»Mein Taktstock ist meine Waffe«

Konzerte. Vom 15. bis 30. August präsentiert der »Elbphilharmonie Sommer« ein erfrischendes Programm mit großen Orchestern, Jazz, Pop und Weltmusik – von der Dirigentin Keri-Lynn Wilson über The Cinematic Orchestra bis zur Sopranistin Julia Lezhneva 

Bevor die Elbphilharmonie am 1. September ihre große Jubiläumssaison zum Zehnjährigen eröffnet, steht im Hamburger Konzerthaus auch in diesem Sommer wieder zwei Wochen lang ein vielfältiges und erfrischendes Programm mit großen Orchestern, Jazz, Pop und Weltmusik im Kalender. Mit dabei sind klassische Sinfonieorchester aus Montreal und Kansas City, dazu das furiose italienische Barock-Ensemble Il Giardino ­Armonico.Das ­Ukrainian Freedom Orchestra kommt zum dritten Mal in die Elbphilharmonie.
Foto oben: Keri-Lynn Wilson, kanadisch-ukrainische Dirigentin, kämpft seit 2022 für die Freiheit der Ukraine. © Olivia Kahler

Die nächste Generation von Spitzenmusiker:innen steht beim Gustav Mahler Jugendorchester und dem Bundesjugend­orchester in den Startlöchern. Eröffnet wird der »Elbphilharmonie Sommer« von Afropop-Star Fatoumata Diawara aus Mali, der legendäre brasilianische Komponist und Produzent Arthur Verocai kommt für sein einziges Deutschland-Konzert nach Hamburg. Die britische Band The Cinematic ­Orchestra verbindet atmosphärischen Jazz mit Electronica, die berühmte Fado-Sängerin Mariza widmet sich einen ganzen Abend lang der Liebe. Jazz gibt es vom französischen Akkordeon-Großmeister Richard Galliano und vom US-amerikanischen Gitarristen John ­Scofield. 

The Cinematic Orchestra. Die britische Band verbindet atmosphärischen Jazz mit Electronica. © B+

»Mein Taktstock ist meine Waffe«. Unter diesem Motto kämpft die kanadisch-ukrainische Dirigentin Keri-Lynn Wilson seit 2022 für die Freiheit der Ukraine. Das kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegründete Ukrainian Freedom Orchestra vereint die besten ukrainischen Musiker:innen aus Ensembles des Landes, Musiker:innen, die nach der Invasion ins Ausland geflohen sind, und ukrainische Mitglieder europäischer Orchester. Neben dem »Gloria in excelsis Deo« der ukrainischen Komponistin Bohdana Froljak stehen Gustav Mahlers »Rückert-Lieder« (Sopran: Julia Kleiter) und Ludwig van Beethovens Siebte Symphonie auf dem Programm.

Julia Lezhneva, Sopranistin, singt zu Antonio Vivaldis hochtheatralischer Opernmusik. © Ksenia Zasetskaya

Mit der Sopranistin Julia Lezhneva und den Originalklang-Spezialist:innen von Il Giardino Armonico lebt Antonio Vivaldis emotionale, hochtheatralische Opernmusik auf. Joseph Haydns »Arianna a Naxos« vertont sensibel die Gefühle der von ihrem Geliebten verlassenen Titelheldin – auch hier kann Julia Lezhneva ihre ganze Stimmgewalt entfalten. Das Orchestre symphonique de Montreal und sein venezolanischer Chefdirigent Rafael Payare präsentieren wunderbare Harmonien von Claude Debussys »L’isle joyeuse«, Richard Strauss’ sinfonische Dichtung »Ein Heldenleben« und das Cellokonzert »Dzonot« der mexikanischen Komponistin Gabriela Ortiz, das für die Solistin des Abends Alisa Weilerstein maßgeschneidert wurde. 

Alisa Weilerstein, Cellistin, tritt mit dem Orchestre ­symphonique de Montreal auf. © Marco Borggreve

Das Kansas City Symphony mit seinem Chefdirigenten ­Matthias Pintscher hat eines der beliebtesten Werke der US-amerikanischen Klassik im Gepäck: Aaron Coplands Ballettmusik »Appalachian Spring«. Mit dem Gustav Mahler Jugendorchester kommt das weltbeste Nachwuchsorchester mit Musik von Béla Bartók und Anton Bruckner nach Hamburg – am Pult steht der renommierte Dirigent Philippe Jordan. Auf dem Programm stehen Bartóks »Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta« und Anton Bruckners »romantische« Vierte Sinfonie, deren intensiver Klangrausch schon die zeitgenössischen Kritiker verblüffte. Das ­Bundesjugendorchester, das seit knapp 60 Jahren hochbegabte Nachwuchsmusiker:innen aus ganz Deutschland zusammenbringt und fördert, tritt mit dem charismatischen jungen Pianisten Giorgi Gigashvili und dem Dirigenten Aurel Dawidiuk auf. Zu hören sind Sergej Rachmaninows gewaltiges »Konzert für Elefanten«, das von allen großen Klavierkonzerten laut Berechnungen die meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart hat. 

Das Gustav Mahler Jugendorchester bringt Béla Bartók und Anton Bruckner
in die Elbphilharmonie. © Claudia Höhne

Das Bundesjugendorchester (BJO), das seit knapp 60 Jahren hochbegabte Nachwuchsmusiker:innen aus ganz Deutschland zusammenbringt und fördert, tritt mit dem charismatischen jungen Pianisten Giorgi Gigashvili und dem Dirigenten Aurel Dawidiuk auf. Zu hören sind Sergej Rachmaninows gewaltiges »Konzert für Elefanten«, das von allen großen Klavierkonzerten laut Berechnungen die meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart hat, »Another Step …« des georgischen Komponisten Giya Kanchelis ist eine spirituelle Reise, die auf den letzten Programmpunkt zusteuert: Modest Mussorgskys populäre »Bilder einer Ausstellung«.

Dirigent Aurel Dawidiuk präsentiert mit dem Bundesjugendorchester Sergej Rachmaninows
»Konzert für Elefanten«. © Irene Zandel

Fatoumata Diawaras Shows sind pure Energie. Die Sängerin, Songwriterin und Gitarristin aus Mali veröffentlicht 2026 ihr bislang persönlichstes Werk. »Massa« ist eine Hommage an ihren verstorbenen Vater und verbindet die Musik ihrer malischen Heimat mit Pop-Elementen. Zum Auftakt des Elbphilharmonie Sommers präsentiert sie in Kooperation mit dem Internationalen Sommerfestival ­Kampnagel einen einzigartigen Sound, der sowohl in der Tradition verwurzelt als auch zukunftsweisend ist. The Cinematic Orchestrahat auf vier Studioalben üppige, cineastische Klanglandschaften entworfen und damit über eine Milliarde Streams erreicht. HCZ

Matthias Pintscher, Chefdirigent der Kansas City Symphony, kommt mit
US-amerikanischer Klassik. © Frank Ferville

Sa, 15.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Fatoumata Diawara: Massa. Eine Kooperation von Elbphilharmonie und Internationales Sommerfestival Kampnagel. 

So, 16.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, The Cinematic Orchestra. Eine Kooperation von Elbphilharmonie und Internationales Sommerfestival Kampnagel.

Mi, 19.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Arthur Verocai & Nu Civilisation Orchestra. Eine ­Kooperation von Elbphilharmonie und Internationales Sommerfestival Kampnagel. 

Do, 20.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Ukrainian Freedom Orchestra / Julia Kleiter / Keri-Lynn Wilson. Frolyak: Gloria in excelsis Deo / Mahler: Rückert-Lieder / Beethoven: Sinfonie Nr. 7.

Fr, 21.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, John Scofield’s Long Days Quartet mit John Medeski, Vicente Archer & Ted Poor.

Sa, 22.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Mariza: Amor. 

So, 23.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Richard Galliano: New Viaggio. 

Mi, 26.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Il Giardino Armonico / Julia Lezhneva / Giovanni ­Antonini. Werke von Antonio Vivaldi und Joseph Haydn. 

Do, 27.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Gustav Mahler Jugendorchester / Philippe Jordan. Bartók: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta / Bruckner: Romantische Sinfonie. 

Fr, 28.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Orchestre Symphonique de Montreal / Alisa Weilerstein / Rafael Payare. Debussy: L’isle joyeuse / Ortiz: Dzonot / Strauss: Ein Heldenleben. 

Sa, 29.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Kansas City Symphony / Matthias Pintscher. Copland: Appalachian Spring / Tschaikowsky: Violinkonzert / Rachmaninow: Sinfonie Nr. 3. 

So, 30.8.2026, 20 Uhr, Elbphilharmonie, Großer Saal, Bundesjugendorchester / Giorgi Gigashvili / Aurel Dawidiuk. Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 / Kancheli: Another Step … / Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung.

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