»Ab in den Lohsepark und feiern!«

Festival. Mit dem 6. Nachbarschaftsfest feiert die HafenCity den Sommer 2026 und seine vielen Initiativen. Der Veranstalter, das Netzwerk HafenCity e. V., bietet ab 19 Uhr mit der Coverband Station 9 erstmals Tanzmusik an. Das Quartier bewegt sich 
Und: 10 Fragen an: Marianne Wellershoff, 1. Vorsitzende des Netzwerks HafenCity e.V.

Schietwetter war es damals. Immer wieder Regenschauer, grau. Genau das Wetter also, bei dem man nicht so richtig Lust hat auf ein Fest im Park, sondern lieber gemütlich zu Hause sitzt mit Tee oder Latte macchiato. Dieser Tag war Freitag, der 8. Juli 2016, und mit einem kleinen Fest für die Nachbarschaft wurde der Lohsepark eröffnet. Kita-Kinder in Regenklamotten stapften mit ihren Eltern über eine matschige neue Wiese von Stand zu Stand, weil Kinder an die Luft sollen und was erleben möchten. Armbrustschießen boten damals zum Beispiel die Freunde des Lohsepark an, die die Patenschaft für die Obstbäume im Park übernommen hatten.
Foto oben: Familientreffen beim Flohmarkt auf dem Nachbarschaftsfest der HafenCity. Wer sich beeilt, kann bis Freitag, 3. Juli, 20 Uhr, noch letzte Standplätze ergattern. © Catrin-Anja Eichinger

Das große Fest für die ganz Stadt war dann am Samstag, der damalige Erste Bürgermeister Olaf Scholz kam, und Tausende Menschen aus ganz Hamburg feierten die Einweihung des Parks und dass die HafenCity nun endlich eine ernst zu nehmende Erholungsfläche hatte. Die Sonne schien da übrigens auch.

Das zweitägige Eröffnungfest war noch von der HafenCity Hamburg GmbH organisiert worden. Doch danach ergriff die Zivilgesellschaft die Initiative. Erst waren es kleine Kinderfeste der Freunde des Lohsepark, dann ging der Nachbarschaftsverein Netzwerk HafenCity e. V. an den Start mit einem Fest vom Quartier fürs Quartier – und die Freunde des Lohsepark fusionierten mit der AG Grün des Netzwerks HafenCity.

Selbst in der Coronazeit gab es ein Sommerfest, auch bei mäßigem Wetter und mit strengen Eingangskontrollen und limitierter Gästezahl, damit alle Abstand halten konnten. Wobei die Idee des Nachbarschaftsfests eigentlich das genaue Gegenteil ist: Menschen sollen miteinander in Kontakt kommen. Das Wetter war auch an dem Julitag grau, es nieselte, und so hielt sich – in diesem Fall glücklicherweise – die Besuchermenge in den erlaubten Grenzen.

Der Lageplan für das Nachbarschaftsfest 2026 im Lohsepark. © Nice Idea Club

Und nun, fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Einweihung, feiert das Netzwerk HafenCity sein 6. Sommer- und Nachbarschaftsfest im Lohsepark: Am 4. Juli 2026 um 14 Uhr geht es los, und das Angebot ist in diesem Jahr noch vielfältiger: mit neuen Gastroständen, Tanzmusikband und einem neuen Kinderprogramm. Auch der Aufbau das Fests ist neu. Die große, überdachte Bühne, die Gastrostände und der Infostand des Netzwerks HafenCity bilden bis 22 Uhr das Zentrum, Flohmarkt und Mitmach-Angebote sind auf den Wiesen nebenan platziert (siehe Lageplan rechts). Als Veranstalter präsentiert sich das Netzwerk HafenCity mit dem Sommerfest selbst und mit vielen kleinen, vom HafenCity Zeitung-Chefredakteur Wolfgang Timpe geführten Bühneninterviews mit Aktiven aus dem Verein. Und die Vereinsvorsitzende Marianne Wellershoff macht nachmittags Musik mit der Band Hansagold.

Die Band Hansagold sorgt mit ­Indie-Rock und Deutsch-Pop für HafenCity-Sound. © Hansagold

Unter dem Motto »Wir sind HafenCity« informiert der Netzwerk-Verein über sein Engagement, darunter der unermüdliche Einsatz für Verkehrssicherheit und Tempo 30, für Stadtnatur und Gemeinschaft im wachsenden Quartier. Er stellt konkrete Mitmach-Möglichkeiten für Interessierte vor – etwa beim Biotop Drachenwiese oder im Urban Gardening oder auch bei Grün-Aktionen im Quartier Baakenhafen. Außerdem setzt sich das Netzwerk für mehr Sportangebote ein und geht mit gutem Beispiel voran: Am Stand des Vereins kann man Mini-Tischtennis spielen.

Das Kinderprogramm am Nachmittag wird dieses Mal organisiert von der Agentur Brainy. In der Stempelwerkstatt können Kinder und Jugendliche aus Nussschalen, Kartoffeln, Blüten und Blättern ihre eigenen Stempel basteln und damit einen kleinen Beutel, einen Rucksack oder ein mitgebrachtes T-Shirt mit Öko-Stoffmalfarben bedrucken. Die Farben sind, klar, ökologisch und schadstofffrei.

Ökologie ist ein großes Thema im Quartier – auch weil es mit seinem weit unterdurchschnittlichen Grünanteil von sieben Prozent stark versiegelt ist. Die Deutsche Wildtier Stiftung, die Loki-Schmidt-Stiftung und Greenpeace sind deshalb beim Sommerfest mit Ständen dabei, informieren über ihre Arbeit und möchten mit naturpädagogischen Mitmach-Angeboten das Interesse an Pflanzen, Insekten und deren bedrohten Lebensräumen wecken.

Premiere: Ab 19 Uhr gibt es die große Tanzparty mit der Coverband Station 9. © Netzwerk HafenCity e.V.

Wenn das Kinderprogramm gegen 18 Uhr endet, leitet der Sommerfest-Moderator „AC“ Andreas Clausen in das Abendangebot über. Das Café Elbfair eröffnet die Cocktailbar, und ­Beletage startet auf der Bühne. Die Bandmitglieder wohnen alle in der HafenCity, proben in der Quarterpipe im Baakenhafen und sind damit eine echte Quartiersband. Anschließend tritt ­Station 9 auf. Die Gruppe ist zum ersten Mal beim Nachbarschaftsfest dabei. Als Coverband spielen sie bekannte Hits aus den 1980er-Jahren und wollen so aus dem Sommerfest eine Tanzparty machen. 

Und falls am 4. Juli mal wieder Schietwetter ist? Da gilt dann der Slogan: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Und sicher haben alle Elb- und Stadtküsten-Bewohner:innen Regenklamotten im Schrank. Dann heißt es eben: schnell überziehen, los in den Lohespark und sich warm feiern! Kerstin Auer

Info
Weitere Informationen zum Nachbarschaftsfest 2026 finden Sie unter: netzwerk-hafencity.de

Marianne Wellershoff, 1. Vorsitzendes des Netzwerks HafenCity e.V.:
„Das Netzwerk steht für nachbarschaftliche Gemeinschaft, nachhaltige Mobilität, Stadtnatur,
Urban Gardening, Sport, Angebote für Kinder und Jugendliche.“ © Privat

Marianne Wellershoff

Frau Wellershoff, am 4. Juli feiert das Netzwerk HafenCity e. V. sein 6. Nachbarschaftsfest der HafenCity im Lohsepark, das im vergangenen Jahr mit 1.100 Besucher:innen einen Rekord verbucht hat. Wie wollen Sie das Ergebnis noch toppen? Auch wenn wir in einer Leistungsgesellschaft leben: Wir machen ein großes und schönes Fest im Park mit dem Ziel, dass alle dort Spaß haben und sich wohlfühlen. Wie viele Menschen kommen, hängt leider auch maßgeblich vom Wetter ab. Wenn es wie aus Eimern schüttet, wären 500 Besucher:innen auch schon toll – egal, wie attraktiv unser Programm ist.  

Das Quartier wächst weiter. Präsentieren sich neue Initiativen und Angebote? Wir erweitern das gastronomische Angebot. Auch deshalb, um den Erwachsenen mehr zu bieten. Schon im vergangenen Jahr war Thomas Sampl mit der Hobenköök dabei. Neu dazugekommen ist Aska, die auf einer Feuerschale grillen. Und erstmals macht auch Sugar Rush mit, die unter anderem Galettes anbieten. Das Netzwerk HafenCity betreibt weiterhin den Grillstand, verkauft die Softgetränke sowie Kaffee und Kuchen. Die Kuchen bekommen wir als Standgebühr vom Flohmarkt. Diese Einnahmen sind für den Verein sehr wichtig, da sie einen Teil der doch sehr hohen Kosten des Fests tragen. Insbesondere die Bühne ist sehr teuer, aber für uns das Herz des Nachbarschaftsfests. Beim Kinderprogramm unterstützt uns das Quartiersmanagement HafenCity e. V. mit einem Zuschuss, sodass wir nun Drucken und Malen anbieten können. Das Quartiersmanagement selbst ist mit einer Fotobox dabei. Da kann man sich altersunabhängig verewigen. 

Eine wesentliche Konzepterweiterung ist, dass es ab 18 Uhr eine Tanzparty im Lohsepark geben soll. Was haben Sie da vor? Unser Fest wird von vielen als Kinderfest wahrgenommen. Wir haben auch ein großes Kinderprogramm, und es gibt einen Flohmarkt, bei dem viel Kinderkleidung verkauft wird. Aber wir möchten alle Altersgruppen ansprechen. Deshalb eröffnet um 18 Uhr die Cocktailbar. Und dann kommen Bands auf die Bühne, die Musik zum Mittanzen spielen: Beletage mit eigenen Songs und die Coverband Station 9 mit Stücken aus den Achtzigern. 

Im Stadtteil kristallisieren sich immer stärker einzelne Quartiere heraus. Der westliche Teil rund um Am Kaiserkai, das Zentrum mit Überseeboulevard/Westfield-Center, der Lohsepark mit Campusschule/Anwohnern sowie im Osten das Baakenhafen-Viertel und das Elbbrückenquartier mit dem neuen studentischen Tide-Zentrum sowie der Oberhafen mit neuen Sportplätzen. Wie wirkt sich das aufs Nachbarschaftsfest aus? Wir verstehen die HafenCity als eine Nachbarschaft, die immer vielfältiger wird. Das freut uns und möchten wir auch auf dem Fest abbilden. Die Campusschule schickt drei Bands auf die Bühne, und die Kinder kommen aus der gesamten HafenCity und benachbarten Quartieren. Aus dem Baakenhafen kommen Deutsche Wildtier Stiftung und Loki-Schmidt-Stiftung. Mit dem Spielhaus HafenCity e. V., das die Bolzplätze im Oberhafen betreibt, haben wir gerade erst ein Fußballfest gemacht, das Quartiersmanagement HafenCity e. V. war auch dabei. Das lässt sich leider nicht mit unserem Nachbarschaftsfest kombinieren, weil die Plätze einfach zu weit weg sind. 

Das Netzwerk hat sich ein neues Corporate Design gegeben und kommuniziert auch verstärkt über Social-Media-Kanäle wie Instagram. Wird die HafenCity erwachsener und das Netzwerk jünger? Interessante These! Tatsächlich haben wir ein leicht verändertes Design, das nun auch viele gezeichnete Figuren zeigt. Die symbolisieren, wofür das Netzwerk HafenCity sich engagiert: nachbarschaftliche Gemeinschaft, nachhaltige Mobilität, Stadtnatur, Urban Gardening, Sport, Angebote für Kinder und Jugendliche. 

Öffentlich wahrnehmbar sind im Netzwerk vor allem die Arbeitsgruppen wie zum Beispiel die AGs Grün, Verkehr  oder Baakenhafen. Was tut sich aktuell im Verein? Wir engagieren uns zum Beispiel nun auch im Bereich Sport und haben als Netzwerk HafenCity e. V. gemeinsam mit dem Spielhaus HafenCity e. V. der HafenCity Hamburg GmbH (HCH) angeboten, einen temporären Beachvolleyballplatz zu bauen. Entweder im Oberhafen oder auf einer noch nicht anhand gegebenen Fläche. Die HCH hat das leider abgelehnt. So viel dazu, dass Hamburg eine ­Active City sein will. Die Ablehnung beendet natürlich nicht unser Engagement: Wir möchten es weiterhin möglich machen, dass in der HafenCity Beachvolleyball gespielt werden kann. 

Eine Grundidee des Festes ist, dass alle Künstler und angebotenen Aktivitäten aus dem Stadtteil heraus kommen sollen. Lässt sich dieser „Heimat“-Gedanke im 6. Jahr aufrechterhalten?Auf jeden Fall, denn mit der wachsenden Heimat wächst auch das Potenzial in der HafenCity. 

Im Netzwerk gab es zuletzt mit Ihnen eine neue Vorsitzende und einen fast kompletten Generationenwechsel im Vorstand. Kehren die neuen Besen erfolgreich? Wir sehen uns nicht als Besen. Unsere politischen Erfolge sind immer Ergebnis monate- oder sogar jahrelanger Arbeit: Tempo 30 auf den Bezirksstraßen, der Fahrradweg auf der Magdeburger Brücke. Und kürzlich hat die HCH immerhin unserem Vorschlag zugestimmt, zusätzliche fruchttragende einheimische Sträucher zu pflanzen. Das soll die Nahrungsgrundlage für die eingebrochene Spatzen-Population verbessern. 

Was sind die Big-Point-Ziele des Vereins Netzwerk HafenCity e. V. für die kommenden Monate im Jahr 2026? Wir haben in diesem Jahr erstmals ein Jahresprogramm mit vielen Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Unter dem Titel »25 Jahre HafenCity – weiter geht’s« rücken wir seit April die Zukunftsfelder in den Fokus. Nicht in Vorträgen, sondern in Aktivitäten. Wir haben zum Beispiel mit der Nachbarschaft Hochbeete und Vogeltränken gebaut, wir werden zum Parking Day eine Aktion machen und mit Bürgerschaftsabgeordneten über die künftige Stadtentwicklung diskutieren. 

Was wünschen Sie sich denn persönlich für das Nachbarschaftsfest im Lohsepark am 4. Juli? Sonne, 27 °C. Und sehr viele, gut gelaunte Menschen, die am nächsten Tag mit dem Gedanken aufwachen, dass sie einen tollen Tag beim Nachbarschaftsfest des Netzwerks HafenCity hatten.
Fragen: Wolfgang Timpe

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Marianne Wellershoff, 63, ist Journalistin, 1. Vorsitzende des Netzwerks HafenCity e. V., Sprecherin der AG Grün im Netzwerk und lebt seit 2016 mit ihrem Mann Martin und ihren beiden Töchtern am Lohsepark.

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