»Sehnsucht und Zusammenhalt!«

Konzert. Der Pianist und Komponist Leon Gurvitch führt in der Elbphilharmonie sein neues Werk »5 Seasons« mit dem Hamburger Kammerballett auf

Wenn am 6. Juni 2026 im Großen Saal der Elbphilharmonie die ersten Töne von ­„5 Seasons“ erklingen, geht es um weit mehr als um einen klassischen Ballettabend. Es geht um Krieg und Hoffnung, um Verlust und Neubeginn. Und um Künstlerinnen und Künstler, die mit Musik und Tanz ein Zeichen für Frieden setzen wollen. Im Mittelpunkt steht dabei der Hamburger Komponist und Pianist Leon Gurvitch, der gemeinsam mit dem Hamburger Kammerballett die Weltpremiere seines neuen Werkes präsentiert.
Foto oben: Pianist und Komponist Leon Gurvitch.„5 Seasons“ wirkt nicht wie ein fernes Kunstereignis, sondern wie ein Abend aus der Mitte der Stadt heraus.© Janastasia Kralu

Das Hamburger Kammerballett wurde im Sommer 2022 von ­Edvin Revazov, gefeierter Erster Solist des Hamburg Ballett, und Isabelle Rohlfs gegründet. Das Ensemble entstand als direkte Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Junge Tänzerinnen und Tänzer aus der Ukraine fanden in Hamburg eine neue künstlerische Heimat. Aus einer Idee wurde schnell ein Projekt mit großer emotionaler Kraft.

Bereits im Mai 2025 stand das Ensemble gemeinsam mit Leon Gurvitch und dessen Musikerinnen und Musikern auf der Bühne der Elbphilharmonie. Das Publikum reagierte begeistert. Das Hamburger Abendblatt schrieb damals: „Zu Recht stehende Ovationen für einen Abend, an dem inhaltlich, tänzerisch und menschlich alles stimmte.“ Nun folgt die Fortsetzung. Mit „5 Seasons“ bringen Musiker und Tänzer aus Deutschland und der Ukraine erneut ein Friedensprojekt auf die Bühne. „Die Premiere am 6. Juni bedeutet mir sehr viel“, sagt Leon Gurvitch. „‚5 Seasons‘ ist mein neues Werk, an dem ich zwei Jahre gearbeitet habe. Umso mehr freut es mich, dass Edvin Revazov daraus ein neues Ballett auf die Bühne der Elbphilharmonie bringt – eines der bedeutendsten Konzertsäle Europas, an dem wir bereits unser letztes gemeinsames Ballett präsentiert haben.“

Die Aufführung verspricht einen intensiven Abend voller Emotionen. Edvin Revazov übernimmt Choreografie, Kostüme und Bühnenbild. Leon Gurvitch verantwortet Musik, Komposition und Klavier. Die Verbindung aus modernem Ballett und eigens komponierter Musik soll das Publikum mitten hineinziehen in eine Geschichte über Menschlichkeit, Sehnsucht und Zusammenhalt.

Der Pianist Leon Gurvitch lebt seit 2001 in Hamburg. Menschen mit unterschiedlichen Biografien arbeiten gemeinsam an einem Zeichen für Frieden. © Henriette Mielke

Leon Gurvitch selbst gehört seit vielen Jahren zu den festen Größen der Hamburger Kulturszene. Geboren wurde er in Minsk. Dort studierte er Oboe, Dirigat und klassisches Klavier an der Musikhochschule seiner Heimatstadt. Schon mit 19 Jahren gründete er seine erste Jazzband. Zwischen 1993 und 2000 arbeitete er am Russischen Dramentheater in Minsk. 1999 gehörte er zu den Mitgründern des Minsker Jazz-Orchesters.

Seit 2001 lebt Gurvitch in Hamburg. Hier entwickelte er seinen ganz eigenen Stil zwischen Klassik, Jazz und Klezmer (instrumentale jüdische Festmusik). Bereits 2000 gründete er das Leon Gurvitch Jazz-Projekt. Damit brachte er traditionelle Klezmermusik in moderne Jazzarrangements ein und ging international auf Tournee. Auch auf der renommierten Musikmesse Jazzahead war er vertreten.

Von 2004 bis 2006 leitete Gurvitch die Hamburger Big Band The Openers. Parallel dazu begann seine Lehrtätigkeit am Hamburger Johannes-Brahms-Konservatorium. Seit 2007 dirigiert er dort auch das Orchester. Immer wieder bewegt er sich zwischen verschiedenen musikalischen Welten. 2011 dirigierte er die Uraufführung der Tanzoper „Les Enfants Terribles“ von Philip Glass.

Auch als Komponist hat sich Gurvitch international einen Namen gemacht. Seine „Sonata für Oboe & Klavier“ wurde unter anderem beim Oboe Festival Paris aufgeführt. Sein Werk „5 Dances in Old Style“ für Streichorchester erklang unter der Leitung von Anna Skryleva sogar im Deutschen Bundesrat. Junge Musiker aus Deutschland, Russland und der Ukraine standen damals gemeinsam auf der Bühne. Ein Gedanke, der sich nun auch in „5 Seasons“ fortsetzt.

Wer Leon Gurvitch in Hamburg begegnet, erlebt keinen abgehobenen Künstlerstar. Gemeinsam mit seiner Frau Irina gehört er für viele Menschen in der HafenCity längst zum vertrauten Bild. Das Paar zeigt sich regelmäßig bei kulturellen Veranstaltungen und gilt auch als gern gesehener Gast beim Neujahrsempfang der Werbegemeinschaft Überseeboulevard.

Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke dieses Projekts. „5 Seasons“ wirkt nicht wie ein fernes Kunstereignis, sondern wie ein Abend aus der Mitte der Stadt heraus. Menschen mit unterschiedlichen Biografien arbeiten gemeinsam an einem Zeichen für Frieden. Ukrainische Tänzer:innen stehen mit deutschen Musikern auf einer Bühne. Kunst wird hier zur gemeinsamen Sprache.

Die Weltpremiere am 6. Juni 2026 findet um 16 Uhr und um 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie statt. Schon jetzt gilt das Interesse als groß. Denn das Publikum erwartet nicht nur ein neues Ballett. Es erwartet ein Abend, der zeigen will, dass Musik und Tanz selbst in schwierigen Zeiten verbinden können. Jimmy Blum

Info Die Weltpremiere von „5 Seasons“ mit dem Pianisten Leon ­Gurvitch und seinem Ensemble sowie dem Hamburger Kammerballett findet am 6. Juni jeweils um 16 und um 20 Uhr im Großen Saal der Elbphilharmonie statt. elbphilharmonie.de

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