»Attraktiven Wohnraum direkt am Lohsepark realisieren!«

Exklusiv-Gespräch. Wir haben mit Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, darüber gesprochen, warum Grundstücke der HafenCity schwer zu vermarkten sind, wann für ihn der Stadtteil fertig sein wird und warum er das extreme Spinning schätzt 

Nö, eine Rolle als Anwalt der Bürger:innen, als eine Art Bürgermeister der HafenCity, hatte er nicht in der Lebensplanung: Dr. ­Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH (HCH), hält es für wichtig, trotz anderer Wünsche von Anwohnenden, nicht nur auf die grüne Stadt zu setzen, sondern „an Orten in der Stadt zu verdichten, an denen man zentral gelegenes bezahlbares Wohnen und gut angebundene Arbeitsplätze schaffen kann, statt mit der notwendigen Entwicklung weiter in die Fläche zu gehen“. Das betrifft die HafenCity, zum Beispiel mit der heutigen temporären Fläche der Schulcontainer im Lohsepark, aber auch in anderen Verantwortungsbereichen der HCH wie dem Grasbrook, dem Billebogen oder der Science City Bahrenfeld. Im exklusiven Gespräch mit der HafenCity Zeitung erläutert Kleinau seine Gedanken zur fertig gebauten HafenCity, zum urbanen Leben – und zur persönlichen Fitness und einem gesunden Wellbeing.
Foto oben: HafenCity-Chef Andreas Kleinau zum Wunsch der Anwohner für eine unbebaute Grünfläche auf der Fläche der temporären Schulcontainer im Lohsepark: „Demgegenüber steht jedoch der beschlossene und rechtskräftige Bebauungsplan.“ © Catrin-Anja Eichinger

Herr Kleinau, bei der Grundsteinlegung für die neue Schule Campus HafenCity im Lohsepark wirkten Sie sichtlich gelöst und optimistisch. Ist diese gute Stimmung in Zeiten, in denen die Baubranche allgemein wenige Anlässe zum Lachen hat, ein bewusstes Signal? Andreas Kleinau: Grundsätzlich versuche ich stets, eine positive Grundhaltung zu bewahren. Der feierliche Akt der Grundsteinlegung war jedoch ein wahrhaftiger Anlass zur Freude, da diesem Moment eine langjährige, intensive Vorgeschichte vorausging. 2017 startete der städtebauliche Wettbewerb, dem 2022 der Architekturwettbewerb folgte. Über einen langen Zeitraum mussten die Schülerinnen und Schüler in provisorischen Containerbauten unterrichtet werden. Als Vater wünsche ich mir für heranwachsende Generationen dauerhafte, inspirierende Lernorte. Der sichtbare Baufortschritt ist ein Signal, dass dieses Provisorium bald ein Ende findet. 

Visualisierung des Schulneubaus Campus HafenCity im Lohsepark, deren Tiefbau 2026 begonnen hat.
Die aktuellen Schüler:innen werden temporär bis zum Bezug der neuen Schule in den Schulcontainern im Norden des Lohseparks unterrichtet. © haas cook zemmrich Studio2050

Die Dimensionen sind beachtlich. Die Schulgemeinschaft wird voraussichtlich rund 1.600 Jugendliche umfassen. Hamburg spendiert dem Stadtteil hier ein außergewöhnliches Projekt? Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Investition absolut notwendig und unverzichtbar ist. Das Konzept der Campusschule, das Zusammenführen von Kindern aus unterschiedlichen Stadtteilen und sozialen Milieus unter einem Dach, garantiert Bildungsgerechtigkeit. Modernste pädagogische Ansätze verlangen nach flexiblen Räumlichkeiten. Wir transformieren uns unaufhaltsam in eine Wissensgesellschaft. Vor diesem Hintergrund ist jeder Euro in Bildung eine direkte Investition in unsere Zukunft. Ein Kernaspekt des Entwurfs ist zudem die bewusste Öffnung der Schule Campus HafenCity zum Quartier hin. Die Schule soll nachmittags und abends den Bewohnerinnen und Bewohnern Raum für sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten bieten. 

Dieses Konzept wird von der bestehenden Schul­gemeinschaft in den temporären Containerräumen bereits aktiv gelebt? Das kann ich vollkommen bestätigen. Die Vorfreude auf den finalen Bezug des Neubaus ist, soweit ich weiß, riesig, und die Schulgemeinschaft leistet schon heute einen unschätzbaren Beitrag für das soziale Gefüge in der HafenCity. 

Schauen wir auf die wirtschaftlichen Realitäten. Im Baakenhafen und im Elbbrückenquartier existieren derzeit elf freie, bislang nicht vermarktete Baufelder. Wie stellt sich die Stimmung unter potenziellen Investoren dar? Bei der Analyse dieser Flächen müssen wir differenziert vorgehen. Den gravierendsten Wandel erleben wir zweifellos im Segment der reinen Büroimmobilien. Die Bereitschaft, in diesem Bereich ins Risiko zu gehen, ist spürbar gesunken. Entwickler scheitern oft auch an der restriktiven Haltung der finanzierenden Banken. Die HafenCity Hamburg GmbH hat glücklicherweise historisch selten spekulative Büroflächen ohne konkreten Nutzerbezug vergeben. Unser Fokus lag stets auf dem Dialog mit Endnutzern, die ein maßgeschneidertes Objekt realisieren, wie aktuell zum Beispiel bei der Ansiedlung der Reederei MSC an der Stockme­yerstraße. 

Doch der Büroimmobilienmarkt ist in der Krise. Wir spüren die allgemeine Verunsicherung. Das mobile Arbeiten, zumindest für einen Teil der Arbeitszeit, ist zu einem dauerhaften Standard gereift, was Unternehmen dazu zwingt, ihre Flächenkonzepte grundlegend zu überdenken. Hinzu kommen fundamentale makroökonomische Fragen und globale Krisen … 

… wie die Kriege in der Ukraine und im Iran …  … die unmittelbare Auswirkungen auf die Rohstoff- und Energiepreise und somit direkt auf die Bauindustrie haben. Ein dritter Faktor ist der Einzug der künstlichen Intelligenz, der den zukünftigen Flächenbedarf absehbar deutlich beeinflusst. In diesem Umfeld zögern viele Akteure, sich langfristig an Mietverträge zu binden. Wenn überhaupt Büroflächen nachgefragt werden, dann konzentriert sich dies vor allem auf Premiumlagen wie die HafenCity. 

Ein namhafter Projektentwickler aus der HafenCity sagte jüngst: Er baue vorerst gar nicht mehr. Und Büroflächen realisiere er höchstens dann, wenn eine Vorvermietung über mindestens 20 Jahre ohne jegliche Restrisiken vorliege. Nicht wirklich ermutigend, oder? Selbst bei einer theoretischen Vorvermietung über zwei Jahrzehnte verbleiben Restrisiken. Denken Sie an das Beispiel von Gruner + Jahr, die an den Lohsepark in der HafenCity ziehen wollten, was dann nicht stattfand. Trotz dieser Momentaufnahme zur Nachfrage für Büroflächen halte ich das Büro als Arbeitsort übrigens keineswegs für obsolet. Es wird eine Phase der Konsolidierung geben, und die Transformation einer gesamten Branche lässt sich schwer antizipieren. Dieser Prozess benötigt Zeit. In einem solchen Markt entscheidet schlussendlich die kompromisslose Standortqualität – und genau in diesem Punkt sehe ich die HafenCity langfristig hervorragend positioniert. 

Der Projektentwickler fügte an, dass der Wohnungsbau für ihn für eine lange Zeit kein Thema mehr sei, bis sich der Markt fundamental erholt habe. Wie beruhigen Sie angesichts solcher Marktzurückhaltung morgens Ihre Nerven? Der von Ihnen zitierte Entwickler bezog sich mit seiner Aussage mutmaßlich auf den frei finanzierten, hochpreisigen Eigentumswohnungsbau. 

Ja. Im Bereich der Eigentumswohnungen verzeichnen wir seit 2023 eine spürbare Kaufzurückhaltung. Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich hingegen im klassischen Mietwohnungsbau sowie im geförderten, sozialen Wohnungsbau. In diesen Segmenten verzeichnen wir eine anhaltend robuste Nachfrage. Ein aktuelles Beispiel ist unsere Ausschreibung für das Baufeld 62. Die dort aktuell eingegangenen Gebote haben unsere ursprünglichen Erwartungen deutlich übertroffen. 

Andreas Kleinau, Bauherr des „Nullemissionshauses“: „Die Fertigstellung des Gebäudes
wird im Laufe des Jahres 2027 erfolgen. Wir werden einen definierten Teil beziehen und die verbleibenden
Büroflächen am Immobilienmarkt platzieren.“ © Heinle Wischer und Partner

Um welches Areal handelt es sich beim Baufeld 62? Das ist das prominente Grundstück westlich des Breuninger-Hauses im Westfield Hamburg-Überseequartier sowie des Cruise Center HafenCity. Dieses Beispiel belegt, dass man den Wohnungsbau immer differenziert betrachten muss. Neben den klassischen Projektentwicklern existieren am Markt solide Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und soziale Investoren, deren Geschäftsmodelle weniger stark von kurzfristigen Marktzyklen abhängen. 

Die temporären Leerstände und unbebauten Freiflächen bereiten Ihnen demnach keine schlaflosen Nächte? Wir betrachten die Verzögerungen mit der gebotenen Ernsthaftigkeit. Unser Ziel bleibt es, die entsprechenden Einnahmen durch Grundstücksverkäufe zeitnah zu realisieren. Aus diesem Grund haben wir die Vergabe von Grundstücken gezielt wieder hochgefahren. Der Erfolg bei Baufeld 62 bestärkt uns darin, weitere Flächen an den Markt zu bringen, wobei der Fokus klar auf dem Wohnungsbau liegen wird. Die HafenCity basiert auf dem bewährten Drittelmix, und im Mietwohnungsbau sowie im geförderten Segment sehen wir weiterhin großes Potenzial. Zugleich prüfen wir bei einigen verbleibenden Flächen intensiv, ob wir den Nutzungsmix anpassen können, indem wir den Wohnungsanteil erhöhen. Die Attraktivität des Standorts HafenCity bleibt ungebrochen. 

Ursprünglich war auf dem Baufeld 119 an der Versmannstraße direkt am U-/S-Bahnhof Elbbrücken ein großes Kongresshotel durch den Hamburger Projektentwickler ECE geplant. Der sah am Kongress- und Tagungshotelmarkt dafür keine Chance mehr und löste die Anhandgabe zusammen mit der HCH wieder auf. Was ist der aktuelle Sachstand beim Baufeld 119? Wir haben der ECE-Gruppe Zeit eingeräumt, um das Vorhaben unter den veränderten Marktbedingungen zu überprüfen, da das Unternehmen dort bereits erhebliche eigene Ressourcen investiert hatte. Aus städtischer Sicht ist der strukturelle Bedarf für ein leistungsfähiges Kongresshotel in Hamburg nach wie vor gegeben. Die Herausforderung besteht darin, in der aktuellen Marktphase einen Investor und Betreiber zu finden, der bereit ist, dieses erhebliche Investitionsvolumen zu stemmen. Wir führen dazu vertrauliche Hintergrundgespräche. Von einem kurzfristigen Durchbruch zu sprechen, wäre verfehlt. 

Also zähe Geduld? Ohne Frage. Aufgrund der Lage des Grundstücks an einer Kurve, sozusagen fast schon eingezwängt durch die U-Bahn-Trasse und den Güterverkehr, ist eine klassische Wohnbebauung an dieser Stelle aus Schallschutzgründen nahezu ausgeschlossen. Gesetzliche Vorgaben verlangen, dass Wohn- und Schlafräume zwingend zu einer schallabgewandten Seite orientiert sein müssen. Das schränkt die planerische Freiheit massiv ein. Dennoch analysieren wir solche Fragestellungen derzeit bei mehreren Grundstücken, um festzustellen, wo städtebauliche Anpassungen möglich sind, um mehr Wohnungen anbieten zu können. Dafür existiert jedoch keine Blaupause, die man einfach kopieren könnte. Wir müssen maßgeschneiderte individuelle Lösungen für einzelne Baufelder entwickeln. 

Ein Thema sind auch Grundstücke, die seit Jahren anhand gegeben sind, auf denen jedoch kein Bagger rollt – wie zum Beispiel bei den geplanten drei Wasserhäusern im Baakenhafen. Ein Bauherr hat die Baugenehmigung, startet aber nicht, weil er abwarten will, bis das Bauen wieder preiswerter wird und die Banken bessere Konditionen ermöglichen. Kann die HCH da nicht eingreifen? Jedes dieser Unternehmen hat bereits signifikante Beträge in die Planung investiert. Ich kann Ihnen versichern: Niemand investiert solche Summen ohne die feste Absicht, das Projekt am Ende auch zu realisieren. Zeitverzögerungen kosten die Unternehmen viel Geld. Ich kann und werde einen Partner nicht juristisch zum Bauen zwingen. Das Instrument der Anhandgabe ist eine gegenseitige Absichtserklärung. Wenn potenzielle Bauherren fundierte Gründe für Verzögerungen anführen, prüfen wir diese Anträge wohlwollend. Was wir konsequent unterbinden, ist jegliche Form der Grundstücksspekulation. Bei den Akteuren der Wasserhäuser sprechen wir über hochsolide Unternehmen, daher ist hier eine gewisse hanseatische Geduld angebracht. 

Warum baut das Hauptzollamt an der Ecke Shanghaiallee und Koreastraße nicht das lange geplante Gebäude inklusive des vom Quartier lang ersehnten Cafés zum Lohsepark hin? Die feste Bauabsicht steht außer Frage. Im vergangenen Jahr wurde ein Architekturwettbewerb ausgelobt und ein Siegerentwurf gekürt. Der Baubeginn war stets für Anfang 2028 vorgesehen. Ein strittiger Punkt im Vorfeld war die Logistik: Der Bund als Bauherr präferierte eine Tiefgaragenzufahrt parallel zum Lohsepark. Da es sich dort jedoch um eine Fahrradstraße handelt, haben wir diese Planung im Sinne der Aufenthaltsqualität abgelehnt und uns durchgesetzt. Das Gebäude wird sich mit einem öffentlichen Bereich und Gastronomie zum Park hin öffnen. 

Für die ehemaligen Vorhalteflächen für den Bau des Westfield Hamburg-Überseequartiers, die Baufelder 48 und 51, suchen Sie noch nach Nutzungen. Welche Marktchancen sehen Sie dort? Wir betrachten die Baufelder 48 and 51 als zwei völlig voneinander unabhängige Projekte. Das Baufeld 48 ist ein kleineres Grundstück, das die Blockrandbebauung schließt. Hier liegt ein Mischgebiet vor, welches eine Kombination aus Wohnen und Gewerbe erlaubt. Wir verzeichnen eine interessante Nachfrage von kleineren, inhabergeführten Unternehmen. Das Baufeld 51 hingegen ist mit rund 30.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche ein echtes Schwergewicht. Unser städtebauliches Ziel ist auch hier, eine lebendige, gemischte Nutzung aus einem Hotel, Wohnflächen und Gewerbeeinheiten. Da es sich um ein wertvolles Grundstück handelt, wägen wir den optimalen Zeitpunkt für den Markteintritt sehr sorgfältig ab. 

Ein zeitnaher Verkauf zu heutigen Marktpreisen kommt für Sie also nicht infrage? Das kommt immer auf den Preis an, den man letztlich verhandelt. Bei den Baufeldern 48 und 51 sprechen wir über die finalen Schlusssteine des zentralen Quartiers in der HafenCity. Diese setzen wir mit Bedacht und zu optimalen Bedingungen. Das sind wir nicht zuletzt den Hamburger Steuerzahlenden schuldig. 

Einige Anwohnende des Lohseparks und der Nachbarschaftsverein Netzwerk HafenCity e. V. äußern den Wunsch, die Fläche der aktuell temporären Campusschule nach dem Rückbau der Container als eine wilde, selbstverwaltete öffentliche Grünfläche zu erhalten. Wie sehen Sie das? Es ist psychologisch vollkommen nachvollziehbar, dass sich
Menschen eine unbebaute Freifläche vor ihrer Haustür wünschen. Demgegenüber steht jedoch der im üblichen demokratischen Verfahren beschlossene und rechtskräftige Bebauungsplan. Diesen Plan setzen wir konsequent um. Als Geschäftsführer bin ich den Steuerzahlenden gegenüber zu wirtschaftlichem Handeln verpflichtet. Die Stadt investiert große Summen in die Infrastruktur der HafenCity. Diese Aufwendungen müssen an anderer Stelle durch die Verwertung von Baufeldern refinanziert werden. Die bauliche Fassung des Lohseparks ist zudem für das städtebauliche Gesamtgefüge essenziell. Auf den zwei Baufeldern überprüfen wir auch, wie wir unter Berücksichtigung des planrechtlichen Rahmens attraktiven Wohnraum direkt am Park realisieren können. 

Wann wird die HafenCity eigentlich offiziell fertiggestellt sein? Man könnte philosophisch kontern: Ist die HafenCity nicht in weiten Teilen heute schon fertig? Das Vorhandensein unbewirtschafteter Flächen nimmt einem Quartier nicht zwangsläufig seine Urbanität. Und um die Erwartungen der Leserschaft realistisch zu bedienen: Die Fertigstellung der Baaken­allee und der finalen Straßenabschnitte in der östlichen HafenCity … 

… in dem Baakenhafen- und Elbbrückenquartier … … ist eine Grundvoraussetzung, um von einem Abschluss der HafenCity zu sprechen. Mein Ziel ist es, dass wir diesen Zustand in den mittleren 2030er-Jahren erreichen – einschließlich der Realisierung von zusätzlichem bezahlbaren Wohnraum unter den finalen Bausteinen. 

Eine Klimastudie der Umweltbehörde BUKEA belegt, dass Hamburg vor spürbaren Hitzeproblemen steht. Fließen diese Erkenntnisse in künftige Planungen ein? Ich halte es grundsätzlich weiter für richtig, an Orten in der Stadt zu verdichten, an denen man zentral gelegenes bezahlbares Wohnen und gut angebundene Arbeitsplätze schaffen kann, statt mit der notwendigen Entwicklung weiter in die Fläche zu gehen. Aber dafür müssen wir natürlich vorausschauend planen. Nehmen Sie den Grasbrook: Dort planen wir eine konsequente blau-grüne Infrastruktur. Neben dem Phänomen der mikroklimatischen Erhitzung widmen wir uns intensiv dem Management von Starkregenereignissen. Wie lässt sich Regenwasser im Quartier zwischenspeichern und kontrolliert verdunsten, um die Vegetation zu versorgen? Wir verfolgen eine stringente Strategie zur vertikalen Gebäudebegrünung. Eine bestehende Struktur wie die HafenCity, deren Entwicklung inzwischen 25 Jahre dauert, lässt sich rückwirkend nicht so grundlegend verändern. Was wir jedoch intensiv tun, sind komplexe Computersimulationen von Luftströmen. Diese klimatischen Parameter fließen direkt in Wettbewerbsanforderungen sowie in die Planung der Hochbauten ein. 

Seit rund zwei Jahren existiert der Verein Quartiersmanagement HafenCity e. V. Wie fällt Ihr erstes Resümee zu dessen Arbeit aus? Die entscheidende Messgröße ist die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner, für die dieses Konzept ins Leben gerufen wurde. Im Rückblick muss man einräumen, dass wir dieses Quartiersmanagement gerne noch früher an den Start hätten bringen können. Meine Wahrnehmung ist, dass die Menschen, die die Angebote aktiv nutzen, von der Arbeit begeistert sind. Gleichzeitig erfasst er die Bedarfe und Entwicklungen im Quartier systematisch, um seine Angebote passgenau weiterzuentwickeln. 

Andreas Kleinau, Bauherr des Gemeinschaftshauses im Baakenpark: „Die Eröffnung
ist definitiv für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Mein Versprechen steht: Wir werden noch vor dem
Einbruch des Winters gemeinsam vor Ort einen Glühwein trinken.“ © Catrin-Anja Eichinger

Die Stimmung im Quartiersmanagement wäre wohl noch besser, wenn das rote Gemeinschaftshaus im Baakenpark endlich offen wäre. Wann wird eröffnet, und wo landen die finalen Kosten? Dieses Vorhaben hat uns in der Tat ein Höchstmaß an Durchhaltevermögen abverlangt. Wir hatten bei diesem kleinen Gebäude eine beispiellose Kettung von unglücklichen Umständen und Insolvenzen der beauftragten Bauunternehmen zu verkraften. Da das Sondervermögen Stadt und Hafen der Stadt Hamburg hier als Bauherr fungiert, unterliegen wir vollumfänglich dem strengen öffentlichen Vergaberecht. Wir müssen bei der Insolvenz eines Auftragnehmers das rechtlich vorgeschriebene Verfahren exakt einhalten und Leistungen aufwendig neu ausschreiben. Wir erlebten Phasen, in denen wir auf ordnungsgemäße Ausschreibungen schlicht kein einziges Angebot aus dem Markt erhielten, weil die Kapazitäten der Firmen erschöpft waren. 

Und die Kosten? Ich halte mich an die ­Maxime, vor dem finalen Projektabschluss keine ungesicherten Zahlen zu kommentieren. Die Eröffnung ist definitiv für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Mein Versprechen steht: Wir werden noch vor dem Einbruch des Winters gemeinsam vor Ort einen Glühwein trinken. 

Das Thema Nachhaltigkeit führt uns direkt zum „Nullemissionshaus“ der HCH. Wie sieht der Fahrplan für dieses ambitionierte Projekt aus, und wie stellt sich die Kostensituation dar? Auch dieses Projekt weist eine anspruchsvolle Historie auf. Wir sahen uns gezwungen, die ursprüngliche Ausschreibung für das zentrale Holzbaugewerk aufzuheben und komplett neu aufzusetzen. In der jetzigen Phase arbeiten wir mit einem besonders leistungsfähigen, spezialisierten Holzbauunternehmen zusammen. Es handelt sich um eine innovative Modulholzbauweise, bei der wesentliche Teile des Gebäudes mit höchster Präzision im Werk vorgefertigt wurden. Das Bürogebäude wird über den gesamten Lebenszyklus, von der Errichtung über den Betrieb bis zu Rückbau und Entsorgung, in der Bilanz CO₂-neutral sein. Zudem ist das kreislauffähige Bauen konzeptionell angelegt. Mit diesem ambitionierten Nachhaltigkeitskonzept nimmt das Gebäude europaweit eine Vorreiterrolle ein. Bei der Vergabe der technischen Gebäudeausrüstung erlebten wir eine positive Überraschung: Der überhitzte Baumarkt beruhigt sich spürbar, sodass die Angebote unter unseren Kostenschätzungen lagen. Die Fertigstellung des Gebäudes wird im Laufe des Jahres 2027 erfolgen. Wir werden einen definierten Teil beziehen und die verbleibenden Büroflächen am Immobilienmarkt platzieren. 

Wird sich der Vorteil, dass eine städtische Tochtergesellschaft als Vermieterin auftritt, in günstigen Konditionen für künftige Mieter widerspiegeln? Nein, keineswegs. Wir werden die marktüblichen Konditionen realisieren. Es ist nicht unsere Aufgabe, in Konkurrenz zu unseren privaten Bauherren im Stadtteil zu treten, indem wir künstliche Dumpingpreise offerieren. Unser Wettbewerbsvorteil definiert sich ausschließlich über die herausragende, zukunftsweisende Qualität des Objekts. Ich bin bezüglich der Nachfrage sehr zuversichtlich und frage mich sogar, was wir machen, wenn wir alle Flächen zu guten Preisen vermieten könnten … 

Ein mythischer Ort der Kommunikation war über viele Jahre das Infocenter der HCH im historischen Kesselhaus. Dieses Kapitel haben Sie vor Kurzem beendet und sind in neue Räumlichkeiten an der Baakenallee gezogen. Was verbirgt sich hinter dem neuen Namen „Hafen. City. Horizonte“? Im alltäglichen Sprachgebrauch nennen wir den Ort schlicht  „Horizonte“. Die Transformation vom klassischen Infocenter ist ein logischer und notwendiger Schritt. Das Kesselhaus war über Jahre hinweg ein fantastischer Ort, um den Menschen anhand des analogen Stadtmodells das Entstehen der HafenCity zu veranschaulichen. Dieser Ansatz stieß jedoch an seine natürlichen Grenzen. Der Fokus verschiebt sich unaufhaltsam in Richtung der östlichen HafenCity, zum Grasbrook und dem Billebogen, während die westliche und zentrale HafenCity weitgehend abgeschlossen sind. Wir benötigen einen lebendigen Ort, der räumlich und konzeptionell näher an den aktuellen Entwicklungsgebieten liegt.  Das Infocenter im Kesselhaus drohte zu einem rein touristischen Anlaufpunkt zu geraten. Im „Horizonte“ setzen wir auf eine völlig neue, hybride Form der Informationsvermittlung: eine Symbiose aus einem physischen Holzmodell und einer hochmodernen, digitalen Datenaufbereitung. Ein angenehmer Nebeneffekt für den Kaufmann in mir: Das Kesselhaus war dauerhaft angemietet, die neuen Flächen in der Grundschule am Baakenhafen sind in unserem Eigentum. 

Apropos Nachbarn: Wann starten, von der HafenCity aus gesehen, gegenüber auf dem Grasbrook die Baumaßnahmen? Der spektakuläre Brückenbau für die U-Bahn über den Moldauhafen soll bereits im Jahr 2027 beginnen? Ja, die technischen Planungen für dieses Brückenbauwerk laufen auf Hochtouren. Im Jahr 2031 wird die neue U-Bahn-Linie offiziell die Haltestelle Moldauhafen ansteuern. Wir erwarten die sogenannte Vorweggenehmigungsreife für den Bebauungsplan dieses Quartiers bereits im zweiten Halbjahr 2026. Das ist ein entscheidender Schritt, da ab diesem Zeitpunkt rein rechtlich konkrete Bauanträge eingereicht und positiv beschieden werden können. Wir bereiten die gezielte Ansprache der Marktteilnehmer im Hintergrund akribisch vor und werden unmittelbar nach Erreichen der Genehmigungsreife an den Markt gehen. Die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner erwartet dort ein einzigartiges Panorama auf den Hamburger Elbstrom. Wir realisieren einen sechs Hektar großen zentralen Park in einem konsequent auf attraktiven Fuß- und Radverkehr ausgerichteten Stadtteil, der über eine exzellente Nahversorgung verfügen wird. Hinzu kommen kulturelle Highlights wie das geplante Deutsche HafenMuseum. Der Grasbrook wird ein absolut lebenswerter Ort. 

Wird dort unter dem viel diskutierten Begriff des „Bauturbos“ gearbeitet, der das bewusste Absenken bestimmter baulicher Standards bedeutet? Der Begriff „Bauturbo“ zielt primär auf die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren durch die Kommunen ab. Unter dem Begriff „Hamburg-Standard“ arbeiten Politik, Verwaltung und Bauwirtschaft derzeit intensiv daran, bestehende Standards kritisch zu hinterfragen. Ein wichtiges Stichwort ist hierbei der „Gebäudetyp E“, der innovatives, experimentelles Bauen abseits starrer Normen rechtlich absichern soll. Diese Entwicklung müssen wir konsequent mit den Methoden des modularen und seriellen Bauens verknüpfen. Es wäre ein Fehler, wirtschaftliche Effizienz und architektonische Qualität als unvereinbare Gegensätze zu betrachten. Wir halten als HCH an den erfolgreichen Qualitätskriterien in der HafenCity fest. 

Wenn Sie auf das Westfield Hamburg-Überseequartier blicken, das seit April 2025 geöffnet ist: Wie fällt Ihre Bilanz aus? Mein primäres Gefühl ist Erleichterung über die erfolgreiche Eröffnung. Mein Dank gilt insbesondere den französischen Investoren von Unibail-Rodamco-Westfield, die dieses Projekt trotz aller globalen Verwerfungen konsequent durchgezogen haben. 

Statt geplanter Investitionen von einer Milliarde Euro sind es am Ende rund 2,3 Milliarden geworden. Man darf sich nicht ausmalen, welche gravierenden Folgen es für die gesamte Stadt gehabt hätte, wenn ein internationaler Großinvestor mitten in der Krise das Interesse verloren hätte. Die Rückmeldungen aus der Händlerschaft spiegeln eine überwiegend positive Bilanz des ersten Betriebsjahres wider. Ein Wermutstropfen bleibt die Tatsache, dass die integrierten Hotels der Accor-Gruppe nach wie vor nicht eröffnet sind. 

Für Außenstehende ist diese Verzögerung schwer nachvollziehbar. Viele Händler im Quartier sind verärgert, weil ihnen die Gäste von rund 830 Hotelzimmern der drei Häuser fehlen. Wie erklären Sie sich diesen Stillstand? Aus rein ökonomischer Perspektive betrachtet existiert kein vernünftiger Grund, warum beide Vertragsparteien das Projekt nicht mit höchster Priorität an den Start bringen sollten. Wir als HCH haben keinerlei Einblick in die internen, vertraglichen Absprachen. Daher betrachten wir die Situation mit derselben Verwunderung von außen. Eine zeitnahe Eröffnung wäre für das gesamte Quartier von großer Bedeutung. 

Die derzeit 92 geplanten Kreuzfahrtschiff-Anläufe am Cruise Center HafenCity im Jahr 2026 sind oftmals Umsteigeanläufe mit Ein- und Ausschiffen der Gäste. Gerade die wären potenzielle Nutzer des Hotelangebots. Was wir unabhängig von den Hotels verzeichnen, ist eine enorme Nachfrage nach dem neuen Terminal in der Kreuzfahrtbranche. Die Buchung von Liegeplätzen für die kommenden Jahre ist bereits heute sehr hoch. Allerdings erleben wir auch im Kreuzfahrtsegment einen strukturellen Wandel: Hamburg wird von vielen Reedereien zunehmend als klassischer Transithafen angelaufen, bei dem die Passagiere für einen Tagesausflug von Bord gehen. Ein zentrales Thema, das uns intensiv beschäftigt, ist die Nutzung der Landstromtechnologie. Wer unsere Stadt anläuft, muss diese umweltfreundliche Technologie aktiv nutzen. Ich erwarte, dass wir langfristig Schiffen, die sich dieser Technologie verweigern, die Anlaufgenehmigung schlichtweg verweigern – aber das hat nicht der Geschäftsführer der HCH zu entscheiden. 

Hat sich die Eröffnung des Westfield-Centers spürbar auf bestehende Handels- und Infrastruktur auf dem älteren nördlichen Überseeboulevard ausgewirkt? Definitiv ja. Besonders spannend ist die Beobachtung, dass wir im direkten Umfeld zahlreiche Neugründungen verzeichnen, die bewusst auf den umliegenden Flächen entstehen. Insgesamt bewährte sich der Impuls für den gesamten Stadtteil als positiv. Ich sehe ja selbst die enormen Fußgängerströme, die sich von der Binnenalster über die Domachse direkt in das Überseequartier bewegen. 

Wird sich die von der Politik artikulierte Vision einer „Neuen Mitte Hamburgs“, das Zusammenwachsen der historischen Innenstadt mit der modernen HafenCity, einlösen? Das hoffe ich sehr, und die gesamte strategische Stadtplanung ist konsequent auf dieses Ziel ausgerichtet. Die gezielte Aufwertung des Domplatzes und die Attraktivierung der gesamten Domachse sind wesentliche Bausteine dieses Prozesses. Die moderne Definition der Hamburger Innenstadt umfasst die Altstadt, die Neustadt und die HafenCity. 

Wie gelingt es Ihnen als Geschäftsführer der HCH und angesichts von Krisen und der Gesamtverantwortung, nachts ruhig zu schlafen? Entscheidend ist die psychologische Fähigkeit, die beruflichen Probleme nach Feierabend nicht physisch mit nach Hause zu nehmen. Das ist eine Frage der mentalen Gesundheit. Wichtig ist auch, stets aktiv nach neuen Lösungsräumen zu suchen. Das heißt nicht, dass ich jede Nacht ungestört durchschlafe, aber ich begreife mich als Teil eines komplexen Gesamtsystems. Ein Soloerfolg existiert in der Stadtentwicklung nicht. Wir sind nur dann erfolgreich, wenn wir die gesamte Immobilienwirtschaft und die Stadtgesellschaft partnerschaftlich mitnehmen. 

Sie haben vor rund sechs Jahren die Perspektive gewechselt: Vom selbstständigen Unternehmensberater zum Topmanager eines städtischen Tochterunternehmens. Was war die größte Umstellung? Dieser Schritt ist mir überwiegend sehr gut bekommen. Die gravierendste Umstellung bestand in der Feststellung, mit welchen vielfältigen und teils mikrolokalen Fragestellungen die Menschen an mich herantreten. Plötzlich wird von mir erwartet, dass ich persönlich ordnend eingreife, wenn Motorradfahrer zu laut durch das Quartier rasen. Gewöhnungsbedürftig war anfänglich zudem der bisweilen sehr zugespitzte Umgang mit Großprojekten in der medialen Öffentlichkeit. Das Fazit steht jedoch felsenfest: Ich habe diesen Schritt nicht eine einzige Sekunde bereut. Diese Aufgabe bereitet mir unverändert große Freude. 

Ihr aktueller Vertrag läuft mindestens bis zum Jahr 2028? Ja, mein Vertrag läuft bis 2028. Mit der Führung dieses Unternehmens geht eine enorme Verantwortung für die bauliche Zukunft dieser Stadt einher. Dieser Verantwortung stelle ich mich mit vollem persönlichen Einsatz. 

Sie sind ein Segelfan. Wie bekommen Sie im Alltag den Kopf frei? Ich versuche konsequent, mich dreimal pro Woche beim intensiven Spinning – das ist Radfahren auf dem Indoor-Bike – an meine physischen Grenzen zu bringen. Bereits nach fünf Minuten auf dem Rad setzt ein bemerkenswerter Effekt ein: Das Gehirn schaltet sämtliche beruflichen Synapsen ab. Das System konzentriert sich. 

Welche Literatur liegt auf Ihrem Nachttisch? Derzeit liegt dort der Spionagethriller Slow Horses von Mick Herron – eine ausdrückliche Empfehlung meines Sohnes. Ich lese die deutsche Übersetzung und genieße dieses reine Unterhaltungsgenre sehr. Ich habe mir fest vorgenommen, wieder regelmäßiger abseits von Fachliteratur zu lesen. 

Würden Sie sich selbst als glücklichen Menschen bezeichnen? Ich antworte mit einem klaren Ja. Wenn ich mir klarmache, welche Möglichkeiten ich habe, schärft sich mein Bewusstsein für das Riesenglück, in einer großartigen Stadt wie Hamburg unter derart positiven Lebensumständen leben und arbeiten zu dürfen. Es gehört jedoch auch die Erkenntnis dazu, dass das Leben in Teilen immer die Züge einer Tragikomödie trägt. 
Das Gespräch führte Wolfgang Timpe

INFO Mehr Informationen unter: hafencity.de

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usiness. Raphael Adrian ­Herder ist Inhaber der Immobi­lienagentur Der HafenCity-Makler und schreibt über den Immobilienmarkt Inder HafenCity und