Jimmys Parkett: Gastro-Pioniere treffen Interiormöbel und »Lindi«

Der HCZ-Reporter Jimmy Blum über Events, People, Udo Lindenberg und Schnack aus dem Quartier

Vom Kap an die Elbe. Chefs Warehouse Hamburg – Canteen & Bar hat Am Sandtorkai eröffnet. Die HafenCity bekommt einen neuen kulinarischen Ankerpunkt. Mit dem Chefs Warehouse ist jetzt erstmals das international erfolgreiche Restaurantkonzept aus Kapstadt in Hamburg angekommen. Der neue Standort liegt am Sandtorkai in einem Gebäude, das selbst Geschichte geschrieben hat.
Foto oben: Die Chefs Warehouse Hamburg-Gründer und -Macher:in (v. l.) Lina Koch, Liam Tomlin und Christoph Strenger. HafenCity-Pioniergastronom Strenger: „Qualität entsteht durch Sorgfalt – bei Produkten genauso wie bei Menschen.“ © Jimmy Blum

Die ehemalige Maschinenzentralstation aus dem Jahr 1888 wurde von der HHLA aufwendig saniert. Backstein, hohe Decken, ein moderner Lichthof. Der Raum wirkt offen und rau zugleich. Genau die richtige Bühne für ein Konzept, das auf Klarheit setzt. Chefs Warehouse steht für „Tapas for Two“. Kleine Gerichte, die geteilt werden. International gedacht, handwerklich präzise umgesetzt. Das erste Restaurant eröffnete 2014 in Kapstadt. Heute gibt es neun Standorte weltweit. Hamburg ist Nummer zehn.

Die Idee für diesen Schritt entstand schon vor Jahren. Liam Tomlin, Gründer des Originals, traf 2016 auf Christoph ­Strenger. Beide verbindet bis heute eine gemeinsame Haltung: Qualität braucht Zeit, Sorgfalt und gute Produkte. Aus der Begegnung wurde eine Freundschaft und schließlich ein gemeinsames Projekt. Bei der Eröffnung strahlen beide in die Kamera, man merkt den beiden die jahrelange Freundschaft sofort an.

In Hamburg führen Lina Koch und Christoph Strenger das Restaurant. Beide sind in der Stadt längst feste Größen. Strenger ist ein Pionier der Gastronomie in der HafenCity, unter anderem mit dem CHILLI Club und Coast by east. Gemeinsam prägen sie mit den east-Konzepten seit Jahren die Szene. Lina Koch treibt das Projekt operativ voran. Sie bringt Erfahrung, Netzwerk und ein klares Verständnis für moderne Gastronomie mit. Ihr Anspruch ist spürbar, kein lauter Auftritt, sondern Substanz.

Das Restaurant bietet Platz für knapp 300 Gäste, dazu eine Galerie-Bar und mehrere Bereiche für private Runden. Auch ein Außenbereich gehört dazu. Abends öffnet die Küche, mittelfristig soll auch ein Lunch-Angebot folgen. Beim Presse-Dinner Ende Februar zeigt sich, wohin die Reise geht. Präzise Gerichte, klar im Geschmack, ohne Überladung. Produkte stehen im Mittelpunkt. Der Stil bleibt international, aber zugänglich. Mir schmecken besonders die Austern mit Tartare, sie sollen das neue Signature-Highlight auf der Speisekarte sein. Das Konzept „Sharing is Caring“ bietet eine große Auswahl an geschmacklichen Genüssen. Und das ist Christoph Strenger auch wichtig: „Qualität entsteht durch Sorgfalt – bei Produkten genauso wie bei Menschen.“ Ein Satz, der gut in diese Stadt passt. Und vielleicht genau zur richtigen Zeit kommt.
Chefs Warehouse, Am Sandtorkai 29, 20457 Hamburg chefswarehouse.de

Das Tikamoon-Team ­des neuen Flagship-Stores an den Hohe Bleichen: „Tikamoon ist mehr als ein Möbelgeschäft, es ist ein Gegenentwurf zum schnellen Konsum.“ © Tikamoon

Französisches Design, norddeutsche Leichtigkeit. In den Hohe Bleichen hat ein neuer Ort für Interior-Fans eröffnet. Tikamoon aus Frankreich, bislang vor allem als Online-Marke bekannt, zeigt sich jetzt erstmals mit einem großen Store in Deutschland – und Hamburg hat den Zuschlag bekommen. Ich war bei der Eröffnung, die kein klassischer Store-Launch war, eher ein lässiges Fest. Locker, laut, viele bekannte Gesichter aus der Hamburger Szene. Kreative, Architekten, Gastronomen, Designer. Man kennt sich, man kommt ins Gespräch und: mittendrin Möbel, die nicht nach Showroom aussehen, sondern nach echten Räumen.

Tikamoon denkt Möbel nicht als schnelle Ware, sondern als Begleiter. „Es ist Zeit, seltener und bewusster zu kaufen“, so Tikamoon-CEO Arnaud ­Vanpoperinghe. Sein Ansatz zieht sich durch die gesamte Kollektion und Ausstellung. Auf rund 500 Quadratmetern und zwei Etagen sind komplette Wohnwelten aufgebaut. Wohnzimmer, Bad, Schlafzimmer. Nichts wirkt inszeniert. Man läuft durch Räume, nicht durch Regale. Holz ist überall. Teak, Eiche, Nussbaum. Man kann es anfassen, vergleichen, spüren. Die Möbel sind massiv, schlicht, klar im Design, kein Schnickschnack. Dafür viel Handwerk. Tikamoon setzt bewusst auf langlebige Materialien und traditionelle Verarbeitung. Viele Stücke kommen ohne Metallverbindungen aus. Stattdessen klassische Holzarbeiten. Das spürt man.

Der Store versteht sich nicht nur als Verkaufsfläche. Halt ein Ort für Austausch und Inspiration. Workshops sind geplant, Gespräche über Materialien, Pflege, Nachhaltigkeit. Auch das ist Teil der Idee, Möbel nicht nur verkaufen und kaufen, sondern auch verstehen. In Hamburg trifft das einen Nerv. Unsere Heimatstadt ist geprägt von Kontrasten. Hafen, Industrie, aber auch ein starkes Bewusstsein für Gestaltung und Nachhaltigkeit. Genau da setzt Tikamoon an. Das Konzept ist klar. Weniger Masse, mehr Qualität. Produkte, die reparierbar sind. Materialien, die lange halten. Teilweise mit Blick auf Kreislaufwirtschaft und Wiederverwertung. Insofern ist Tikamoon mehr als ein Möbelgeschäft, ein Gegenentwurf zum schnellen Konsum.

Am Ende bleibt vor allem dieser Eindruck vom Abend: gute Gespräche und entspannte Stimmung und viele, die geblieben sind. Niemand wollte schnell wieder weg. Ein neues Geschäft, eine neue stationäre Marke kann ein Quartier, manchmal eine Stadt verändern. Tikamoon hat das Potenzial dazu. Nicht laut, sondern als Haltung.
Tikamoon, Hohe Bleichen 24-26, 20354 Hamburg tikamoon.de

Das Genussgipfel-Macherteam ­mit (v. l.) Matthias Gförer, Gut Wulksfelde, Cora Schwarz, foodlab, Thomas Sampl, Hobenköök, Maurizio Oster, Zeik, und Benjamin Cordes, Journalist. © Hobenköök

Ein Abend für die Region. In der Hobenköök wurde zur Internorga ein neuer Treffpunkt für die Gastro-Branche veranstaltet. Der „Genussgipfel“ bringt das zusammen, was oft getrennt läuft. Produzenten, Gastronomen, Start-ups und Händler. Alle an einem Ort. Alle mit dem gleichen Fokus. 

Es geht um regionale Lebensmittel und darum, wie sie wirklich ihren Weg auf den Teller finden. Dafür steht Hobenköök-Inhaber Thomas Sampl seit vielen Jahren mit seinem Frischekonzept von Lieferanten aus der Region. Die Idee ist einfach. Weniger Masse, mehr Gespräch und mehr direkte Begegnung. Genau dafür wurde der Genussgipfel geschaffen. Das merkt man sofort. Rund 25 Produzenten stehen in der Markthalle. Käse, Gemüse, Getränke, Manufakturprodukte und wunderschöne Blumenkreationen von Ute Reimers. Ur-HafenCity-Bewohner:innen kennen sie noch, denn Ute Reimers war eine der ersten Gewerbetreibenden auf dem neu eröffneten Kaiserkai mit ihrem Blumengeschäft.

Beim Hobenköök-Genussgipfel probiert man, kommt ins Gespräch, tauscht Nummern aus. Es geht nicht um Show. Es geht um Beziehungen. Als Gegenentwurf zu großen Hallen und schnellen Kontakten. Wer die Internorga schon mal besucht hat, versteht sofort, was ich damit meine. In den riesigen Hallen der Messe Hamburg wird man als Gast wie auf dem Laufband von Stand zu Stand geschoben, und mit etwas Glück bekommt man eine kleine Kostprobe und unzähliges Werbematerial zugesteckt.

„Regionale Lebensmittel funktionieren nur über langfristige Zusammenarbeit“, sagt Thomas Sampl. „Genau dafür wollen wir eine Plattform schaffen.“

Im Mittelpunkt steht ein Wettbewerb. Teams aus Köchen, Auszubildenden und Start-ups des Genussgipfels entwickeln live Gerichte. Die Zutaten kommen aus der Region. Das Publikum probiert, diskutiert, stimmt ab. Parallel bewertet eine Jury. Mit dabei sind bekannte Namen. Maurizio Oster vom Zeik-Restaurant, Caro Schwarz vom foodlab, Matthias Gförer vom Hof Wulksfelde und Journalist ­Benjamin Cordes. Sie schauen genau hin: auf Kreativität, auf Produktqualität, auf handwerkliche Umsetzung. Der Wettbewerb ist nur ein Teil des Abends. Immer wieder wird gekocht, angerichtet, erklärt. An den Ständen wird probiert. An der Bar gemixt. Dazwischen Gespräche. Viele neue Kontakte. Und im Hintergrund Musik vom DJ, der sich, je später der Abend wird, immer mehr in den Vordergrund spielt und ab 21 Uhr alle Besucher:innen auf den Dancefloor lockt und bis späte in die Nacht für eine ausgelassene Party sorgt. Mega. Die Hobenköök nimmt schon Reservierungen für den Tanz in den Mai am 30. April 2026 an.
Hobenköök, Stockmeyerstr. 43, 20457 Hamburg hobenkoeoek.de

Udo Lindenberg präsentiert seine UDOVERSUM-­Schau im Stilwerk an der Elbmeile. © Tine Acke

Mit Udo Lindenberg wieder auf die Karte. Die Elbmeile gehört zu den eindrucksvollsten Abschnitten an Hamburgs Hafenkante. Vom U-Boot-Museum bis nach Övelgönne zieht sich das Quartier entlang der Elbe. Von der Kaikante blickt man auf die strahlende Elbphi und die neuen Türme auf dem Strandkai in der HafenCity. Wasser, Weite, Geschichte. Und doch wurde es in den letzten Jahren oft übersehen. 

Das soll sich ändern. Mit Boie Baumann hat die Elbmeile einen neuen Quartiersmanager. Seit rund zehn Monaten ist er im Amt. „Ich habe relativ schnell Ja gesagt“, erzählt er. „Ich habe hier gewohnt, gearbeitet, gelebt.“ Die Verbindung ist persönlich. Sein Ziel ist klar. „Wir wollen die Elbmeile wieder mehr auf die Karte setzen.“ Mehr Sichtbarkeit, mehr Besucher, mehr Leben. Erste Ideen gibt es viele. Der Hafengeburtstag soll stärker ins Quartier gezogen werden. Dazu neue Formate wie ein Seafood Festival oder ein großes Straßenfest. Auch ein Wassertaxi ist im Gespräch.

Boie Baumann ist neuer Quartiers­manager der Elbmeile. © Jimmy Blum

Unterstützung bekommt Baumann von einem starken Netzwerk. Der Gewerbeverbund existiert seit 30 Jahren. Vorsitzender ist Jens Stacklies, Betreiber der Fischauktionshalle und Gründungsmitglied. Für ihn ist die Elbmeile mehr als ein Standort. „Das ist eine Herzensangelegenheit“, sagt er. „Ich bin hier groß geworden.“ Er sieht die Entwicklung auch kritisch. Die HafenCity habe viel Aufmerksamkeit bekommen. „Dieses alte Quartier hier darf nicht hinten runterfallen.“ Deshalb sei Zusammenarbeit der Gewerbetreibenden entscheidend. „Eine Gemeinschaft ist immer stark.“

Ein wichtiger Impuls kommt jetzt aus dem Stilwerk. Ab dem 30. April startet dort eine große Udo Lindenberg-Ausstellung. Das UDOVERSUM zeigt das Leben des Künstlers in all seinen Facetten. Musik, Kunst, persönliche Stücke. Natürlich sind auch seine berühmten Likörelle-Bilder zu bestaunen. Hamburg spielt die zentrale Rolle, hier entstand in den 70ern der „Lindi“-Mythos. Baumann hat das Projekt mit angeschoben. „Wir haben ein bisschen darauf hingearbeitet“, sagt er. Gemeinsam mit dem Stilwerk wurde die Idee entwickelt. Jetzt soll sie Besucher anziehen und das Quartier neu beleben.

Die Ausstellung läuft bis Oktober. Für die Elbmeile ist das mehr als ein Event. Es ist ein Signal. Kultur, Gastronomie und Handel können hier zusammen funktionieren. Mit neuem Schwung, klaren Ideen und starken Partnern könnte die Elbmeile wieder das werden, was sie lange war: ein Ort, an dem Hamburg sich zeigt. Direkt an der Elbe. elbmeile.de und udo-lindenberg.de
Alles Gute, euer Jimmy

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Jimmy Blum ist Unternehmer und lebt in der HafenCity und Nocera, Umbrien. 

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

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