Musical. Mit „Zurück in die Zukunft“ liefert das Stage Operettenhaus Top-Entertainment
Dass „Zurück in die Zukunft“ jemals ein Musical werden würde, hätte sich Bob Gale, der mit Regisseur Robert Zemeckis das Drehbuch für den Film geschrieben hat, in den 1980er-Jahren niemals träumen lassen. „Unser Skript wurde 40-mal abgelehnt“, bekennt der Amerikaner bei der Deutschlandpremiere im Stage Operettenhaus in Hamburg. Die größte Attraktion dieser Aufführung ist der berühmte DeLorean DMC-12, daran gibt es nichts zu rütteln. Der ziemlich schräge Wissenschaftler Doc Brown hat ihn mit einem Flux-Kompensator in eine Zeitmaschine umfunktioniert. Mit ihr reist Marty McFly zurück ins Jahr 1955 und wirbelt die Zukunft ordentlich durcheinander.
Foto oben: Musical „Zurück in die Zukunft“ auf der Reeperbahn im Stage Operettenhaus: Der „DeLorean DMC-12“ ist wie im Film der Star, den Doc Brown alias Jan Kersjes zur Zeitmaschine umfunktioniert hat und mit dem sich Marty McFly alias Raphael Groß zurück ins Jahr 1955 beamt. © Helen Murray
Die Zeitsprünge werden mit Projektionen fantastisch choreografiert – fast wie in einem Film, aber ganz anders als im Originalstreifen von 1985. Gewinnbringend sind auch das Bühnenbild und die Kostüme, entworfen von Tim Hatley. Blitzschnell fahren die Requisiten zur Seite, nach vorne oder nach hinten. Eben noch bewundert man ein mintgrünes Diner, dann sieht man plötzlich ein rosa Mädchenzimmer oder eine Highschool. In den Szenen, die in den 1950ern spielen, tragen die Darstellerinnen stilgerecht Petticoatkleider. Ikonisch ist natürlich der Look von Michael J. Fox alias Marty McFly aus den 1980ern: Jeans, Nike-Turnschuhe, rote Weste. Dieses Outfit hat erwartungsgemäß auch Raphael Groß an, der in Hamburg die Rolle des Hollywoodstars übernimmt. Damit tritt er in große Fußstapfen und bleibt im Vergleich etwas blass, zumindest im ersten Teil. Nach der Pause allerdings dreht er auf. Man muss ihn allein dafür lieben, wie lässig er „Johnny B. Goode“ interpretiert. Genauso stark ist jener Moment, in dem er seinen Vater George, augenscheinlich ein Verlierertyp, endlich überzeugt, seine Mutter Lorraine zu einem Ball einzuladen. Dabei stellt sich der zukünftige Papa dummerweise so ungeschickt an, dass er alles vermasselt.

Die Eltern von Marty McFly spielen Terence van der Loo und Sandra Leitner mit einem großen Talent für überspannte Charaktere. Einer überstrahlt jedoch alle: Jan Kersjes als Doc Brown. Er kann ebenso herrlich irre gucken wie Christopher Lloyd seinerzeit. Trotzdem kopiert er den Schauspieler nicht bloß, sondern gibt seiner Figur eine eigene Note. Sein komödiantisches Talent, seine Mimik, seine Gestik: toll! Etliche Sätze, die er oder auch andere Charaktere sagen, sind eins zu eins aus dem Film übernommen. Dazu gesellen sich Songs wie „Future Boy“ und „Ein Hoch auf alle Träumer“ sowie einige Szenen, die man so nicht aus der Kinofassung kennt. Nicht etwa die Libyer erschießen Doc Brown im Musical, er kommt durch seine eigene Nachlässigkeit ums Leben. Vielleicht ein kleines Manko für manchen Cineasten, aber insgesamt macht diese Inszenierung großen Spaß – unabhängig davon, ob man den Film nun kennt oder nicht. Vor allem, wenn am Schluss der DeLorean praktisch noch eine kleine Sondervorstellung gibt. Dagmar Leischow
Info
„Zurück in die Zukunft“ läuft im Stage Operettenhaus. Karten und weitere Informationen unter: stage-entertainment.de



