Stubentiger als Statement

Katzen I: Ausstellung. Das Museum am Rothenbaum zeigt mit seiner gr0ßen Schau »Katzen!« die Kulturgeschichte der Social-Media-Stars

Heimatlose Samtpfoten

Katzen II: Katzen-Rettung. Das Tierheim an der Neuen Süderstraße bietet ausgesetzten und streunenden Tieren und Katzen ein temporäres Zuhause

Kinderschuhe mit Tigerkopf; Hersteller:in nicht dokumentiert China, 19. Jh. Seide, Pappe, Leinen, 3,7 x 5 x 10,2 cm. © MARKK | Foto: Paul Schimweg

Katzen sind hierzulande die populärsten Haustiere und Social-Media-Stars. 2024 lebten 15,9 Millionen Stubentiger in deutschen Haushalten, das bedeutet, fast ein Viertel der Haushalte beherbergte eine oder mehrere Katzen. Die offiziellen Zahlen für 2025 gibt es zwar noch nicht, doch sie dürften sogar noch ein bisschen nach oben geschnellt sein, weil die Beliebtheit dieser Vierbeiner, die seit mindestens 10.000 Jahren in verschiedenen Rollen von Mäusefängern bis zu verehrten Wesen im alten Ägypten als Begleiter des Menschen leben, ungebrochen ist. Ihnen werden ganz unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben – von anschmiegsam bis eigenwillig. Einige Attribute beleuchtet nun die Ausstellung „Katzen!“, die bis zum 29. November im Museum am Rothenbaum (MARKK) präsentiert wird.
Foto oben: MARKK-Ausstellung „Katzen!“: Die Beliebtheit dieser Vierbeiner, die seit mindestens 10.000 Jahren in verschiedenen Rollen von Mäusefängern bis zu verehrten Wesen im alten Ägypten als Begleiter des Menschen leben, ist ungebrochen. MARKK-Ausstellung „Katzen!“: Die Beliebtheit dieser Vierbeiner, die seit mindestens 10.000 Jahren in verschiedenen Rollen von Mäusefängern bis zu verehrten Wesen im alten Ägypten als Begleiter des Menschen leben, ist ungebrochen. © MARKK | Foto: Paul Schimweg

Eine Kategorie heißt „niedlich“. Erwartungsgemäß stößt man dort auf „Hello Kitty“. Jene Exponate stehen unter einer Glaskugel, ummantelt von rosa Flauschstoff. Auf den Markt gebracht wurde diese Serie 1974 in Japan – mit dem Ziel, der amerikanischen Micky Maus Konkurrenz zu machen. Dass diese weiße Katze keinen Mund hat, polarisiert allerdings. Einerseits kann man in sie sowohl Fröhlichkeit als auch Traurigkeit hineininterpretieren, auf der anderen Seite ist sie sprachlos, vielleicht sogar mundtot.

Interessant ist eine Arbeit namens „Hiro is everywhere“ des Koreaners Taewon Ahn.Er hat einen Hocker mit einem bearbeiteten Foto seiner Katze zu einem faszinierenden Objekt gemacht. „Diesen Künstler beschäftigt das Spannungsfeld zwischen digitaler Verzerrung und analoger Realität“, erläutert Johanna Wild, eine der drei Kuratorinnen der Schau.

Schon dieses Sitzmöbel belegt, wie sehr Katzen verehrt werden. Auch diesem Thema ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Dort begegnen die Besucher der Maneki-neko, der winkenden Katze. Besonders beeindruckend ist eine große Installation in einem Spiegelraum, in der zahlreiche winkende Katzen stehen. In Japan sind sie seit dem 19. Jahrhundert ein Glückssymbol. Heute sollen sie mit erhobener linker Pfote Kundschaft anlocken, eine erhobene rechte Pfote verspricht Wohlstand.

Als stark gelten insbesondere Raubkatzen. Als die Sängerin Eartha Kitt 1957 in einem geschlitzten Kleid mit Leopardenmuster plus Leopardenmantel auf einem Foto mit einem Gepard posierte, gab sie sich sinnlich-selbstbewusst. Die Queen hingegen wirkte im Leofellmantel elegant. Tigertruppen aus der Zeit der chinesischen Qing-Dynastie trugen eine Uniform, die mit Tigerstreifen bemalt war, ihre Kopfbedeckung hatte Augen, Ohren und Reißzähne – das sollte sämtliche Feinde abschrecken.

Maneki-neko; Puppenmanufaktur Baigetsu Tomimoto-Ningyoen Tokoname, Präfektur Aichi, Japan, 2025; Keramik (Ton), Farbe 16 x 11 x 10 cm (Schwarz); 23 x 16 x 15 cm (Weiß); 13 x 9 x 8 cm (Gelb). © MARKK | Foto: Paul Schimweg

Die Rubrik „(un)abhängig“ beschäftigt sich vor allem mit der politischen Auseinandersetzung rund um die Gleichberechtigung von Frauen. Der spätere US-Vizepräsident J. D. Vance hatte die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris abwertend als „kinderlose Cat Lady“ bezeichnet. Viele Harris-Unterstützerinnen griffen diese Diffamierung auf und verwandelten sie 2024 in eine positive „Cat Ladies for Kamala“-Kampagne. Eine der prominentesten Unterstützerinnen war die Sängerin Taylor Swift, selber eine bekennende Katzenliebhaberin. In der Ausstellung findet sich ein Cover des Time Magazin, für das die Amerikanerin 2023 mit einer ihrer heiß geliebten Katzen abgelichtet wurde. Das ist mehr als eine Aufnahme, es ist ein Statement. Zumindest für alle Katzenfans. Dagmar Leischow

Info Die Ausstellung „Katzen!“ läuft bis zum 29. November im Museum am Rothenbaum (MARKK). Karten und weitere Informationen finden Sie unter: markk-hamburg.de

Heimatlose Samtpfoten

Katzen II: Katzen-Rettung. Das Tierheim an der Neuen Süderstraße bietet ausgesetzten und streunenden Tieren und Katzen ein temporäres Zuhause

Das harte Leben auf der Straße hat Katzen wie Spekulatius, Schneeflöckchen oder Shiny geprägt. Sie misstrauen Menschen eher. Spekulatius und Schneeflöckchen hören zwar hinter ihren Gitterstäben interessiert zu, wenn man mit ihnen spricht. Zu viel Nähe ist ihnen jedoch nicht geheuer. Auch die etwa drei Jahre alte Shiny beäugt Besucher:innen in ihrem Raum im Tierheim an der Neuen Süderstraße lieber aus sicherer Entfernung. Sie ist ängstlich und mag sich nicht anfassen lassen. „Auf einem Resthof oder einem Bauernhof wären diese Tiere gut aufgehoben“, sagt Katzenpflegerin Anja Ohlerich. „Sie könnten dort gute Mäusefänger sein.“

Streunerkatze Shiny. Wer sie genau anschaut, erkennt: Sie hat eine V-förmige Kerbe im Ohr. Das heißt, sie wurde bereits als herrenloses Tier kastriert. © Hamburger Tierschutzverein

Ihr Zurückhaltung ist typisch für Streunerkatzen. Immerhin mag Shiny ihre Artgenoss:innen. Wer sie genau anschaut, erkennt: Sie hat eine V-förmige Kerbe im Ohr. Das heißt, sie wurde bereits als herrenloses Tier kastriert. Das Katzenrettungsteam des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V. fängt regelmäßig Vierbeiner für Kastrationsaktionen ein, dann kehren sie in ihr ursprüngliches Habitat zurück. Futterplätze, die oft von Ehrenamtlichen betreut werden, sollen ihre Situation erleichtern.

Katzenretterin Monika Freytag mit ihren Fallen. © Dagmar Leischow

Offiziell sind in Hamburg rund 10.000 Samtpfoten heimatlos. Da diese Zahl allerdings schon seit vielen Jahren kursiert, hält sie Pressesprecher Sven Fraaß für längst überholt: „Ich denke, es gibt hier wesentlich mehr Straßenkatzen – etwa 40.000.“ Um die Population zu verringern, ist am 1. Januar 2026 die Katzenschutzverordnung in Hamburg in Kraft getreten. Sie verpflichtet alle Halter:innen, Hauskatzen mit Freigang kastrieren, chippen und registrieren zu lassen. Für die Besitzer:innen hat das den Vorteil, dass sie ein vermisstes Tier schneller wiederbekommen – weil es der Mikrochip ermöglicht, den Vierbeiner zu identifizieren.

Anscheinend tun sich einige Hamburger:innen mit dieser Gesetzesänderung jetzt trotzdem schwer. Zwischen Heiligabend und Mitte Januar kamen 41 herrenlose Katzen ins Tierheim. Keine war registriert, die Mehrheit ungechippt. Ein Jahr zuvor nahm das Katzenhaus in diesem Zeitraum lediglich zwei heimatlose Samtpfoten auf. Dennoch ist Monika Freytag, die seit 15 Jahren eine Stelle als Katzenretterin beim Hamburger Tierschutzverein hat, froh, dass es nun endlich eine Katzenschutzverordnung in Hamburg gibt. „Sie hätte natürlich viel früher kommen müssen“, resümiert sie. Von heute auf morgen verspricht sie sich logischerweise keine Verbesserungen: „Ich denke, es kann fünf Jahre dauern, bis es wirklich spürbar weniger Straßenkatzen gibt.“ 

Aktuell ist die Katzenretterin mit einer weiteren Vollzeit- sowie einer Teilzeitkraft vor allem in Billbrook, Wilhemsburg und Harburg aktiv, aber auch in anderen Stadtteilen. „Ich sehe sehr viel Katzenelend“, erzählt Monika Freytag. Tatsächlich begegnet man Rassekatzen und Mischlingen mit Siam-Anteil oder einem anderen Einschlag immer häufiger in der freien Wildbahn. Besonders fatal ist die Lage für Langhaarkatzen, die eigentlich regelmäßig gebürstet werden müssten. Dagmar Leischow

Info Im Tierheim an der Neuen Süderstraße warten Katzen und andere Tiere auf ein neues Zuhause. Infos: hamburger-tierschutzverein.de

Registrierte Katze Spekulatius. © Hamburger Tierschutzverein
Registrierte Katze Schneeflöckchen. © Hamburger Tierschutzverein

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

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