Coaching. Fünf provokante Tipps von unserer Kolumnistin Andrea K. Huber zum Unglücklichsein oder Unglücklichwerden

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mit den Vorsätzen zum neuen Jahr ist das so eine Sache. Glücklicher, gesünder und entspannter und, spätestens im Februar, ist alles wieder beim Alten. Der Wunsch nach Veränderung ist ja da, allein das Umsetzen will nicht so recht gelingen.
Foto oben: Machen Sie’s zum Jahresanfang mal andersherum: Keine guten Vorsätze! Geben Sie stattdessen etwa allen Mitmenschen die Schuld an Ihrem Unglücklichsein! So merken Sie schnell, was Ihnen wirklich wichtig ist, und suchen nach Ihren Lösungen. © picture alliance / Zoonar | Dmitrii Marchenko
Zum Start ins Jahr 2026 möchte ich es dieses Mal etwas anders mit Ihnen (und mir) angehen. Ich habe eine „Anti-Liste“ mitgebracht. Die provokante „Vorsatzliste zum Unglücklichsein oder Unglücklichwerden“ wirkt wie ein kleiner Spiegel – denn wir sind bereits großartig im „Realität schaffen“, nur leider in die entgegengesetzte Richtung unserer Sehnsüchte. Der Trick an der Liste? Je mehr man darüber schmunzelt, desto klarer sieht man, was man eigentlich loslassen möchte.
So werden Sie unglücklich:
1. Vergleichen Sie sich mit anderen: Es ist egal, was Sie in Ihrem Leben schon erreicht haben. Wenn Ihr Nachbar, Ihre Freundin, wer auch immer mehr vorzuweisen hat, ist all das nichts wert. Das meiste Geld nach Hause bringen, den besten Titel auf der Visitenkarte stehen haben und sich das größte Auto leisten können – das zählt! Wen interessiert es schon, dass Sie sich rührend um Ihre Kinder kümmern, wunderbar singen können oder ehrenamtlich engagiert sind? Halten Sie einfach immer Ausschau nach den Personen, die besser sind als Sie – sei es im Schach, im Beruf, beim Gärtnern oder Kochen.
2. Machen Sie sich ständig Sorgen: Was ist, wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner Sie verlässt? Ja, gerade behauptet sie/er noch, Sie zu lieben. Aber vielleicht lernt sie/er morgen jemand anderes kennen. Und dann wird sie/er Sie verlassen. O Gott. Was sollen Sie dann nur tun? Sie müssten den ganzen Hausstand aufteilen, und wie sollen Sie dann die Wohnung alleine bezahlen? Sie könnten zu Ihrer Schwester gehen, wenn sie bis dahin nicht ausgewandert ist. Ach generell, Ihre Schwester, wenn sie sich das nur aus dem Kopf schlagen würde! „Allein in der Fremde! Das ist doch viel zu gefährlich! Was, wenn ihr was zustößt? Und dann ist sie raus aus ihrem Job, und so einfach kommt sie da nicht wieder rein. Wie soll sie die Lücke in ihrem Lebenslauf erklären? Und wie wird sie dann ihre Kinder ernähren?“ Ich glaube, Sie wissen jetzt, wie „Sorgen machen“ geht.
3. Jammern und klagen Sie, so viel Sie können: Wenn Sie jemand fragt, wie es Ihnen geht, antworten Sie mit „Muss ja“ oder „Ging schon mal besser“. Dann fangen Sie sofort an, Ihre Leidensgeschichte zu erzählen. Sie werden merken, wie Sie ein zehnminütiger Plausch über die Ungerechtigkeiten dieser Welt so richtig in schlechte Stimmung bringt, Ihnen jede Hoffnung aussaugt und Sie leerer und trauriger zurücklässt, als Sie es sich vorher hätten vorstellen können.
4. Warten Sie auf den richtigen Moment: Sie werden es tun! Ihren Job kündigen, auf Reisen gehen, sich selbstständig machen, in den Chor eintreten, den Marathon laufen und, und, und. Nur, es ist gerade einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Aber wenn der Stress ein bisschen nachlässt, wenn sich die Dinge normalisieren, wenn die Kinder erst mal größer sind, wenn die Wirtschaftslage besser ist, wenn sich der Arbeitsmarkt erholt hat, ja, dann wird Ihre Zeit gekommen sein. Und dann werden Sie Ihre Vorhaben in die Tat umsetzen!
5. Erwarten Sie, dass andere Sie glücklich machen: Wenn Sie erst mal den perfekten Partner finden, dann lösen sich Ihre Probleme in Wohlgefallen auf. Oder wenn Ihr Chef endlich erkennt, wo Ihre wahren Talente liegen. Und wann entschuldigen sich Ihre Eltern eigentlich endlich dafür, was sie Ihnen all die Jahre über angetan haben? Aber noch sind diese Menschen alle so stur, dass sie nicht einsehen wollen, dass sie den Schlüssel zu Ihrem Lebensglück in der Hand halten.
Ihnen ein zufriedenes und erfolgreiches 2026, Ihre Andrea Huber
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Andrea K. Huber ist Coachin im Leistungssport, hat sich auf Stressmanagement spezialisiert und berät Unternehmen und Privatpersonen in herausfordernden Situationen. Infos unter: www.andrea-huber-coaching.de



