»Ich bin süchtig nach einem Zweck!«

Musik. HCZ-Autorin Dagmar Leischow sprach mit Robbie Williams über sein neues Album

Das Action-Cover von Robbie Williams’ neuem Album „Britpop“ lehnt sich an ein legendäres Foto an, das einen wasserstoffblonden Robbie mit Zahnlücke in einer roten Trainingsjacke 1995 beim Glastonbury Festival in England zeigt. Bei diesem Event war der Sänger betrunken und feierte heftig mit Oasis. Das war ganz eindeutig ein Verstoß gegen die Regeln, die das Take That-Management ihm und seinen Bandkollegen seinerzeit aufgezwungen hatte. „Dank dieses öffentlichen Auftritts habe ich die Kontrolle über mich und mein Leben zurückerlangt“, sagt der 51-Jährige im aktuellen Videocall. Er ist gerade auf Tournee, hat sich aber an einem freien Abend zwischen zwei Konzerten Zeit für ein Interview genommen, um über sich und seine Musik zu sprechen.
Foto oben: Singer-Songwriter und Maler Robbie Williams: „Wenn ich kreativ bin, konzentriere ich mich ganz darauf. Somit bleibt kein Raum für das Elend meiner eigenen Gedanken.“ ©  Jason Hetherington

Cover von Robbie Williams’ Britpop. Er will ehrlicher sein: „Obwohl ich prinzipiell jemand bin, der den Leuten gefallen will.“ © Sony

Welchen Kurs er mit seinem neuen Langspieler einschlägt, verrät bereits der Albumtitel. Es geht zurück in die Britpop-Ära. Als sie in den 1990er-Jahren boomte, sang Robbie Williams bei Take That gefällige Boygroup-Ohrwürmer. Gleichwohl hatte er eigentlich nie das Gefühl, künstlerisch gar nicht so richtig ernst genommen zu werden: „Damals wusste ich nur eins: Privat habe ich nicht die Musik gehört, die ich in der Öffentlichkeit gemacht habe.“ Auch nach seinem Ausstieg bei Take That ging er als Solist mit seinen Liedern nicht in die Vollen, sondern etablierte sich mit Hits wie „Feel“ oder „Angels“ als Balladensänger. Parallel dazu machte er unter anderem mit „Rock DJ“ deutlich, dass er auch ein Händchen für schmissigen Pop hatte.

„Rocket“, die erste Single-Veröffentlichung, hat aber deutlich mehr Power und fette Riffs. Kein Wunder, für diesen Track hat der Vater von vier Kindern den Black Sabbath-Gitarristen Tony Iommi gewonnen. Andere Nummern wie „Spies“ sind ebenfalls kraftvoll. „Pretty Face“ klingt, als wäre dieser Titel auf dem Höhepunkt des Britpop entstanden. 

Der Ohrwurm „All My Life“ wird ebenfalls von Gitarren angetrieben, hat aber durchaus auch Pop-Charakter. In diesem Lied reflektiert Robbie Williams sein Leben. Im Text heißt es: „You tell me I’m addicted to the light and maybe you’re not wrong / And I know I’ll die, but I’ll never leave the stage“ – in etwa: „Du sagst mir, ich sei süchtig nach dem Rampenlicht, und vielleicht hast du recht / Und ich weiß, dass ich sterben werde, aber ich werde die Bühne niemals verlassen.“ Heißt das, dass der Brite abhängig vom Rampenlicht ist? „Nein, ich bin süchtig nach einem Zweck“, stellt er klar. „Das kann zum Beispiel Liebe sein – sei es Selbstliebe, die Liebe meines Publikums oder die Liebe einer fremden Person. Dieses Bedürfnis ist nicht sexuell konnotiert, es bezieht sich auf Empathie und Mitgefühl.“ Der zweite Satz, räumt Robbie Williams ein, habe durchaus einen Bezug zu seinem Musikerleben: „Ich offenbare meine Liebe, die ich für meinen Job empfinde.“

Das Kreativsein ist für ihn extrem wichtig. Er macht nicht nur Musik, sondern malt auch: „Wenn ich kreativ bin, konzentriere ich mich ganz darauf. Somit bleibt kein Raum für das Elend meiner eigenen Gedanken.“ Wobei er sich als Künstler durchaus mit sich beschäftigt. Das belegt auch seine Ausstellung „Radical Honesty“, die derzeit im Moco Museum in London zu sehen ist. Plädiert er tatsächlich dafür, radikal ehrlich zu sein? „Es bedarf sicher auch eines diplomatischen Verhaltens, weil nicht alle Menschen gleich sind“, grübelt er. „Ich selber bin sensibel und brauche eine gewisse Diplomatie.“ Auf der anderen Seite habe er das Verlangen, ehrlicher sein zu wollen: „Dahinter tritt dann meine Angst, jemanden zu verletzen oder zu verärgern, zurück. Obwohl ich prinzipiell jemand bin, der den Leuten gefallen will.“ Dagmar Leischow

Info
Robbie Williams’ Album „Britpop“ erscheint am 6. Februar bei Sony. Weitere Informationen unter: robbiewilliams.com

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