Endspurt. Der Senat präsentiert sein finales Konzept für Olympische und Paralympische Spiele und ein neue NDR-Umfrage belegt, dass die Hamburger mehrheitlich zurzeit keinen Bock auf Olympia an der Elbe haben
Es gibt in ganz Deutschland keinen besseren Ort, um die olympische Idee im 21. Jahrhundert aufleben zu lassen“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher selbstbewusst Mitte März bei der finalen Vorstellung des Bewerbungskonzepts für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044. Hamburg muss im innerdeutschen Wettbewerb vor allem gegen die Mitfavoriten München (mit breiter Zustimmung durch die Münchner:innen) und Nordrhein-Westfalen sowie Zählkandidat Berlin durchsetzen. Entscheidend wird neben dem gelungenen Konzept und der offensiven kraftvollen PR-Kampagne die Zustimmung zum Referendum sein, zur Volksabstimmung am 31. Mai, bei der sich zeigen wird, ob die Menschen die Spiele mit überzeugender Mehrheit an der Elbe haben wollen.
Foto oben: Olympia-Bogenschießen auf der Binnenalster. Innensenator Andy Grote: „Wir wollen Olympia zu einem inspirierenden und unvergesslichen Gemeinschaftserlebnis machen.“ © neuland-concerts
Die Chancen dazu stehen aktuell jedoch nur 50:41: 50 Prozent finden Olympia in Hamburg „eher schlecht“ und nur 41 Prozent „eher gut“. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag des NDR, die am 25. März 2026 veröffentlicht wurde und den Optimismus der Olympia-Macher:innen ausbremst. Der rot-grüne Senat steht mit diesem Zwischenergebnis rund acht Wochen vor dem Referendum am 31. Mai fast mit leeren Händen da – nach einem mehrmonatigem intensiven Wahlkampfengagement vom Bürgermeister abwärts sowie aller relevanten Wirtschafts-, Handwerks-, Kultur- und Tourismusinstitutionen und einer großen Image- und Infokampagne mit faszinierenden Visualisierungen von Olympiaspielstätten am und auf dem Wasser wie der Binnenalster und mitten in den Straßen der Metropole.

Nur bei den Anhängern der SPD gibt es laut NDR-Umfrage eine Zustimmung (57 zu 35 %), während sich bei den Grünen eine satte Ablehnung (37 zu 53 %) zeigt. Und auch bei den CDU-Anhängern ist die Zustimmung mit nur (50 zu 45 %) äußerst bescheiden, während es bei der Linken (23 zu 72 %) und der AfD (30 zu 57 %) die erwartbare klare Ablehnung gibt. Interessant: Nur die Befragten zwischen 16 bis 34 Jahre sind für Olympia, alle anderen Altersgruppen sind gegen Olympia in Hamburg. Wie schon 2015 steuert die Freie und Hansestadt erneut auf ein Olympia-Desaster zu – einerseits.
Andererseits gilt wie in klassisch umkämpften Wahlen: Sieg oder Niederlage entscheiden sich gegen Ende. Das heißt: Bisher sind die Olympiabotschaften attraktiv verpackt und auch erklärt, aber sie wurden bei den Hamburger:innen nicht auf- beziehungsweise wahrgenommen, haben halt nicht gezündet. Senat und Olympiamacher:innen sollten bis zum 31. Mai der Volksentscheidung unverzüglich für sich klären, wie sie schnellstmöglich die Menschen emotional erreichen und für Olympia begeistern wollen. Alles muss auf den Prüfstand für die kommenden zwei Monate. Zugegeben: eine Herkules-Aufgabe, da die Hanseaten im Zweifel mit sich selbst zufrieden und gegen Veränderungen sind, und auch in Hamburg der Politik nicht automatisch abnehmen, dass Olympia kostenneutral sein könne. Und: Im Wohlfühl-Kleingarten Hamburg mag man keine Veränderungen. Dabei haben die Pariser Sommerspiele 2024 gezeigt, dass die Faszination von Sport, Wettkampf und emtionaler Begeisterung ein Großstadtpublikum begeistern kann. Anstatt wie München mit 66 Prozent Zustimmung seiner Bürger:innen voranzustürmen, verharrt die Mehrzahl der Hamburger:innen gerne in seinem Selbstzufriedenheitsmotto als „schönste Stadt der Welt“. Zaudern statt Aufbruch.

Und nun? Der Ausgang für die Volksabstimmung über die Olympiabewerbung Hamburg? Ungewiss – und im Zweifel negativ. Zumal es die „NOlympia Hamburg“-Bewegung auf die Wahlzettel für den 31. Mai geschafft hat und mit ihren Gegenargumenten wie unkalkulierbare Steuerzahlermillionen und wirkliche Nachhaltigkeit der Spielstätten und des Olympiadorfes stärker wahrgenommen wird, als der Senat und das für sich werbende Olympia-Konzept. Seit dem 25. März und den negativen NDR-Umfrageergebnissen steht nun eine dickes Fragezeichen hinter dem Werbemotto von Mr. Olympia und „Actice City“-Macher Andy Grote, Innen- und Sportsenator: „Diese Spiele sind das, was wir gemeinsam daraus machen: eine Chance für alle!“ Wirklich für alle? Wolfgang Timpe
Mehr Informationen unter: hamburg-activecity.de/olympia



