»Sei nicht Tina, versuche Tina zu fühlen!«

Vorschau. Im Februar 2027 findet im Stage Operettenhaus auf der Reeperbahn die ­Wiederaufführung von »TINA – Das Tina Turner Musical« statt

Eine Ikone kehrt nach Hamburg zurück. Vier Jahre nach dem Tod der Sängerin Tina ­Turner wird ihre Geschichte wieder dort zu sehen sein, wo das Musical in Deutschland begann. Im Frühjahr 2027 zieht „TINA – Das Tina Turner ­Musical“ erneut ins Stage Operettenhaus an der Reeperbahn ein. Ein genaues Premierendatum steht noch nicht fest. Der Vorverkauf soll in Kürze beginnen.
Foto oben: Die Neuaufnahme des Musicals »TINA« im Operettenhaus: Die großen Hits sind nicht bloß Zugabe. Sie markieren Stationen eines ungewöhnlichen Lebens. © Morris Mac Matzen

Für Hamburg ist das mehr als ein gewöhnlicher Wechsel im Spielplan. „TINA“ war hier bereits ein großer Erfolg. Die Deutschlandpremiere fand am 3. März 2019 im Operettenhaus statt. Tina Turner selbst war damals dabei. Hauptdarstellerin Kristina Love spielte und sang die Titelrolle. Turner lobte sie nach der Premiere mit den Worten: „Du hast einen großartigen Job gemacht.“ Das Publikum feierte die Produktion mit stehenden Ovationen.

Nun bekommt das Musical eine zweite Hamburger Spielzeit. Es folgt auf „Zurück in die Zukunft“. Das Musical nach dem Filmklassiker verabschiedet sich am 14. Februar 2027 aus dem Operettenhaus. Danach gehört die Bühne wieder Tina Turner. Die Rückkehr ist auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Stage Entertainment bezeichnet „TINA“ als seine weltweit erfolgreichste Eigenproduktion. Mehr als acht Millionen Menschen haben das Musical seit der Weltpremiere 2018 gesehen. Produktionen liefen unter anderem in London, am Broadway, in den Niederlanden, Spanien, Australien und Brasilien. Allein in Deutschland kamen zwischen 2019 und 2024 mehr als eine Million Besucher zu den Vorstellungen in Hamburg und Stuttgart.

Das Stück besitzt damit etwas, das in der Musicalbranche besonders wertvoll ist. Das Publikum kennt den Namen, die Geschichte und die Musik. Songs wie „Proud Mary“, „Private Dancer“, „What’s Love Got To Do With It“ und „The Best“ gehören seit Jahrzehnten zum Soundtrack mehrerer Generationen. Doch die Show lebt nicht allein von diesen Hits.

Im Mittelpunkt steht Anna Mae Bullock, geboren in Nutbush im US-Bundesstaat Tennessee. Aus ihr wird Tina Turner. Das Musical zeigt den Aufstieg an der Seite von Ike Turner. Es zeigt aber auch die Gewalt in der Ehe und den schweren Weg aus dieser Beziehung. Danach beginnt Tina Turner noch einmal von vorn. Sie muss sich als Solokünstlerin neu erfinden und erlebt schließlich in den 1980er-Jahren ihren zweiten und nun weltweiten Durchbruch. Genau darin liegt die Stärke des Stoffes. 

Das Stück erzählt eine Karriere, aber im Kern geht es um Selbstbestimmung. Der Erfolg kommt nicht geradlinig. Er folgt auf Jahre voller Abhängigkeit, Angst und Rückschläge. Tina Turner verlässt eine zerstörerische Beziehung und baut sich danach ein neues Leben und eine neue Karriere auf. Der Weltstar erscheint dadurch nicht nur als Kunstfigur. Das Musical zeigt eine Frau, die sich ihre Freiheit erkämpft.

Tina Turner hatte an der Entwicklung des Musicals selbst mitgewirkt. Die Produktion entstand in enger Zusammenarbeit mit ihr. Das Buch schrieb die US-amerikanische Autorin Katori Hall. Regie führte Phyllida Lloyd. Die Weltpremiere fand im April 2018 im Londoner Aldwych Theatre statt. Später folgte der Broadway. Die New Yorker Produktion erhielt zwölf Nominierungen für den Tony Award.

Deutschland hatte für die Rockröhre eine besondere Bedeutung. Zur Hamburger Produktion sagte sie: „Deutschland hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, da ich dort neben Großbritannien mein Comeback startete.“ Hamburg bezeichnete sie als eine Rock-Stadt, in der sie besonders gern aufgetreten sei.

Ihre Verbindung zu dem Musical ging noch weiter. Turner verstand die Produktion auch als Botschaft an ihre Fans. Vor der ersten Hamburger Spielzeit sagte sie, sie bekomme noch immer viele Briefe von Menschen, die ihr schrieben, sie habe ihnen Hoffnung gegeben. „Dieses Musical ist für sie, als Erinnerung an meine Arbeit“, erklärte sie damals.

Als „TINA“ 2019 in Hamburg startete, lebte Tina Turner zurückgezogen in der Schweiz. Am 24. Mai 2023 starb sie im Alter von 83 Jahren. Wenn das Musical 2027 ins Operettenhaus zurückkehrt, hat sich deshalb etwas Entscheidendes verändert. Bei der ersten Premiere konnte die Frau, deren Leben auf der Bühne erzählt wurde, noch selbst im Zuschauerraum sitzen. Nun wird die Produktion auch zu einer Erinnerung an sie. Dabei ist „TINA“ keine reine Gedenkshow. Das Musical zeigt auch die Widersprüche ihrer Geschichte. Es erzählt von Rassismus und Sexismus im Musikgeschäft. Von einer Frau, die sich aus der Kontrolle ihres Mannes löst und später erneut darum kämpfen muss, ernst genommen zu werden. Die großen Hits sind dabei nicht bloß Zugabe. Sie markieren Stationen eines ungewöhnlichen Lebens.

Eine zentrale Frage bleibt vorerst offen. Wer Tina Turner bei der Neuauflage in Hamburg spielen wird, hat Stage Entertainment noch nicht bekannt gegeben. Gerade diese Entscheidung dürfte für die Produktion entscheidend sein. Die Titelrolle verlangt weit mehr als eine gute Stimme. Tina Turner hatte eine unverwechselbare Körpersprache, enorme Bühnenenergie und eine Stimme, die innerhalb weniger Takte zu erkennen war.

Kristina Love hatte 2019 dafür einen bemerkenswerten Rat von Tina Turner erhalten. „Don’t try to be Tina, try to feel Tina“, sagte Turner zu ihr. Love sollte Tina also nicht kopieren, sondern versuchen, sie zu fühlen. Turner war von dem Ergebnis so angetan, dass sie Love bei der Hamburger Premiere „Tina Number 2“ nannte.

Die neue Hauptdarstellerin tritt damit ein schweres Erbe an. Sie muss eine der bekanntesten Sängerinnen der Popgeschichte verkörpern, ohne zur Imitatorin zu werden. Genau daran wird sich auch die neue Hamburger Produktion messen lassen müssen.

Das Operettenhaus ist dafür ein passender Ort. Hier begann 2019 die deutsche Geschichte des Musicals. Nun schließt sich ein Kreis. Der DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“ weicht im Februar 2027 den Songs von „TINA“, die dann von der Bühne über die Reeperbahn schallen werden.

Für Hamburg kehrt damit nicht einfach ein erfolgreiches Musical zurück. Es kommt eine Geschichte zurück, die seit Tina Turners Tod eine andere Bedeutung bekommen hat. 2019 stand hinter der Show noch die lebende Künstlerin. 2027 wird das Publikum auf eine Frau blicken, deren Stimme geblieben ist, obwohl sie selbst nicht mehr da ist. 

Und irgendwann wird es wieder diesen Moment geben, auf den der ganze Abend zuläuft. Die Geschichte von Anna Mae Bullock ist erzählt. Der Kampf ist überstanden. Die Bühne gehört Tina. Dann reichen drei Tina-Turner-Worte: simply the best. Robert Bockelmann

stage-entertainment.de

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