Endspurt-Interview Olympia: »Die Spiele fügen sich in die Stadt ein!«

Referendum. Jetzt gilt’s! Am Sonntag, 31. Mai 2026, entscheiden die Hamburger:innen in einem Volksentscheid, ob die Elbmetropole Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 ausrichten soll. Die HafenCity Zeitung hat aktuell den Innen- und Sportsenator Andy Grote nochmal gefragt, warum er die vergangenen Monate so empatisch für Olympia gekämpft und argumentiert hat

Stimmen die Bürger:innen für eine Hamburg-Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 0der 2044? Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher, Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank, der Senat, die große Mehrheit der Bürgerschaft und die private OlympJA-Initiative sowie u.a. der Unternehmer Alexander Otto mit seine Sportstiftung und der zum Teil schon erfolgreich umgesetzten Initiative „104 Projekte für 104 Stadtteile“ Vollgas gegeben – für die letzte Woche vor dem Referendum am Sonntag, 31. Mai 2026. Die HafenCity Zeitung hat gut eine Woche vor dem Volksentscheid noch einmal mit dem Innen- und Sportsenator Andy Grote gesprochen, warum Olympia Hamburg nicht nur ein fantastisches Weltsportereignis bescheren könnte, sondern auch, warum es die Stadt, der Stadtentwicklung und der Stadtgesellschaft einen Zukunftsschub geben kann. Viel Spaß beim Informieren auf den letzten Metern. Und nicht vergessen: noch Briefwahl machen oder ab ins Wahllokal am 31. Mai. Hamburg hat eine breite Beteiligung aller Wahlberechtigten verdient.
Foto oben: Sportsenator Andy Grote: „Die Spiele würden mitten im urbanen Leben stattfinden – mit Wettkämpfen an zentralen Orten wie der Binnenalster. So entsteht eine offene, zugängliche und festivalartige Stimmung, die Sport und Stadt auf besondere Weise miteinander verbindet.“ © Thomas Hampel

Herr Grote, Sie lassen sich von Ihren positiven Olympia-Vibes für Hamburg nicht abbringen. Ganz kurz, warum soll sich Hamburg auf Olympische und Paralympische Spiele freuen? Wie Millionen Menschen weltweit habe auch ich bei den Spielen in Paris – sowohl vor Ort als auch vor den Bildschirmen – erlebt, welche Begeisterung und verbindende Kraft Olympische und Paralympische Spiele entfalten können. Kaum ein anderes Ereignis bringt Menschen aus aller Welt so friedlich zusammen und steht zugleich so sehr für fairen Wettbewerb, Respekt und Offenheit.

Visualisierung des 3×3 Basketball auf der Binnenalster aus Anlass der Hamburger Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044. © Neuland Concerts

Was war das Besondere an Paris? Dass Paris eindrucksvoll bewiesen hat, dass sich dieser Mut lohnt: Rund 80 Prozent der Bevölkerung bewerteten die Spiele im Nachhinein positiv. Darüber hinaus profitiert die Stadt langfristig – durch moderne Sportstätten, wichtige Impulse für die Stadtentwicklung und die Wiederbelebung der Seine als öffentlichen Raum. Genau daran möchten wir in Hamburg anknüpfen, mit einem verantwortungsvollen Konzept, das die besondere Schönheit unserer Stadt mit einem emotionalen Sportereignis verbindet und daraus ein internationales Festivalerlebnis macht.

2015 hat sich Hamburg in einem Referendum gegen eine Olympiabewerbung entschieden. Warum sollten sich die Hamburgerinnen und Hamburger diesmal anders entscheiden und trotz der aktuellen NOlympia-Kampagne? Was sind die wichtigsten Unterschiede zur damaligen Bewerbung? Die Olympiabewerbung im Jahr 2015 war noch stark auf Neubauten und die Entwicklung des neuen Stadtteils Grasbrook im Hafen ausgerichtet. Dieser Ansatz hat sich inzwischen grundlegend verändert. Heute steht im Vordergrund, die bestehenden Strukturen Hamburgs zu nutzen, anstatt die Stadt eigens für die Spiele umzubauen.
Der Leitgedanke lautet nun: Nicht die Stadt passt sich den Spielen an, sondern die Spiele fügen sich in die Stadt ein. Ein wesentlicher Unterschied zur damaligen Bewerbung ist zudem die umfassende Bürgerbeteiligung. Das aktuelle Konzept wurde gemeinsam mit den Hamburgerinnen und Hamburgern entwickelt und orientiert sich gezielt an ihren Interessen. In allen Bezirken fanden offene Veranstaltungen statt, an denen sich tausende Menschen beteiligt haben. Die dort eingebrachten Ideen bilden heute die Grundlage der Bewerbung.

Schulsenatorin Ksenija Bekereis (v.l.), Sportsenator Andy Grote und Unternehmer und Stifter Alexander Otto zur privat organisierten Olympia-Breitensport-Initiative „104 Projekte für 104 Stadtteile“. Senator Grote: „Je öfter unsere Kinder mit und im Sport aufwachsen, desto weniger wachsen sie im Internet auf. Und das ist wichtig für die Zukunft!“ © Wolfgang Timpe

Und die Sportstätten? Auch bei den Sportstätten wird dieser neue Ansatz deutlich. Der überwiegende Teil ist bereits vorhanden. Rund 76 Prozent der Wettkampfstätten existieren schon, etwa 24 Prozent sollen temporär entstehen – beispielsweise ein Beachvolleyball-Stadion auf dem Heiligengeistfeld. Auf teure Neubauten ausschließlich für die Olympischen und Paralympischen Spiele wird bewusst verzichtet.
Ein weiterer zentraler Unterschied betrifft die politische und finanzielle Absicherung. Während 2015 noch viele Fragen ungeklärt waren, gibt es heute ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu Olympischen Spielen in Deutschland. Im Koalitionsvertrag wurde Unterstützung zugesichert, zudem hat der Bund in einer politischen Vereinbarung seine Mitverantwortung bei der Finanzierung bekräftigt. Dadurch ist die Kostenplanung heute deutlich verlässlicher. Hinzu kommt, dass ein Teil der Ausgaben durch Einnahmen aus Ticketverkäufen, Sponsoring und Zuschüssen des IOC refinanziert werden soll.

Was soll an neuer moderner Infrastruktur in Hamburg und der HafenCity entstehen, die ohne Olympia nicht kommen würde, wie Sie prophezeien? Das Hamburger Olympiakonzept umfasst weitaus mehr als die reinen Sportstätten, sondern auch ein umfassendes Programm mit Kultur-Veranstaltungen, Mitmach-Aktionen und Events in der gesamten Stadt, unter anderem Public Viewings und Meet&Greets mit Athletinnen und Athleten – auch in der Hafen City.
Darüber hinaus werden in ganz Hamburg rund 100 Trainingsstätten im Zuge der Spiele modernisiert und saniert. Sie dienen den Olympioniken während der Spiele als Trainingsstätten, um dann im Anschluss modernisiert und auf den neuestens Stand gebracht, dem Breitensport übergeben werden zu können, sodass der Hamburger Sport profitiert. Für die Hafen City prüfen wir derzeit die Sanierung Sporthallen HafenCity, Am Hannoverschen Bahnhof 27. 

Olympia-Radrennwettbewerbe an St. Annen/Am Sandtorkai in der HafenCity. Senator Andy Grote: „Durch die Hafen City wird der Start/Ziel-Bereich für die Radsport-Wettbewerbe verlaufen mit temporären Tribünen. Auf diese Weise spiegelt sich das Hamburger Konzept perfekt wider, die Spiele passen sich perfekt in die einzigartige Stadtkulisse ein – hier vor der historischen Speicherstadt, dem Unesco-Weltkulturerbe.“ © Neuland Concerts

Finden auch Veranstaltungen in der HafenCity, Hamburgs jüngstem Stadtteil, statt? Durch die Hafen City wird der Start/Ziel-Bereich für die Radsport-Wettbewerbe verlaufen mit temporären Tribünen. Auf diese Weise spiegelt sich das Hamburger Konzept perfekt wider, die Spiele passen sich perfekt in die einzigartige Stadtkulisse ein – hier vor der historischen Speicherstadt, dem Unesco-Weltkulturerbe. Darüber hinaus sollen moderne autonome Shuttle-Busse für zusätzliche Anbindungen zu Trainings- und Sportstätten sorgen.

Hamburg bewirbt sich erneut gemeinsam mit anderen deutschen Städten wie München, Köln/RheinRuhr und Berlin. Wo sehen Sie die größten Stärken der Hamburger Bewerbung im Vergleich zu den anderen möglichen Austragungsorten? Hamburgs größte Stärke im Vergleich zu anderen möglichen Austragungsorten liegt in der besonderen Verbindung von Stadt und Spielen. Das Konzept setzt bewusst darauf, bestehende Strukturen zu nutzen, anstatt neue Großbauten zu errichten. Dadurch werden die Spiele nicht nur nachhaltiger, sondern ermöglichen auch kurze Wege für Athletinnen und Athleten sowie für Besucherinnen und Besucher.
Ein weiterer Vorteil ist die außergewöhnliche Inszenierung der Wettbewerbe: Temporäre Sportstätten an markanten Orten der Stadt schaffen eine besondere Atmosphäre und eindrucksvolle Bilder. Die Spiele würden mitten im urbanen Leben stattfinden – mit Wettkämpfen an zentralen Orten wie der Binnenalster. So entsteht eine offene, zugängliche und festivalartige Stimmung, die Sport und Stadt auf besondere Weise miteinander verbindet.

Späteres Wohnen am grünen Volkspark – vorher olympisches Dorf. Neben temporären Spielstätten sieht das Olympiakonzept nachhaltige Neubauten für Hamburg vor. Hier die Plaza im Olympia-Dorf am Volkspark, das später als Wohnviertel genutzt werden soll. © Visualisierung: Cube

Was zeichnet Hamburgs Sportprofil aus? Zugleich verfügt Hamburg als „Active City“ über ein starkes sportliches Fundament. Die Stadt hat umfangreiche Erfahrung bei der Ausrichtung internationaler Großveranstaltungen und verfolgt seit Jahren eine langfristige Strategie zur Förderung von Sport und Bewegung. Zusammen mit gezielten Investitionen in die Infrastruktur entsteht daraus ein tragfähiges Konzept, das nicht nur während der Olympischen und Paralympischen Spiele überzeugt, sondern auch langfristig positive Impulse für die Stadt setzt.

Viele Bürgerinnen und Bürger äußern vor allem Sorgen über mögliche Kostensteigerungen – Stichwort Inflation, Sicherheitskosten oder generell unkalkulierbare Großbauprojekte. Können Sie diese Sorgen nachvollziehen und wie realistisch ist es, dass die Kosten am Ende deutlich höher ausfallen? Die Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger über mögliche Kostensteigerungen sind nachvollziehbar – insbesondere mit Blick auf Erfahrungen aus früheren Großprojekten. Für die aktuelle Bewerbung lassen sich diese Befürchtungen jedoch in wesentlichen Punkten relativieren.
Eine allgemeine Preissteigerung durch Olympische und Paralympische Spiele ist wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt. Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass beispielsweise Mieten in Austragungsstädten dauerhaft stärker steigen als in vergleichbaren Städten ohne Spiele. Ältere Studien, etwa von Gabriel Ahlfeldt und Wolfgang Maennig aus den Jahren 2007 und 2009, zeigen zwar, dass es lokal zu Mietsteigerungen kommen kann – insbesondere dort, wo neue Wettkampfstätten oder umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen entstehen. Genau hier unterscheidet sich jedoch das Hamburger Konzept: Es verzichtet bewusst auf große Neubauten und zusätzliche Infrastrukturprojekte ausschließlich für die Spiele. Entsprechend ist auch kein vergleichbarer Preisdruck zu erwarten.
Gleichzeitig eröffnen sich Chancen für zusätzlichen Wohnraum. Im Zuge der Entwicklung der Science City Hamburg Bahrenfeld soll auf städtischen Flächen ein vielfältiges und bezahlbares Wohnungsangebot für rund 8.000 Menschen entstehen. Geplant ist dabei ein Anteil von etwa 56 Prozent geförderter Wohnungen – ein wichtiger Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes.

Visualisierung der Schlussfeier der möglichen Olympischen und Paralympischen Spiele in Hamburg auf der Binnenalster am Jungfernstieg. © Neuland Concerts

Nochmal zum Geld. Wie hoch ist das finanzielle Risiko? Insgesamt ist das Kostenrisiko heute deutlich besser kalkulierbar als bei früheren Bewerbungen. Der Verzicht auf Großbauprojekte, die Nutzung bestehender Infrastruktur sowie die veränderten Rahmenbedingungen des IOC tragen dazu bei, dass unkalkulierbare Kostensteigerungen wesentlich unwahrscheinlicher sind. Zudem wurden die Kosten von Beginn an umfassend berücksichtigt; bei den Investitionen ist zusätzlich ein Puffer von 35 Prozent eingeplant.

Was würde Hamburg insgesamt unabhängig vom Sport durch Olympische und Paralympische Spiele gewinnen? Olympische und Paralympische Spiele würden Hamburg weit über den Sport hinaus voranbringen – und das mit konkreten, messbaren Effekten. Im Mittelpunkt stehen Investitionen in bestehende Infrastruktur: Der Ausbau von U- und S-Bahn, moderne Sportanlagen und nachhaltige Stadtentwicklung kommen unmittelbar den Hamburgerinnen und Hamburgern zugute. Gleichzeitig stärken gezielte Programme, etwa zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche, langfristig Gesundheit, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Auch die Paralympischen Spiele würden wichtige Impulse setzen. Sie fördern konkrete Fortschritte bei Inklusion und Barrierefreiheit und tragen dazu bei, Hamburg spürbar altersgerechter und zugänglicher zu gestalten.

Und was hat die Wirtschaft davon? Auch die wirtschaftlichen Effekte internationaler Sportgroßveranstaltungen sind belegt: Bei den Olympischen Sommerspielen 2024 lag der Netto-Wirtschaftseffekt bei rund 7,1 Milliarden Euro. Das Auftragsvolumen betrug etwa 5 Milliarden Euro, wobei rund 90 Prozent der Aufträge an heimische Unternehmen gingen und etwa 80 Prozent an kleine und mittlere Betriebe. Kurz gesagt: Olympische und Paralympische Spiele schaffen nicht nur Visionen, sondern auch konkrete und nachweisbare Mehrwerte für Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft.
Interview: Wolfgang Timpe

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