»Wir kontrollieren jedes Kostüm!«

Musical. Vom 24. September bis 4. Oktober feiert »Disneys Der König der Löwen« im Stage Theater im Hafen sein 25-jähriges Jubiläum. Die HCZ wirft mit der Schneiderin und Modedesignerin Irene Abele einen Blick hinter die Kulissen. Eine Nahaufnahme

Als im Dezember 2001 im Stage Theater im Hafen zum ersten Mal der Vorhang für „Disneys Der König der Löwen“ aufging, sah Hamburg auf der anderen Seite der Elbe noch anders aus. Die HafenCity stand ganz am Anfang. Im April desselben Jahres war der erste Spatenstich erfolgt. Vieles, was heute selbstverständlich zum Stadtbild gehört, gab es noch nicht. Keine Elbphilharmonie. Keine fertigen Quartiere am Wasser. Keine U4 durch die HafenCity.
Foto oben: Irene Abele und 25 Jahre »König der Löwen«: „Der Löwe bleibt ihr Arbeitsplatz, die HafenCity wurde ihr Zuhause. Und beide sind mit ihr erwachsen geworden.“ © Stage Entertainment

Seitdem sind 25 Jahre vergangen. Die HafenCity ist gewachsen, der Löwe ist geblieben. Und mit ihm Irene Abele. Seit der Hamburger Anfangszeit arbeitet die gelernte Schneiderin und Modedesignerin beim „König der Löwen“. Sie kümmert sich um jene Kostüme, die Abend für Abend einen Teil der Magie auf der Bühne ausmachen. Für Abele ist das Theater längst mehr als ein Arbeitsplatz.

»Disneys König der Löwen«, Schattenland. © Dewynters Photography

„Seit 25 Jahren bin ich bei,Disneys Der König der Löwen‘. Es ist für mich wie ein zweites Zuhause“, sagt sie. Das Team sei über die Jahre fast zu einer Familie geworden. „Jeder kennt sich. Die Menschen sind nett miteinander. Das ist für mich der Unterschied.“ Abele kennt beide Seiten des Showgeschäfts. Früher stand sie selbst auf der Bühne. Sie war mit der Goombey Dance Band unterwegs, reiste auf Tourneen durch Deutschland und wechselte ständig Hotels und Spielorte. Doch sie hatte auch Modedesign studiert und eine Ausbildung als Schneiderin absolviert. Irgendwann zog es sie von der Bühne hinter die Kulissen.

Beim „König der Löwen“ traf beides zusammen. Mode und Theater, Handwerk und Show. Vor allem aber Menschen aus vielen Ländern. Genau das faszinierte sie. „Hier arbeiten Menschen von überall zusammen. Aus Südafrika, Kuba, Brasilien, England, Thailand, Deutschland oder China. Das ist wirklich multikulturell. Ich arbeite nun mal gerne mit Menschen zusammen.“ Diese Internationalität gehört bis heute zum Theater. Rund 220 Menschen arbeiten im Stage Theater im Hafen. Etwa 55 davon stehen auf der Bühne, weitere 20 spielen im Orchestergraben. 

Abele arbeitet dort, wo das Publikum normalerweise nicht hinsieht. Hinter den Kulissen entscheidet sich in wenigen Minuten, ob eine aufgeplatzte Naht, eine lose Perle oder ein beschädigtes Kostüm zum Problem wird. Denn die Kostüme sind nicht nur schön. Sie müssen enorme Belastungen aushalten. Mehr als 400 Kostüme wurden für die Hamburger Produktion in Handarbeit in 25 Ateliers in London gefertigt. Dazu kommen aufwendige Masken und Puppen. Tänzer springen und laufen in ihnen über die Bühne. Jedes Detail muss sitzen.

»Disneys König der Löwen«, Löwinnen. © Johan Persson

„Wir kontrollieren jedes Kostüm, bevor die Darsteller auf die Bühne gehen“, erzählt Abele. Besonders lose Perlen können gefährlich werden. Fällt eine auf den Boden, kann ein Tänzer darauf ausrutschen. Deshalb wird auch während der Vorstellung immer wieder geprüft. Manchmal bleiben nur wenige Minuten für eine Reparatur. Dann muss die Naht wieder halten, bevor der nächste Auftritt beginnt. „Dafür sind wir hinter der Bühne“, sagt Abele. Häufig passiere so etwas nicht. Doch wenn es passiert, muss jeder Handgriff sitzen.

Gerade diese Arbeit zeigt, wie viel Handwerk in der großen Illusion steckt. Das Publikum sieht Löwen, Giraffen, Vögel und Elefanten durch eine afrikanische Landschaft ziehen. Hinter dem Vorhang stehen Menschen wie Irene Abele mit Nadel, Faden und einem genauen Blick auf kleine Dinge. 

Die Kostüme faszinieren sie auch nach einem Vierteljahrhundert. Ein einziges Lieblingskostüm will sie deshalb nicht nennen. „Die sind alle sehr, sehr schön.“ Besonders wichtig seien die Materialien. Bei allen Kostümen werde Seide verwendet. Das sei gerade bei der körperlich anstrengenden Arbeit auf der Bühne wichtig. 

25 Jahre „Disneys Der König der Löwen“ bedeuten inzwischen mehr als 10.000 Vorstellungen. Mehr als 17 Millionen Menschen haben die Hamburger Produktion besucht. Das Musical gehört damit zu den großen touristischen und kulturellen Konstanten der Stadt. Die Fahrt mit dem gelben „König der Löwen“-Schiff von den Landungsbrücken zum Theater über die Elbe ans andere Hafenufer ist für die Besucher längst Teil des Musical-Abenteuers. Und während Simba Abend für Abend erwachsen wurde, wuchs gegenüber ein ganzer Stadtteil.

»Disneys König der Löwen«, Stage Theater im Hafen Hamburg. © Stage Entertainment

Als Abele ihre Arbeit beim Musical begann, war die HafenCity noch eine riesige Baustelle. Sie erinnert sich an die frühen Jahre und an Fahrten durch ein Gebiet, das mit dem heutigen Viertel kaum vergleichbar war. Damals entstand bei ihr ein Wunsch. „Ich habe gesagt, ich möchte hier einmal ein Atelier haben und hier wohnen. Der Weg zu ,Disneys Der König der Löwen‘ ist dann nur ungefähr zehn Minuten.“ Ihr Wunsch ging Jahre später in Erfüllung. Heute lebt und arbeitet Abele in der HafenCity neben dem Westfield-Center. Nach einer früheren Ladenfläche und den schwierigen Jahren während der Coronapandemie fand sie hier wieder einen Ort für ihr Atelier. Damit ist ihr Leben auf beiden Seiten der Elbe angekommen. Auf der einen Seite liegt das Theater mit dem Löwenkopf, auf der anderen ihr Zuhause.

Kaum eine Biografie erzählt deshalb die Entwicklung dieses Ortes so persönlich wie ihre. 2001 begann die bauliche Entwicklung der HafenCity. Im selben Jahr feierte „Disneys Der König der Löwen“ seine Deutschlandpremiere. Abele war dabei. Seitdem veränderte sich die Silhouette am Wasser grundlegend. Neue Wohnungen, Büros, Promenaden und Plätze entstanden. 2017 kam die Elbphilharmonie hinzu. Doch wenn abends die Lichter im Stage Theater im Hafen angehen, beginnt noch immer dieselbe Geschichte von Simba. Für Abele gehört das ­zusammen.

„Ich liebe die HafenCity“, sagt sie. Und genauso spricht sie über das Musical. „Hamburg braucht so einen Dauerläufer. Hamburg ist eine Musicalstadt.“ Auch zum Jubiläum wird diese Verbindung sichtbar. Vom 24. September bis zum 4. Oktober 2026 soll der Hafen zum „Golden Port“ werden. Der Lichtkünstler ­Michael Batz (siehe Bericht Seite 18) wird Teile des Hafens in goldenes Licht tauchen. Neben den beiden Stage Theatern sollen unter anderem die „Cap San Diego“ und die „Rickmer Rickmers“ Teil der Installation werden. Es ist eine große Inszenierung für ein großes Jubiläum – während Irene Abele hinter der Bühne noch einmal eine Naht kontrolliert, sie prüft, ob jede Perle hält. Wenn vorne das Licht angeht und hinten Menschen dafür sorgen, dass niemand merkt, wie viel Arbeit nötig ist, damit alles leicht aussieht. 

»Disneys König der Löwen«, Grasslands. © Deen van Meer

Nach 25 Jahren könnte Routine eingekehrt sein. Bei Abele klingt es anders. Sie sieht neue Darsteller kommen, erlebt neue Generationen auf der Bühne. Manchmal vermisst sie ihre eigene Zeit als Sängerin und Tänzerin noch ein wenig. Doch ihre Bühne ist heute eine andere: Der Löwe bleibt ihr Arbeitsplatz, die HafenCity wurde ihr Zuhause. Und beide sind mit ihr erwachsen geworden. Jimmy Blum

Info
Vom 24. September bis 4. Oktober feiert das Stage Theater im Hafen das ­25-jährige Jubiläum des Musicals ­„König der Löwen“. Informationen unter: stage-entertainment.de

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

Abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter!

Das könnte Ihnen auch gefallen

Ballermann meets Hamburg

Event. Auf dem Großmarkt Hamburg findet die Premiere des »ALLE lieben MALLE«-Festivals mit 9.000 Open-Air-Besuchern

Unterirdische Wachablösung

Kaispeicher B. Schiffchen, wechsle dich! Das ­Internationale Maritime Museum Hamburg (IMMH) setzt einen neuen Akzent