hin. Wir sind grundsätzlich gut gestartet, weil viele Menschen auf die Möglichkeit gewartet haben, wieder vor einer großen Leinwand sitzen zu können. „Bruchlos“ wird es aber nirgendwo funktionieren. Für jedes Kino ist es aktuell wie eine Neueröffnung, wir müssen jeden Gast neu gewinnen  – und dies auch noch unter erheblich eingeschränkten Bedingungen. Es ist zäh – aber wir wissen: Da müssen wir jetzt durch.  

5
Sie haben alle finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten. Nichts schränkt sie ein. Welche drei Wünsche oder Ideen würden Sie sofort umsetzen? 
Ich würde gerne (mit-)entscheiden, welche Filme exklusiv in den Kinos an den Start gehen dürfen – und welche vielleicht besser bei Streamingdiensten oder anderen Zweit- und Drittverwertern aufgehoben sind. Dann würde ich den Menschen gerne transparent vorstellen können, was sie gerade an tollen Produktionen auf den Kinoleinwänden erwartet. Und den dritten Wunsch würde ich mir gerne noch aufheben. Die Fragen stellte Wolfgang Timpe

Hans-Joachim „Achim“ Flebbe, 69, ist Macher eines der ersten Programmkinos in Deutschland, des Apollo-Kinos in Hannover-Linden (1973), Gründer und ehemaliger Vorstand der CinemaxX AG sowie der Erfinder und Gründer der Premiumkinos ASTOR Film Lounge – u.a. in der HafenCity am Sandtorkai.

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