»Vokale Klangpracht mit Rachmaninow«

Konzert-Event. Am 21. Februar tritt der Chor des Bayerischen Rundfunks im Großen Saal der ­Elbphilharmonie mit »Großes Abend- und Morgenlob« von Sergej Rachmaninow auf

Sergej Rachmaninows »Großes Abend- und Morgenlob«, komponiert im Jahr 1915, ist ein eindrucksvolles Zeugnis der orthodoxen Gesangstradition und ihrer tiefgründigen Reflexion. Der Komponist selbst betrachtete es zeitlebens als seine bedeutendste Schöpfung und sagte darüber: „Mich interessierten weniger Gott und die religiöse Zeremonie als vielmehr der Gesang von unvergleichlicher Schönheit.“
Foto oben: Peter Dijkstra, Chef des Chors des Bayerischen Rundfunks, zu Rachmaninows »Großes Abend- und Morgenlob«: „Das Stück bewegt sich vom Dunkel ins Licht und hat grandiose Wirkungen. Der Klang des BR-Chores
ist geradezu prädestiniert, die Klangfülle dieser Musik zum Leben zu erwecken.“ © Astrid Ackermann

Ursprünglich für ein Benefizkonzert in Moskau zugunsten der Kriegsopfer geschaffen, vereint das Werk die Erinnerungen des Komponisten an seine Kindheit und die religiöse Seele seiner Heimat. Bereits zwei Jahre später, im Winter 1917, musste Rachmaninow ebendiese Heimat für immer verlassen. Der Chor des Bayerischen Rundfunks offenbart in diesem Konzert, dirigiert von seinem Künstlerischen Leiter Peter Dijkstra, die ganze emotionale und klanglich raffinierte Bandbreite dieses Meisterwerks der russisch-orthodoxen Sakralmusik.

Der Chor des Bayerischen Rundfunks mit seinen rund 50 Mitgliedern tritt mit Werken von Benjamin Britten und Sergej Rachmaninow im Februar 2026 im Großen Saal der Elbphilharmonie auf. Dirigent Peter Dijkstra: „die ganze emotionale und klanglich raffinierte Bandbreite“. © Astrid Ackermann

Peter Dijkstra, der Künstlerische Leiter des BR-Chores, sagt dazu: „Für mich ist dieses Werk im Gesamtkanon der A cappella-Literatur ein absolutes Highlight! Das Stück bewegt sich vom Dunkel ins Licht und hat grandiose Wirkungen. Der Klang des BR-Chores ist geradezu prädestiniert, die Klangfülle dieser Musik zum Leben zu erwecken.“ Tatsächlich ist Rachmaninows Komposition der Höhepunkt des in den vorangegangenen zwei Jahrzehnten entstandenen Interesses an russischer geistlicher Musik, das durch Tschaikowskys Vertonung der Allnachtwache ausgelöst wurde. Die Ähnlichkeiten zwischen den Werken, wie beispielsweise die umfangreiche Verwendung traditioneller Gesänge, zeigen das Ausmaß von Tschaikowskys Einfluss – Rachmaninows Vertonung ist jedoch in Bezug auf Harmonie, Textvielfalt und Polyphonie wesentlich komplexer.

Ein interessantes Detail hierzu: Nicht nur einmal, sondern  mehrfach steigen die tiefen Bässe in Rachmaninows „Ganznächtlichen Wachen“, wie der russische Titel in der wörtlichen Übersetzung lautet, zum Kontra-G hinab. Zum Vergleich: Diesen Ton erreichen Tuba, Kontrafagott, Kontrabass und Bassklarinette schon nicht mehr. Das ist einer der Gründe, warum Rachmaninows A-cappella-Gesänge eine Sache für Profis sind. Außerdem verspricht dieser Tiefenrekord in der Elbphilharmonie ein geradezu einzigartiges Klangerlebnis.

Neben der choralischen Pracht bietet der Abend einen besonderen instrumentalen Kontrapunkt: Der Cellist ­Krzysztof Michalski, der 2024 zu den Preisträgern des ARD-Musikwettbewerbs zählte, interpretiert die Suite Nr. 3 für Violoncello von Benjamin Britten.

Kein Komponist hatte den Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach etwas Vergleichbares folgen lassen, bis der englische Meister 1964 daran ging, einen ähnlich geschlossenen und kompositorisch dichten Zyklus von Solosuiten zu schreiben. Komponiert für seinen Freund und musikalischen Weggefährten Mstislaw Rostropowitsch und basierend auf russischen Themen, schlägt dieses Werk damit den Bogen zurück zum Beginn des Konzertabends. Martha Bitter

Info

Der Chor des Bayerischen Rundfunks tritt am Samstag, 21. Februar 2026, um 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie auf. Karten und weitere Informationen unter: elbphilharmonie.de

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