Jubiläum. Der Laudator Rando Aust würdigt den Licht-Szenografen Michael Batz, der seinen 75. Geburtstag feiert – als Regisseur der Speicherstadt-Story sowie von HafenCity und Hafen
Schon viele Städte hat Michael Batz lebendig werden lassen – durch Theater und Licht. Dafür zog er aus dem Theater mit künstlichen Kulissen hinaus in den öffentlichen Raum mit identitätsstiftenden Fassaden und Plätzen. Dorthin, wo Stadt allen zugänglich ist und er Menschen erreichen, überraschen und begeistern möchte. Keine Stadt hat mehr von ihm profitiert als seine Heimat Hamburg. Auch wenn er gut ausgeleuchtet ist, sieht man es ihm nicht an: Gerade feierte Batz seinen 75. Geburtstag.
Foto oben: Der Weltkulturerbe-WegbereiterMichael Batz: hier die von ihm inszenierte Dauerbeleuchtung der Speicherstadt-Gebäude mit Wasserschloss, die jeden Abend Hamburgs Kultur- und Kaufmannsgeschichte pointiert erstrahlen lässt. © Thomas Hampel
»Michael Batz ist Stadtversteher und Stadterzähler – ein Regisseur
für den öffentlichen Raum.«
Seit über 20 Jahren kenne ich Michael Batz durch unsere gemeinsame Arbeit in der von Unternehmer und Mäzen Alexander Otto im Jahr 2000 gegründeten Stiftung „Lebendige Stadt“. Die Zusammenarbeit mit ihm ist so spannend wie eine Stadterkundung: Immer lernt man Neues kennen und schätzen. Nach über 25 Jahren im Vorstand unserer Stiftung hat er jetzt Abschied genommen. Mit ihm haben wir zahlreiche von ihm konzipierte Lichtprojekte initiiert und gefördert. Zudem hat er unsere Symposien an ungewöhnlichen Orten mit Interventionen künstlerisch bereichert, ob hier auf der Elbe, dem Rasen der Münchner Allianz Arena, dem Rollfeld des Flughafens Tempelhof oder der Kölner Domplatte.

sagt Michael Batz. © Thomas Hampel
Als Szenograf, Theatermacher und Lichtkünstler hat er das Gespür und Verständnis für die richtige Inszenierung von Stadträumen mit all ihren schönen, aber auch ihren Schattenseiten. Er ist Stadtversteher und Stadterzähler – ein Regisseur für den öffentlichen Raum. Kein Ort verdeutlicht das besser als die Hamburger Speicherstadt. Ende des 19. Jahrhunderts als „kolossales Regal für Weltgüter“ (Batz) gebaut, verkam sie mit Beginn des Containerumschlags zum Zwischenraum: zwischen Büro und Abstellplatz, zwischen Altstadt und Hafen, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Schon früh erkannte Batz ihr Potenzial mit den Backsteinfassaden, Brücken und Fleeten. Und so machte Batz die Speicherstadt bereits 1994 zur Bühne für seinen „Hamburger Jedermann“ – und somit lange bevor in der geplanten HafenCity der erste Spatenstich erfolgte. 25 Sommer lang lockte er damit Besucher an diesen Ort, der damals noch gar kein Ausgeh-Ort war. Mit Erfolg: Seine Aufführungen holten die Speicherstadt ins Gedächtnis der Hamburgerinnen und Hamburger zurück.
Auf den Theatermacher folgte der Lichtkünstler: 2000 erweckte Batz die Speicherstadt durch seine künstlerische Illumination aus ihrem Schlaf und gab ihr damit ihre Identität zurück – natürlich inzwischen nachhaltig mit Energiesparleuchten. Mit Alexander Otto und Andreas Mattner hatte er bei der Stiftung „Lebendige Stadt“ wichtige Unterstützer. Heute erscheint das Instagram-Motiv der abendlich erstrahlenden Fassaden als selbstverständlich. Doch das ist es nicht. Jemand musste nämlich erst erkennen, dass dieses historische Ensemble nicht nur bewahrt, sondern als Kulturinsel zwischen Innenstadt und HafenCity neu interpretiert werden musste. 20 Jahre bevor sich die Politik Gedanken um die Verbindung von Innenstadt und HafenCity machte. Seit 2015 ist die Speicherstadt Unesco-Weltkulturerbe. Daran hat Batz maßgeblichen Anteil. Für diese Story müsste die HafenCity Hamburg GmbH als Entwicklerin dieses neuen Stadtteils ihm eigentlich ein Denkmal setzen.

omit lange bevor in der geplanten HafenCity der erste Spatenstich erfolgte. 25 Sommer lang lockte er damit Besucher
an diesen Ort, der damals noch gar kein Ausgeh-Ort war.« © Michel Batz
Die Speicherstadt-Illumination war das erste Förderprojekt der Stiftung „Lebendige Stadt“ und ist damit Teil ihrer DNA. Viele weitere preisgekrönte Lichtprojekte folgten. Dabei verstand Batz Licht nie als bloße Dekoration oder grelle Annoncierung, sondern stets als kulturelle und soziale Kraft. Licht macht Historie sichtbar, gibt Sicherheit, verbindet Menschen und lädt sie ein, ihre Stadt neu zu entdecken. Beispielgebend dafür ist ein Illuminationsprogramm unserer Stiftung, wodurch in 24 Städten unter 31 dunklen Unterführungen das Licht anging.
»Dabei verstand Batz Licht nie als bloße Dekoration oder grelle Annoncierung,
sondern stets als kulturelle und soziale Kraft.«
Besonders beeindruckt mich an Batz seine bildreiche und dennoch klare Sprache, mit der er Menschen für seine Ideen erst gewinnt und dann begeistert. Schließlich ist nicht jede Stadtverwaltung gleich euphorisch, wenn man ihr sagt, man würde gern ihr Reichstagsgebäude, Rheinpanorama oder ihre Bahnunterführung illuminieren. Verordnungen, Genehmigungen und Budgets sind nicht die engsten Freunde eines Künstlers. Aber auch wenn Batz gelegentlich seufzte, stand am Ende immer ein Ergebnis, bei dem viele sagten: Warum war das eigentlich nicht schon immer so?

der Scheiben des Chilli-Clubs: „Licht macht Historie sichtbar, gibt Sicherheit, verbindet Menschen und lädt
sie ein, ihre Stadt neu zu entdecken.“ © Thomas Hampel
Auch der Blue Port ist beispielgebend für die gelungene Inszenierung von Hamburger Stadtraum. Ausgehend von Batz’ Idee der Blue Goals zur Einstimmung auf das Sommermärchen 2006, die auf dem Dach der ECE-Unternehmenszentrale in Poppenbüttel ihre Premiere feierten, macht er den Hafen seit 2008 alle zwei Jahre zur Bühne: Brücken, Kais, Kräne, Schiffe und natürlich die Speicherstadt werden zum blauen Gesamtlichtkunstwerk. Die Bilder gehen um die ganze Welt. Noch ein Grund, dass die Stadt ihm dankbar sein darf.
Auch nach seinem Abschied aus unserer Stiftung wirkt Michael Batz in all seinen Facetten weiter. Wer für so viel Licht sorgt, verschwindet schließlich nicht im Dunkeln. Rando Aust
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Rando Aust ist Bevollmächtigter des Vorstands der Stiftung „Lebendige Stadt“ von Unternehmer und Mäzen Alexander Otto, die im Jahr 2000 gegründet wurde.



