Konzert. Der Tölzer Kammerchor mit der Rossini-Messe »Petite Messe solennelle« in der Elbphilharmonie
Hören wir heute »Petite Messe solennelle« von Gioachino Rossini, mögen wir dabei weniger an eine „kleine“ (petite) als vielmehr an eine große Messe mit umfangreicher Chorbesetzung denken. Doch Rossini selber schrieb im Autograf seiner Originalfassung von 1863 vor der Uraufführung am 14. März 1864 im Pariser Salon der Gräfin Louise Pillet-Will: „Kleine feierliche Messe, komponiert für mein Landhaus in Passy. Ein paar Sänger dreierlei Geschlechts, Männer, Frauen und Kastraten – Guter Gott, vergib mir meine lässliche Alterssünde. Die später entstandene Orchesterfassung kostete Rossini einige Überwindung und diente vor allem einem Zweck: seine „kleine“ Messe mit ihren „paar Singstimmen“ vor allzu pompösen Bearbeitungen durch Adolphe Sax oder Hector Berlioz zu bewahren. Die Erstfassung offenbart eine innige, facettenreiche Klangsprache. Das zeigt sich bereits an der Chorbesetzung: Nicht nur ist das Vokalensemble klein gehalten, die Singstimmen bestanden zudem aus Frauen, Männern und Kastraten. Begleitet werden sie ausschließlich von zwei historischen Klavieren und einem Harmonium.
Foto oben: Rossinis „Petite Messe solennelle“. Musik der Stille mit dem Kammerchor des Tölzer Knabenchors. © Tölzer Knabenchor
Gewinnspiel
Die HafenCity Zeitung verlost5x 2 Tickets für das Stück »Petite messe solennelle« von Gioachino Rossini am So., 12. Juli 2026, 11 Uhr, im Großen Saal der Elbphilharmonie. Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail mit Ihrer Adresse und Ihrer Handynummer sowie dem Betreff »Tölzer Knabenchor« an: gewinnspiel@hafencityzeitung.com. Der Einsendeschluss ist Mo., 13. April 2026, 18 Uhr.Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Uns die farbenreichen Nuancen der historischen Aufführungspraxis möglichst nahezubringen, ist Ziel dieser Auführung. Dem tragen die kammermusikalische Besetzung und der spezielle Klang historischer Instrumente Rechnung. Der mit fünf Personen pro Stimme besetzte Chor vereint Frauen- und Männerstimmen mit einem Countertenor sowie Knabenstimmen. Die Schönheit dieser ganz besonderen Klangmischung hat bereits Wolfgang Amadeus Mozart im Quartett „Pamina, Drei Knaben“ („Zwei Herzen, die von Liebe brennen“) aus seiner „Zauberflöte“ vorausgeahnt, Rossini greift diese magische Klangschönheit in seiner Messe auf. Getragen wird der Chor vom bald prächtig-orchestralen, bald feinen, sich ätherisch mischenden Ton der beiden französischen Konzertflügel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Érard/Pleyel) sowie des historischen Harmoniums. Diese homogene Originalbesetzung erlaubt es, Rossinis differenzierte dynamische Angaben – in den feinen Nuancierungen vom fortissimo bis hin zum drei- und vierfachen pianissimo – nicht nur als Lautstärke, sondern als Ausdruck innerer Bewegung zu realisieren: als Staunen, tiefe Ergriffenheit und demütige Bitte – als Musik der Stille.
Wer diesen Klang erlebt, hört die „Petite Messe solennelle“ so, wie Rossini sie erdacht hat: nicht als pompös-aufbrausende Messkomposition oder gar als pathetische „Oper in der Kirche“, sondern als sein ganz persönlicher, inniger Dank für ein erfülltes Leben.
Gioachino Rossini, Passy, schrieb 1863: „Lieber Gott – voilà, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Habe ich nun wirklich heilige Musik gemacht oder doch vermaledeite Musik? Ich bin für die komische Oper geboren, das weißt Du wohl! Ein wenig Können und ein wenig Herz – das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“
Michael Hofstetter/Leopold Lampelsdorfer
Info
Gioachino Rossini: „Petite Messe solennelle“, ein Projekt des Kammerchors des Tölzer Knabenchors, findet am Sonntag, 12. Juli 2026, um 11 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie statt. Karten und weitere Informationen unter: elbphilharmonie.de



