»Loben Sie noch oder wertschätzen Sie schon?«

Coaching. Wir drücken Wertschätzung oft falsch aus – Tipps für kleine Perspektivwechsel

Erinnern Sie sich noch an Ihren Lieblingslehrer, der immer an Sie geglaubt hat und für dessen Lob Sie alles getan hätten? Und was fühlen Sie, wenn Sie an die nette Nachbarin denken, die pünktlich zu Weihnachten selbst gebackene Plätzchen vorbeibringt? Wertschätzung ist ein zentrales Bedürfnis des Menschen, das eng mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit zusammenhängt – im Job genauso wie im Privatleben. Sie ist unabhängig von Taten oder Leistungen und betrifft das gesamte Wesen eines Menschen. 
Foto oben: Coachin Andrea K. Huber: Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, die uns jemand schenkt, machen das Gegenüber auch attraktiv für uns. © picture alliance / Westend61 | Ladanifer

Coachin Andrea Huber: „Wertschätzung funktioniert nicht bei allen Menschen gleich. Wir alle drücken sie unterschiedlich aus, und sie kommt unterschiedlich bei uns an.“ © Privat

Wir wollen gesehen und angenommen werden. Dann fühlen wir uns respektiert, anerkannt und geliebt. Gleichzeitig zählt mangelnde Wertschätzung zu den Hauptgründen, aus denen Beziehungspartner sich trennen. Im Job kann sie sogar krank machen. Doch warum ist das so? Wenn Wertschätzung so zentral für uns ist? Wenn jeder sie braucht und damit auch wissen müsste, wie er sie anderen gibt? Frei nach dem Motto: „Wie du mir, so ich dir“.  

Der amerikanische Paartherapeut Gary Chapman hat sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Sein Resümee: Wertschätzung funktioniert nicht bei allen Menschen gleich. Wir alle drücken sie unterschiedlich aus, und sie kommt unterschiedlich bei uns an. Sie hängt von der Persönlichkeit ab, von der Prägung oder von persönlichen Erfahrungswerten (beispielsweise aus der Kindheit). Chapman definierte aus seiner Arbeit schließlich fünf verschiedene Beziehungssprachen, wie ein Mensch anderen seine Sympathie und Anerkennung zeigt und diese auch empfängt. Sie gelten sowohl im Privatleben als auch im beruflichen Umfeld und ganz allgemein im zwischenmenschlichen Umgang. Und so lauten sie, die „Fünf Sprachen der Liebe“:

Worte der Anerkennung
Komplimente, Lob, verbale Wertschätzung fallen in die Kategorie „Worte der Anerkennung“, zum Beispiel:
• „Es ist schön, dass du da bist!“
• „Vielen Dank für deine Unterstützung!“
• „Du siehst großartig aus!“

Geschenke
Auch Aufmerksamkeiten können Wertschätzung kommunizieren. Sei es …
• ein Strauß Blumen,
• die Lieblingssüßigkeit oder
• eine Kleinigkeit, die der andere sich schon lange wünscht.

Unterstützung durch Taten
Manch einer genießt am meisten Ihre Rückendeckung und selbstverständliche Unterstützung, etwa …
• beim Aufbauen eines Regals helfen,
• eine ungeliebte Aufgabe im Haushalt übernehmen oder
• eine Tasse Kaffee servieren, wenn der geliebte Mensch gerade unter Stress steht.

Gemeinsame Zeit
Wer alles daran setzt, viele gemeinsame Momente zu schaffen, setzt sich verstärkt dafür ein, dass …
• regelmäßige Gespräche stattfinden,
• kleine Ausflüge zum Alltag gehören, vielleicht ins Kino oder Theater, und
• dass von Zeit zu Zeit gemeinsam gegessen wird – ohne ein ablenkendes Handy.

Physische Berührung
Berührungen sind nicht nur ein körperliches, sondern auch ein emotionales Bedürfnis. Typisch sind hier:
• in den Arm nehmen,
• Schulterklopfen oder
• Händchen halten.

Vielleicht sehen Sie jetzt schon das Potenzial für Missverständnisse: Es kann durchaus sein, dass Sie schon durch Taten Ihr Gegenüber unterstützen – er oder sie jedoch für anerkennende Worte am empfänglichsten ist oder am meisten bei einem kleinen Geschenk strahlt. Zwar ist prinzipiell jeder Mensch in der Lage, alle Arten der Wertschätzung zu verstehen. Doch welche dieser Sprachen ihn am meisten anspricht und berührt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Die Lösung? Erzählen Sie – und fragen Sie! Erläutern Sie kurz den Hintergrund. Und machen Sie den ersten Schritt: Sagen Sie ihm oder ihr, was Ihre eigene „Liebesmuttersprache“ ist. Es öffnet den Raum für Offenheit und Ehrlichkeit. Dann fragen Sie gezielt nach. Es mag banal klingen, doch ein solcher Austausch lohnt sich! Viele Paare berichten, dass allein das Wissen um diese unterschiedlichen „Sprachen“ ihre Beziehung verändert hat. Und sogar im Beruf profitieren Sie von einem besseren Arbeitsklima und mehr Leistungsfähigkeit. Ihre Andrea Huber

Info 
Andrea K. Huber ist ­Coachin im Leistungssport, hat sich auf Stress­management spe­zialisiert und berät Unternehmen und Privatpersonen in heraus­fordernden Situa­tionen. Infos: andrea-­ huber-coaching.de 

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