Silberblaues Selbstbewusstsein

Food. Die Systemgastronomie hat mit dem NYSC New York Slice Club – von den Machern von 60 Seconds to Napoli – an den Alsterarkaden einen jungen Pizza-to-go-Hotspot

Bescheidenheit buchstabiert sich anders: „Claimig the City“ und „Born in New York“, „Wir erobern die Stadt“ und „Geboren in New York“, prangen die beiden Slogans an den Längsseiten auf jeder der markant silbern glänzenden Pizzaverpackungen mit großem „NYSC“-Retrodesign-Logo der 50er-Jahre. Selbstbewusst, so wie die Stadt am East und Hudson River, die nach Frank Sinatra „never sleeps“ und in der nach New Yorker Klischee-Way-of-life nur die Mutigen belohnt werden, wollen die Macher des neuen NYSC, des New York Slice Club, mit ihrem coolen Premie­ren-Flagship-Store Hamburg von ihrer Pizza-Backkunst und digitalen Service-Perfektion überzeugen. Und der neue Take-away-Laden ist nicht irgendwo in der City, sondern strahlt an der gutbürgerlichen Edelzeile Alsterarkaden gegenüber vom Rathaus jungen Lifestyle aus. 
Foto oben: Stylisher Pizza-to-go-Shop mit Self-Service-Terrasse am Fleet und Blick aufs Hamburger Rathaus: der NYSC New York Slice Club. © Wolfgang Timpe

Wie das Design und der knappe Marketing­slang setzt das Konzept der NYSC à la Fast-Food-Systemgastronomie auf Einfachheit: große Slices, schnelle Abläufe und Touchscreen-Bestellung plus Selbstbedienung. Auf dem Bildschirm wählt der Gast Pizza, Dessert und Getränk aus, bezahlt, tippt seinen Namen auf dem Bildschirm ein und wartet anschließend – mittags und zu Primetime-Zeiten schon mal 20 Minuten – auf die Warenausgabe am stylishen Tresen. Auf großen Bildschirmen hinter der Servicetheke sieht man genau, wie der eigene Name immer weiter nach oben rutscht und wann man an der Reihe ist. Ist die Bestellung fertig, holt man sie selbst ab. Bedienung am Tisch gibt es nicht. Der New York Slice Club setzt konsequent auf Self-Service und ein unkompliziertes „Grab and go“-Konzept. 

Danach entscheidet jeder selbst, wenn man nicht mit Pizza-to-go unterwegs ist, wo gegessen wird. Außen an Tischen unter den historischen Alster­arkaden mit Fleet- und Rathaus-Blick. Oder drinnen in einem modern-sachlich gestalteten Gastraum. Edelstahl, klare Formen und eine große LED-Videowand bestimmen den Stil. Es gibt rund 20 Plätze innen und 40 Plätze draußen. 

Ein Platz an der Sonne unter den ­Alsterarkaden: Jeder entscheidet selbst, wo gegessen wird. © Wolfgang Timpe

Im Mittelpunkt der Angebote steht die Pizza. Einzelne große Dreieckstücke im New-York-Style oder ganze Pizzen mit mehr als 50 Zentimeter Durchmesser. Nach Angaben des New York Slice Clubs besteht die Mehlmischung aus fünf verschiedenen Sorten. An ihrer Entwicklung waren auch Mehlexperten von Farina Petra aus Norditalien beteiligt. Der Teig durchläuft mehrere Arbeitsschritte und fermentiert 48 Stunden. 

Auf der Karte stehen klassische und auffälligere Varianten. Dazu gehört der Pepperhoney Slice mit Pepperonisalami und süß-scharfem Hot Honey. Angeboten werden auch eine Trüffel-Variante, ein vegetarischer Burrata Slice und eine Pizza mit veganer Salami. Wer danach noch Platz hat, bekommt Tiramisu in verschiedenen Varianten, Cookies nach New Yorker Art und Chocolate Salted Caramel Cake. Die Pizza-Kultur der New Yorker Slice Shops soll die Hamburger City prägen. Pizza nicht als langes Restaurantessen, sondern als schnelles Gericht für zwischendurch. Bestellen, kurz warten, abholen, hinsetzen oder weitergehen. Das passt gut zum Standort, an dem viele Hamburger:innen, Beschäftigte und Touristen unterwegs sind und oft nur wenig Zeit für eine längere Pause haben. 

Hinter dem New York Slice Club steht die Gustoso Gruppe, die sich mit Pizza auskennt. Unter anderem gehört das erfolgreiche Trendkonzept von 60 Seconds to Napoli am Großen Burstah in der City zur Gruppe. Das Unternehmen beschreibt den Standort unter den Arkaden als „ersten Flagship-Store der Marke NYSC“. Die Idee wurde nach eigenen Angaben über Monate entwickelt. Dazu gehörten auch Reisen nach New York, bei denen Slice Shops, Rezepturen und Serviceabläufe untersucht wurden. Statt anonymer New Yorker Hochhausschluchten gibt es elegante Arkaden, Wasser und den Blick auf die Hamburger Innenstadt. 

NYSC-Hamburg-Chef Nicolas Rux zieht nach den ersten Tagen eine positive Bilanz: „Der erste Abend war für unser Team direkt der Härtetest. Bei diesem Andrang mussten alle Abläufe sitzen. Umso mehr freut es uns, dass die Resonanz so überwältigend war und die Gäste das Konzept mit uns gefeiert haben.“ Für den regulären Betrieb ist vor allem entscheidend, ob das einfache System auch im Alltag funktioniert. Lange Wege und klassische Bedienung entfallen jedenfalls. Das neues Systemgastronomiekonzept setzt auf Tempo und einfache Abläufe. Wie in New York unterstellt man, dass die meisten ihr Slice einfach für unterwegs mitnehmen. The Pizza never sleeps. Jimmy Blum

Infos unter: newyorksliceclub.de

One Slice „Bresaola“, ein großes Pizza-Dreieck in Silberverpackung mit
Retro-Design-Logo »NYSC«. © Wolfgang Timpe

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