»Weiße Flotten«: Erinnerung an die Zukunft!

Kaispeicher B. Bis in den Frühling hinein präsentiert das Internationale Maritime ­Museum die Welt der »Fähr- und Fahrgastschifffahrt an Deutschlands Küsten«

Schon anno 1905 war die Passage zwischen Dagebüll und den Nordsee­inseln ein spannendes Erlebnis. © IMMH

Ein Rundgang durch diese Sonderausstellung ist Rück- und Ausblick gleichermaßen. Weil die Geschichte der Fähr- und Fahrgastschiffe, einst als „Weiße Flotte“ ein Begriff, mit wunderbaren Erinnerungen verbunden ist. Wenn man die Modelle dieser aus heutiger Sicht herrlich altmodisch designten „Bäderschiffe“ betrachtet, werden die Sinne auf Urlaub gestellt. Wer am Festland an Bord ging, nicht nur als Kind, nahm Kurs auf eine spannende Ferien- oder Erholungszeit. Für Groß und Klein üben Inseln einen zauberhaften Reiz aus. Daran hat sich nichts geändert, am Aussehen und an der Technik umso mehr.
Foto oben: Aus heutiger Sicht ging es früher an norddeutschen Küsten erheblich gemächlicher zur Sache. © IMMH

Jüngere Menschen wissen heute mit der Bezeichnung „Butterfahrt“ meist nichts mehr anzufangen. Gab es dort etwa Butter zu kaufen? In der Tat, jede Menge sogar. Und Spirituosen. Und Zigaretten. Zu verführerischen Preisen, da zollfrei. Dass zudem Wärmedecken, geisterabweisendes Bettzeug oder Hightech-Eierkocher zu stolzen Tarifen feilgeboten wurden, ist ein Kapitel für sich.

Fest steht: Die Welt der „Fähr- und Fahrgastschifffahrt an Deutschlands Küsten“ ist turbulent. Die unmittelbar vor Weihnachten mit einer stimmungsvollen Zusammenkunft im Internationalen Maritimen Museum (IMMH) eröffnete und bis 12. April 2026 präsentierte Sonderausstellung mit eben diesem Titel beleuchtet unterschiedliche Facetten – ebenso informativ wie fantasievoll und sehenswert dargeboten. Es geht um viel mehr als „Weiße Flotten“, legendäre Butterfahrten und RoRo-Fähren der Neuzeit.

Auf Deck 1 stehen Rückblicke, Einsichten und Perspektiven im Mittelpunkt. Unterstützt wird die Ausstellung durch die im Verband Deutscher Reeder organisierten Küstenfahrgastschiffs- und Fährreedereien.

Fliegen muss nicht schöner sein: Der Highspeed-Katamaran »Halunder Jet« verbindet Hamburg und Helgoland auf rasante Art. © IMMH

Tatsächlich sind mehr als zehn Millionen Menschen Jahr für Jahr auf diesen besonderen Schiffen unterwegs. Für viele sind sie der Start in den Urlaub, für andere Verkehrsmittel auf dem Arbeitsweg oder Verbindung zur Außenwelt, um Halligen und Ferieninseln mit lebenswichtigem Nachschub zu versorgen. Weitere Themen der im regulären Museumseintritt enthaltenen Sonderausstellung sind der Wandel der Arbeit an Bord, die Steigerung der Sicherheit und neue Technologien, die zu einer sauberen Küstenschifffahrt beitragen.

Vom Pferdefuhrwerk wurden Waren und Reise­gepäck an Bord gebracht. © IMMH

Manche Fahrgastschiffe schrieben Geschichte, die Bücher füllen könnten. So verliert sich die Spur der 1961 gebauten und zwischen Flensburg und Dänemark als „Butterdampfer“ eingesetzten „Sunlady“ nach einer Station in Westafrika auf rätselhafte Art.

Parallel zur Sonderausstellung ist ein Buch des Autors ­Frederik Erdmann im Koehler-Verlag (Hamburg) erschienen, das den Titel des Ereignisses trägt: „Fähr- und Fahrgastschifffahrt an Deutschlands Küsten.“
Jens Meyer-Odewald

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