Hamburgs Stadtteil Rothenburgsort gedenkt dem Feuersturm vor 78 Jahren
Es ist einer der wichtigsten Termine für Rothenburgsort, manche ehemalige Anwohner kommen extra deswegen angereist, auch wenn sie nicht mehr in Hamburg leben: das Feuersturm-Gedenken. Am 25. Juli wird es, initiiert von Pastorin Cornelia Blum, in der Evangelisch-Lutherischen Kirche St. Thomas, am Mahnmal im Carl-Stamm-Park und im Haus der Jugend gefeiert mit viel Kultur, Musik und vor allem der Möglichkeit, mit Zeitzeugen zu sprechen. Diese Form des Gedenkens ist einmalig in Hamburg, kein anderer Stadtteil erinnert so wie Rothenburgsort an die Tage, als Hamburg brannte und Hamburgs Osten nahezu ausradiert wurde.
Foto oben: PEM-Theater-Gründerin Özlem Winkler-Özkan: „Emotional wurde es für uns vor vier Jahren, als wir mit Zeitzeugen geredet haben. Mir hat eine Frau erzählt, dass sie während des Feuersturms im Bunker zur Welt gekommen ist. Solche Erinnerungen und persönliche Erfahrungen machen für Künstler das Ereignis greifbar.“ © PEM-Theater
Die Fakten sind kaum vorstellbar: In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 wurde der Stadtteil Rothenburgsort durch die Bombardierung der Alliierten in Schutt und Asche gelegt. Etwa 40.000 Menschen kamen in ganz Hamburg bei den Bombenangriffen der Operation Gomorrha, die vom 24. Juli bis 3. August 1943 andauerte, ums Leben – die genaue Zahl kennt niemand. Rund 750.000 Menschen wurden obdachlos. Besonders den Osten der Stadt, neben Rothenburgsort auch Borgfelde, Hamm und Hammerbrook traf es schwer. Zeitzeugen, die den sogenannten Feuersturm erlebt haben, wird der verlässliche Termin in Rothenburgsort und das Gedenken immer wichtiger.
Viele Institutionen konnte Pastorin Blum zum Mitmachen gewinnen, zum Beispiel das PEM-Theater und Studierende der Hamburg Medical School. Bei der Veranstaltung am Mahnmal, dem schwarzen, spitzgiebeligen Häuschen am Carl-Stamm-Park, das ein für Rothenburgsort bis vor 1943 typisches Terrassenhaus nachbildet, sind Vertreter:innen aus der Politik dabei. Im Anschluss gibt es Mittagessen, Kaffee und einen Film zu sehen im Haus der Jugend schräg gegenüber des Parks.
Die Veranstaltung sei besonders, meint Özlem Winkler-Özkan, Leiterin des PEM-Theaters, die seit einigen Jahren den Gedenktag künstlerisch begleitet. „Emotional wurde es für uns vor vier Jahren, als wir mit Zeitzeugen geredet haben. Mir hat eine Frau erzählt, dass sie während des Feuersturms im Bunker zur Welt gekommen ist. Solche Erinnerungen und persönliche Erfahrungen machen für Künstler das Ereignis greifbar“, sagt Winkler-Özkan und bekräftigt: „Es ist wichtig, dass wir dem Tag einen künstlerischen Rahmen geben gerade heutzutage, wo die Rechten teils wieder laut werden auf den Straßen.“ Katrin Wienefeld
INFO
Zum Programm: 25. Juli, 10 Uhr Gottesdienst, Geschichten und Kunst aus Rothenburgsort (Kirche St. Thomas, Vierländer Damm 1) mit den Zeitzeugen Vera und Gerhard Lettow, Musik mit PEM-Theater und Hans-Jürgen Buhl, Saxofon. Um 11.30 Uhr Gedenken am Mahnmal im Carl-Stamm-Park mit Vertreter*innen von CDU, SPD und Grünen, dazu Lesungen und Musik. Von 12 bis 16 Uhr gibt es Mittagessen und Kaffee im Haus der Jugend am Billhorner Deich 55, direkt gegenüber des Mahnmals. Dort wird der Film „2021 – Erinnerungen an den Feuersturm in Rothenburgsort“ gezeigt. Um Anmeldung wird gebeten unter info@kirche-rothenburgsort.de – www.st-thomas-rothenburgsort.de