Gespräch. Dagmar Leischow traf Singer-Songwriterin Zaz zum Hintergrundgespräch aus Anlass ihres neuen Albums »Sains et saufs«

Einige Songs aus ihrem neuen Album „Sains et saufs“präsentiert Zaz, die eigentlich Isabelle Geoffrey heißt, an einem ganz besonderen Ort: in der französischen Botschaft in Berlin. Die Sängerin hat nicht bloß auf der Bühne unheimlich viel Energie, auch am nächsten Tag sprudeln die Worte beim Interview in einem Hotel in der Friedrichstraße förmlich aus ihr heraus. Dabei zeigen die Texte ihrer neuen Lieder, dass die extrovertierte Französin durchaus auch eine nachdenkliche Seite hat. Sie arbeitet persönliche Krisen auf oder beobachtet, woran unsere Gesellschaft krankt, während ihre Musik zwischen Pop, Folk, Chanson und jazzigen Elementen oszilliert.
Foto oben: Zaza alias Isabelle Geoffrey: „In mir toben zwar wegen meiner intensiven Empfindungen nach wie vor Wirbelstürme, doch ich kann mich wesentlich schneller wieder beruhigen. Denn ich habe mittlerweile ein starkes inneres Fundament.“ © Jan Welters
Das Lied „Je pardonne“ handelt vom Verzeihen. „Man kann nicht einfach mit dem Finger schnippen und sich sagen: Jetzt ist alles vergeben und vergessen“, grübelt Zaz. „Das ist ein Prozess, der sich im Körper inkarnieren muss. Also ein Heilungsprozess.“ Prinzipiell ist die 45-Jährige aber bestrebt, das, was ihr nicht guttut, loszulassen: „Wenn ich dauernd um das kreise, was ich anderen vorzuwerfen habe, mache ich mir bloß selbst das Leben schwer und stehe unter ständiger Anspannung.“
Auch sich selbst hat Zaz ein paar Dinge zu verzeihen – zumal sie hohe Ansprüche an ihre eigene Person stellt: „Meistens ist man strenger mit sich als mit seiner Umgebung.“ Die Musikerin, geboren in Tours, versucht nun allerdings, nicht mehr ganz so hart zu sich zu sein: „Ich übe mich darin, mehr Verständnis und Toleranz für mich aufzubringen.“ Ihr Credo ist: „Je mehr ich mich respektiere, desto mehr werde ich auch von meinen Mitmenschen respektiert.“

Auf jeden Fall hat sich Zaz in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Sie trinkt weder Alkohol noch Kaffee, sie isst kein Fleisch, sie raucht nicht mehr: „Ich kann nicht bloß von Zeit zu Zeit eine Zigarette rauchen, sondern habe gleich drei Packungen weggequalmt.“ Während der Pandemie hat Zaz dann beschlossen, mit 40 endlich ihre Lebensgewohnheiten zu ändern: „Das ziehe ich jetzt seit fünf Jahren konsequent durch, darauf bin ich wirklich stolz.“ Auch diese Veränderung hat dazu beigetragen, dass Zaz heute ausgeglichener ist: „In mir toben zwar wegen meiner intensiven Empfindungen nach wie vor Wirbelstürme, doch ich kann mich wesentlich schneller wieder beruhigen. Denn ich habe mittlerweile ein starkes inneres Fundament.“
Gemeinhin scheint Wohlbefinden für sie ein wichtiger Aspekt zu sein. Immerhin heißt Ihr Album „Sains et saufs“, auf Deutsch: „Heil und gesund“. „Trotz all der Zwänge, die uns die Gesellschaft in puncto Verhalten auferlegt, gibt es doch irgendwo in uns noch unberührtes Terrain“, ist sich Zaz sicher. „Das gilt es zu nähren, damit man sich selbst treu bleiben kann.“
So etwas gelingt aber nicht unbedingt im Alleingang: „Natürlich ist es wichtig, Leute um sich zu haben, die einem guttun.“ Für Zaz sind das ihr Mann sowie Menschen, die ihr nahestehen: „Auch ihnen habe ich den Titelsong ,Sains et saufs‘ gewidmet. Weil sie mich nicht klein halten wollen, sondern mich erheben.“
In der Vergangenheit war Zaz jedoch manchmal in toxischen Beziehungen verstrickt: „Als ich jünger war, war ich mit einem älteren Jungen zusammen, der mich schlecht behandelt und unterdrückt hat. Ich habe das zugelassen, weil ich mich selbst nicht mochte.“ Irgendwann hat sie sich aber dafür entschieden, mit sich ins Reine zu kommen, sich zu akzeptieren und klare Grenzen zu setzen. Zaz hatte nämlich erkannt: „Wer sich selbst nicht liebt, wird auch nicht von anderen geliebt.“ Dagmar Leischow
Info
Zaz’ Album „Sains et saufs“ erscheint am 19. September bei Tôt ou Tard. Die Sängerin tritt am Sonntag, 14. Dezember, 20.30 Uhr, in der Georg Elser Halle auf. Das Konzert ist ausverkauft. Weitere Informationen unter www.fkpscorpio.de