Ausstellung. Das Westfield Hamburg-Überseequartier präsentiert zusammen mit der Affenfaust
Galerie die Kunstinstallation »Aquarell« von Tomislav Topić
Diverse Farbflächen hängen in Pastell unter der Decke. Sie fließen, sie verändern sich mit jedem Schritt. Im Westfield Hamburg-Überseequartier ist seit dem 22. April die Installation „Aquarell“ des Berliner Künstlers Tomislav Topić zu sehen. Es ist die erste großformatige Arbeit dieser Art seit der Eröffnung des Westfield-Quartiers im Frühjahr 2025. Das Werk befindet sich im sogenannten Premium Loop, direkt vor Breuninger. Es wirkt leicht, fast schwebend. Gleichzeitig greift es in die Architektur ein. Linien, Flächen und transparente Farbschichten überlagern sich. Je nach Blickwinkel entsteht ein anderes Bild. Wer stehen bleibt, sieht andere Übergänge als jemand, der zügig vorbeigeht. Das Werk reagiert auf Bewegung, Licht und Perspektive.
Foto oben: Westfield-Überseequartier-Künstler Tomislav Topić: „Ich sehe meine Arbeiten nicht als Objekte, sondern als Situationen. Farbe bekommt einen Raum, in dem sie reagieren kann – auf Licht, auf Bewegung, auf Architektur.“ URW
Topić arbeitet abstrakt. Er verzichtet bewusst auf konkrete Motive. Ihn interessiert, wie Farbe im Raum funktioniert. „Ich sehe meine Arbeiten nicht als Objekte, sondern als Situationen“, sagt er. „Farbe bekommt einen Raum, in dem sie reagieren kann – auf Licht, auf Bewegung, auf Architektur. Gerade in öffentlichen Räumen entsteht dadurch etwas Lebendiges, das sich ständig verändert und nie ganz greifbar ist.“ Er arbeitet bewusst im öffentlichen Raum, an Orten, an denen Menschen nicht mit Kunst rechnen. „Das ist ja das Spannende dabei, dass man, ohne in eine Galerie oder ein Museum zu gehen, Kunst entdecken kann“, sagt Topić. Seine Installationen entstehen analog, oft von Hand bemalt und auf speziellen Gitterstrukturen aufgebaut. Daraus ergibt sich ein visueller Effekt. „So entsteht ein Moiré-Effekt. Dieser führt dazu, dass ein analoger Körper fast digital erscheint, fast wie ein Hologramm.“
»In erster Linie sind wir ein Quartier und keine klassische Shoppingmall. Es geht uns darum, besondere Erlebnisse zu schaffen. Kunst im Alltag erlebbar zu machen, frei zugänglich und ohne Hürden, ist uns wichtig.«
Karen Mester-Lichtsinn, Senior Marketing Manager Westfield Hamburg-Überseequartier
Genau das passiert im Überseequartier. Unter der Decke schimmert ein Körper, der sich nicht sofort einordnen lässt. Erst beim Gehen, beim Verweilen, beim Wechsel der Perspektive wird er lesbar. „Vielleicht lädt es dazu ein, kurz zu verweilen und sich von der Ästhetik mitreißen zu lassen“, sagt der Künstler.
Die Situation ist bewusst gewählt. Viele Besucher kommen zum Einkaufen. Kunst steht nicht im Vordergrund. Für Topić liegt darin ein Reiz. „Es ist immer spannend zu sehen, ob Menschen das überhaupt wahrnehmen, wie sie es wahrnehmen und ob sie sich Zeit nehmen“, sagt er. Der Kontrast ist durchaus gewollt. „Vielleicht ist dieser Gegensatz gar nicht so schlecht, dass Menschen zum materiellen Konsum kommen, aber ein Gefühl entsteht, das eher emotional wirkt.“

Die Installation ist in Zusammenarbeit mit der Affenfaust Galerie entstanden. Die Galerie aus St. Pauli zählt seit Jahren zu den wichtigen Orten für zeitgenössische Kunst in Hamburg. Sie zeigt Malerei, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen und arbeitet regelmäßig im öffentlichen Raum. Schon während der Bauphase des Überseequartiers war sie beteiligt. 2022 entstand gemeinsam mit dem Künstlerkollektiv Mentalgassi das Projekt „#unüberseebar“. Auf mehr als 385 Meter Bauzaun waren Porträts aus der Nachbarschaft zu sehen. Die Bilder veränderten sich beim Vorbeigehen. Es war die längste kuratierte Kunstinstallation Norddeutschlands.
Auch jetzt geht es um Bewegung und Wahrnehmung. „Aquarell“ knüpft daran an, wirkt aber offener. Die Arbeit hängt frei im Raum und ist nicht an Wände gebunden. Dadurch verändert sie sich ständig. Farben verschieben sich optisch, Linien scheinen zu wandern. Die Installation nutzt die Höhe des Raumes und macht sie erlebbar.
Für das Quartier ist Kunst kein Zusatz, sondern Konzept-Element. Karen Mester-Lichtsinn,Senior Marketing Manager im Westfield Hamburg-Überseequartier, sagt: „In erster Linie sind wir ein Quartier und keine klassische Shoppingmall. Es geht uns darum, besondere Erlebnisse zu schaffen.“ Dazu gehören Events, Musik und Kunst. „Kunst im Alltag erlebbar zu machen, frei zugänglich und ohne Hürden, ist uns wichtig.“
Die Wirkung der Installation beschreibt sie konkret: „,Aquarell‘ schafft neue Perspektiven für die Wegeführung in unserem Premium Loop und macht zeitgenössische Kunst sichtbar.“ Gleichzeitig gehe es um Verbindung. „So entstehen Erlebnisse, die Community, Stadt und Gäste zusammenbringen – auch über Stadtteilgrenzen hinweg, etwa durch die Zusammenarbeit mit der Affenfaust Galerie.“
Topić selbst hebt den Ort hervor. Er hat weltweit gearbeitet, von Singapur bis Miami. Hamburg nimmt für ihn eine besondere Rolle ein. „Ich habe eine tiefe Verbindung zu dieser Stadt. Ich fühle mich hier besonders wohl“, sagt er. Auch das Quartier selbst habe ihn überzeugt. „Hier wurde sehr viel Wert auf Qualität gelegt. Das spürt man. Meine Arbeit wird hier wertgeschätzt.“
„Aquarell“ ist jederzeit zugänglich. Die Installation kostet die Besuchenden nichts. Sie verlangt nur Zeit und Aufmerksamkeit. Wer stehen bleibt, entdeckt Schichten. Wer weitergeht, nimmt Bewegung wahr. Das Werk verändert sich nicht wirklich, aber die Wahrnehmung tut es. Genau darin liegt seine Wirkung. Jimmy Blum
INFOS unter: westfield.com/de/germany/hamburg



