Stadteingang Hamburg: Eine Jahrhundertchance?

Infrastruktur. Die Deutsche Bahn AG plant sechs ­Eisenbahnbrücken an den Norderelbbrücken

Hamburg plant den Neubau der Eisenbahnbrücken über die Elbe. Für Verkehrssenator Anjes Tjarksist es „eine Jahrhundertchance“. Er sagt: „Zum ersten Mal seit fast 100 Jahren können wir mehr Fernbahngleise über die Elbe legen.“ Künftig sollen statt vier sechs Fernbahngleise mit den Norderelbbrücken zur Verfügung stehen. Die Bedeutung der Brücken ist enorm. Westlich von Hamburg gibt es bis zur Nordsee keine weitere Eisenbahnquerung über die Elbe und östlich erst wieder in Dresden. Täglich fahren rund 660 Züge über die beiden bestehenden Fernbahnbrücken, Fern-, Regional- und Güterzüge. Mit der Fehmarnbelt-Querung wird zusätzlicher Verkehr aus Skandinavien erwartet. Tjarks nennt die Bauwerke „das Herz des Eisenbahnverkehrs in Norddeutschland“.
Foto oben: Visualisierung des Sanierungs- und Neubauprojekts der künftig sechs Norderelbbrücken.© Deutsche Bahn AG

Die heutigen Überbauten stammen aus dem Jahr 1926, die Niederlager gehen sogar auf 1870 zurück. Nach rund 100 Jahren sind sie am Ende ihrer Lebensdauer. Gleichzeitig stehen die Brücken seit 2021 unter Denkmalschutz. Eine Sanierung wurde geprüft, mit klarem Ergebnis: Der alte Stahl sei technisch und wirtschaftlich nicht für weitere 100 Jahre ertüchtigbar. Geplant ist deshalb ein Ersatzneubau mit Kapazitätserweiterung. Uta ­Plambeck,Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hamburg und Schleswig-Holstein, beschreibt die Herausforderung: „Wir fahren rund 660 Züge über diese Brücken.“ Ein Abriss mit kompletter Sperrung komme nicht infrage. Gebaut werde „unter dem rollenden Rad“. Also bei laufendem Verkehr.

Dafür braucht es eine aufwendige Bauabfolge. Während die S-Bahn-Brücke bestehen bleibt, entstehen zunächst zwei neue, provisorische Gleise im Bereich der heutigen Freihafen-Elbbrücke. Erst dann können die alten Fernbahnbrücken zurückgebaut werden. Plambeck spricht von einem „Brücken-Tetris“. Brücken werden verschoben, neue Widerlager genutzt, Bauzustände mehrfach verändert. Am Ende sollen drei neue zweigleisige Brücken mit insgesamt sechs Gleisen stehen.

Parallel laufen weitere Großprojekte: die neue U4-Brücke zur HafenCity, der Ausbau der Grasbrook-Entwicklung, der Elbtower in direkter Nachbarschaft. Tjarks nennt das Gebiet „wahrscheinlich den kompliziertesten Infrastrukturraum Norddeutschlands“. Neben Bahn- und Straßenverkehr muss auch die Schifffahrt unter den Brücken weiterlaufen.

Die Kosten für das Gesamtprojekt sind hoch. Plambeck spricht von „auf jeden Fall oberhalb von einer Milliarde Euro“. Der Ersatz bestehender Infrastruktur werde grundsätzlich über die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund finanziert. Oberbaudirektor Franz-Josef Höing nennt die Elbbrücken einen besonderen Ort: „Wenn Sie über diese Elbbrücken fahren, dann verstehen Sie zum ersten Mal die Stadt.“ Es gehe nicht um einzelne spektakuläre Bauwerke, sondern um das Ensemble. Die neuen Brücken müssten sich einfügen und den Charakter bewahren. Jimmy Blum

INFO Mehr Informationen unter: Neue Norderelbbrücken.

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