Kaispeicher B. Wie Dampf die Welt der Seefahrt veränderte, zeigt das Internationale Maritime Museum mit seiner Gastausstellung im Museum Kunst der Westküste auf Föhr

Über 3.000 Jahre hatte die Geschichte der Seefahrt im Bann des Windes gestanden: Wann immer Menschen sich aufmachten, die Weltmeere zu befahren, mussten sie sich nach dem Wind richten. Mit der Einführung der Dampfmaschine setzte im 19. Jahrhundert eine maritime Zeitenwende ein, die mit den alten Gewissheiten der Seefahrt innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend aufräumte.
Foto oben: Ein Raddampfer kämpft gegen einen aufziehenden Sturm an. © IMMH
Erstmals war es möglich, die Ozeane unabhängig von den Launen des Wetters zu überqueren: Dampfmaschinen, Schaufelräder und Schiffsschrauben eroberten zuerst die Flüsse und Küsten und ermöglichten bald schnelle, vor allem aber verlässliche und termingerechte Verbindungen über die Weltmeere. Mit den Ingenieuren entstand eine neue selbstbewusste Berufsgruppe, die den Schiffbau von einer Kunst zu einer technisch-wissenschaftlichen Disziplin entwickelte. Mit den neuen Materialien Eisen und Stahl konstruierten sie immer größere und leistungsfähigere Schiffe.
»Mit den Ingenieuren entstand eine neue selbstbewusste Berufsgruppe, die den Schiffbau von einer Kunst zu einer technisch-wissenschaftlichen Disziplin entwickelte.«

Mit höherer Geschwindigkeit und planbaren Reisezeiten veränderte sich auch die Art des Reisens auf See grundlegend. Während eine Reise mit dem Segelschiff noch Wochen gedauert hatte, lieferten sich Dampfer Wettläufe um die schnellsten und komfortabelsten Verbindungen zwischen den Kontinenten. Mit der Erfindung der Kreuzfahrt am Ende des Jahrhunderts wurde die Seereise selbst zum Reiseerlebnis.
Trotz aller Bemühungen, durch technischen Fortschritt die Gefahren der Natur zu überwinden, bleibt die Seefahrt jedoch auch heute ein gefährliches Unterfangen, und selbst die größten Schiffe sind aufbrausenden Stürmen ausgeliefert.

Das Internationale Maritime Museum widmet sich in seiner neuen Sonderausstellung „Maritime Revolutionen“diesen fundamentalen Umwälzungen, die die Seefahrt im 19. Jahrhundert von Grund auf veränderten und die sie bis heute maßgeblich prägen. Die Ausstellung findet außerdem nicht in Hamburg, sondern an einem ganz besonderen Ort statt: Nachdem das Museum Kunst der Westküste aus Alkersum auf Föhr 2024 mit der Sonderausstellung „Zwischen Sturm und Stille“ im Kaispeicher B in der HafenCity gastierte, steht nun der Gegenbesuch auf der Insel an. Vom 23. Februar bis zum 13. September präsentiert das Internationale Maritime Museum seine einzigartige Sammlung in diesem herausragenden Haus. Jan-Malte Döring-Quaas
INFOS
Sonderausstellung I:
Fähr- und Fahrgastschifffahrt an Deutschlands Küsten.
Sie sind die Lebensadern, die Inseln und Halligen mit dem Festland verbinden, und begleiteten Generationen von Reisenden – von den legendären Butterfahrten bis zum modernen Urlaubsverkehr: Das Internationale Maritime Museum widmet seine aktuelle Sonderausstellung der „Weißen Flotte“, die entlang der Küsten von Nord- und Ostsee unterwegs ist.
Sonderausstellung II:
»AQUA« – Begegnungen mit dem Wasser.
Es ist ein kostbares Gut – ohne Wasser gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Der Fotograf Tom Krausz hat dieses Element in all seinen Formen festgehalten. Entstanden ist eine eindrucksvolle Serie prägnanter Schwarz-Weiß-Fotografien, ergänzt durch Texte von Elke Heidenreich, Uli Kunz und Arved Fuchs. Eine Auswahl zeigt das Internationale Maritime Museum Hamburg ab dem 19. Februar.
imm-hamburg.de



