Event. Die Loki Schmidt Stiftung hat mit der Ausstellung »NaturRaum HafenCity – zwischen Elbe und Asphalt« ihre neue Dependance an der Versmannstraße eingeweiht
In der Versmannstraße 60 hat die Loki Schmidt Stiftung ihre neuen Räume mit der Ausstellung »NaturRaum HafenCity – zwischen Elbe und Asphalt« eröffnet. Es ist kein klassisches Museum. Es ist ein Ort zum Entdecken, Stehenbleiben und genauem Hinschauen. Genau das, wofür Loki Schmidt stand. Zum Auftakt spricht Lothar Frenz, Biologe, Autor und langjähriger Wegbegleiter der Stiftung. Er erinnert an die Namensgeberin. Loki Schmidt wäre an diesem Tag 107 Jahre alt geworden. Ihr Geburtstag fällt auf den internationalen Tag des Artenschutzes. Für Frenz kein Zufall, sondern ein Zeichen.
Foto oben: Eröffnungs-Paten der Ausstellung „NaturRaum HafenCity“ (v. l.):Biologe und Festredner Lothar Frenz, Umweltsenatorin Katharina Fegebank und Axel Jahn, Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung. © Loki Schmidt Stiftung
Er erzählt von gemeinsamen Momenten, vom genauen Beobachten, vom Blick für das Kleine. „Wenn die Sonne lacht, dann lachen die Blumen mit“, habe Loki Schmidt gesagt. Und doch ging es ihr nie nur um Blumen. Als Kind habe sie den Frühling an den Spuren der Regenwürmer erkannt. An kleinen Erdhäufchen. Für Frenz steckt darin ihr ganzes Denken: „beobachten, verstehen, schützen“.
Das Denken von Loki Schmidt: »Beobachten, verstehen, schützen.« Biologe Lothar Frenz
„Natur beginnt nicht im Nationalpark“, sagt er. „Natur beginnt in dem Moment, in dem wir stehen bleiben und hinschauen.“ Genau das will die neue Ausstellung leisten. Sie führt entlang eines gedanklichen Flusses durch die Stadt. Zeigt, wie sich Natur ihren Platz nimmt. Zwischen Hafen, Industrie und Wohngebieten. Es geht um Wandel. Um Verantwortung. Und um die Frage, wie Stadt und Natur zusammen funktionieren können. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Umwelt- und Klimasenatorin Katharina Fegebank knüpft direkt daran an. Ihre Perspektive ist politischer, aber nicht weniger eindringlich. „Wir haben zwei große Menschheitsaufgaben“, sagt sie. „Der Klimawandel ist die eine. Die viel stillere Krise ist das Artensterben.“
Diese Krise sei weniger sichtbar, aber nicht weniger gefährlich. „Man merkt vielleicht nicht sofort, wenn ein Insekt verschwindet“, sagt Fegebank. „Aber es fehlt dann im System.“ Sie verweist auf internationale Studien und wirtschaftliche Risiken. Der Verlust von Biodiversität gehöre längst zu den größten globalen Bedrohungen. Umso wichtiger sei es, Menschen zu erreichen. Genau hier setzt die Ausstellung an. Sie will nicht belehren. Sie will neugierig machen. Besucherinnen und Besucher gehen durch verschiedene Stationen. Sie erleben Flora und Fauna entlang der Elbe. Sie sehen, wie sich Natur trotz Eingriffen behauptet. Und wie sie gleichzeitig unter Druck steht.

Fegebank greift ein bekanntes Zitat von Loki Schmidt auf: „Man liebt nur, was man kennt. Und man schützt nur, was man liebt.“ Für sie ist das der Kern der Ausstellung. Kinder, Nachbarschaften, Besucher sollen Natur neu kennenlernen. Direkt vor der eigenen Haustür.
Die Räume sind bewusst offen gestaltet. Es gibt keine strengen Wege. Stattdessen viele Punkte, an denen man stehen bleibt, hinhört, mitmacht. Kleine Spiele laden dazu ein, selbst zu entdecken. Was lebt im Boden? Was wächst am Ufer? Was verändert sich mit den Jahreszeiten?
Die Ausstellung versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Alltag, Wissen und Handeln, und sie schlägt konkrete Möglichkeiten vor: mehr Grün auf Balkonen, weniger Versiegelung, kleine Lebensräume in der Stadt. Es sind keine großen Projekte, aber viele kleine Schritte, die einfach in der Umsetzung sind.
Fegebank nennt das „Selbstwirksamkeit“. Jeder könne etwas tun. „Es geht nicht nur um große Programme“, sagt sie. „Es geht auch um die vielen kleinen Entscheidungen im Alltag.“ Hamburg habe hier bereits einiges erreicht. Zehn Prozent der Landesfläche stehen inzwischen unter Naturschutz. Dazu kommen Initiativen wie neue Stadtgrün-Projekte oder Entsiegelungsprogramme.
Doch sie macht auch klar, dass der Druck wächst. In politischen Debatten rücke der Naturschutz oft in den Hintergrund. „Manchmal wirkt es wie ein Nice-to-have“, sagt sie. „Das halte ich für grundfalsch.“ Gerade bei großen Infrastrukturprojekten müsse Natur von Anfang an mitgedacht werden.
»Wir haben zwei große Menschheitsaufgaben. Der Klimawandel ist die eine. Die viel stillere Krise ist das Artensterben.«
Umwelt- und Klimasenatorin Katharina Fegebank
Die Ausstellung zeigt genau diese Spannungen von Hafen und Natur, Wachstum und Schutz, Nutzung und Erhalt. Sie vermeidet einfache Antworten. Stattdessen stellt sie Fragen. Und lädt dazu ein, selbst Position zu beziehen. Am Ende bleibt ein Eindruck: Natur ist nichts Entferntes. Sie ist direkt da. Zwischen Beton und Wasser. Zwischen Straßen und Gleisen. Man muss nur hinsehen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Ortes. Und vielleicht auch die passendste Erinnerung an Loki Schmidt. Eine Frau, die genau das ihr Leben lang getan hat. Hinschauen, verstehen und daraus Verantwortung ableiten. Sie ist in kleinen Piktogrammen überall in den Räumen zu finden. Das Organisationsteam hat sich lange Gedanken gemacht, ob „Loki“ mit Zigarette auf dem Piktogramm abgebildet werden sollte. Man hat sich dagegen entschieden, die Piktogramme erkennt man auch so direkt als Loki.
Dieser Ort hat das Potenzial, viele Menschen zu erreichen. Nicht laut. Sondern genau so, wie es Loki Schmidt wohl gefallen hätte. Leise. Präzise. Und nachhaltig. Jimmy Blum
InfoLoki Schmidt Stiftung, Versmannstr. 60, 20457 Hamburg, 040-284 09 98-0, info@loki-schmidt-stiftung.de. Weitere Informationen zur Ausstellung „NaturRaum HafenCity“ und zur Loki Schmidt Stiftung unter: loki-schmidt-stiftung.de



