Auf zu neuen Ufern

Nachbarschaftsfest und Netzwerk HafenCity-Jubiläum. Die Skyline der HafenCity wird weiter wachsen – das Netzwerk HafenCity e.V. feiert 10-jähriges Jubiläum und will weiter kräftig mitmischen. HafenCity Zeitungsredakteur Wolfgang Timpe sprach mit den zwei Netzwerk-Machern Peter Nimpsch und Dr. Wolfgang Weisbrod-Weber

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Das Netzwerk HafenCity e.V. besteht seit zehn Jahren und will dieses Jubiläum mit allen Nachbarn der HafenCity fröhlich begehen. Wir haben mit den beiden Vorstandsmitgliedern Peter Nimpsch und Dr. Wolfgang Weisbrod-Weber über ehrenamtliche Arbeit, Erfolge, Enttäuschungen und die Zukunft des Vereins gesprochen.

Das Panorama der HafenCity zwischen Elbphilharmonie und Elbbrücken – sowohl am Strandkai wie auch am Überseequartier werden in den kommenden Jahren viele Neubauten in den Hamburger Himmel wachsen. ©Thomas Hampel (Foto oben)

Herr Nimpsch und Herr Weisbrod-Weber, am 16. Juni feiern Sie und Ihre Mitglieder zehnjähriges Bestehen des Netzwerks HafenCity. Was gibt es denn zu feiern? Wolfgang Weisbrod-Weber: Das kommt darauf an, was man vom Netzwerk erwartet. Wir feiern auf jeden Fall, dass das Netzwerk mit dem Stadtteil gewachsen und ein lebendiger Teil des Stadtteils geblieben ist. Wir sind ja damals zunächst mit einer sehr kleinen Gruppe gestartet. Als dann immer mehr Mitglieder hinzu kamen, war es nicht immer einfach, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Dass uns das dennoch gelungen ist und das Netzwerk noch immer besteht, ist doch schon was, oder? 
Peter Nimpsch: Es ist eine Plattform zum Austausch in der Nachbarschaft und eine Möglichkeit für Politik, Behörde und Stadtteilentwickler mit Nachbarn und Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Wir sind das Sprachrohr für Wünsche und Bedürfnisse und es ist wichtig, dass es den Austausch gibt. Menschen miteinander zu verbinden, ist unsere allererste Aufgabe. Da spielt es keine Rolle, ob es ein Gewerbetreibender ist, ein Nachbar oder ein Besucher.

Macher und Teamplayer im Gespräch: Peter Nimpsch, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gewerbe (IGG) des Netzwerk HafenCity e.V. und Manager von Meßmer MOMENTUM (li.) und Dr. Wolfgang Weisbrod-Weber, 2. Vorsitzender des Netzwerk HafenCity e.V. Er war viele Jahre für Friedenssicherungseinsätze der UNO in der ganzen Welt unterwegs. Foto: Wolfgang Timpe
Macher und Teamplayer im Gespräch: Peter Nimpsch, 1. Vorsitzender
der Interessengemeinschaft Gewerbe (IGG) des Netzwerk HafenCity e.V. und Manager
von Meßmer MOMENTUM (li.) und Dr. Wolfgang Weisbrod-Weber,
2. Vorsitzender des Netzwerk HafenCity e.V. Er war viele Jahre für riedenssicherungseinsätze der UNO in der ganzen Welt unterwegs. Foto: Wolfgang Timpe

Bei der Gründung haben Sie sich auf die Fahnen geschrieben, die Nachbarschaft wie auch die Interessen der Anwohner, Initiativen und Gewerbetreibenden zu fördern. Deren Interessen sind jedoch oft unterschiedlich. Hat Sie der Anspruch, alle zu vertreten, nicht zerrissen? Nimpsch: Es gab am Anfang durchaus Konflikte, als Gewerbetreibender habe ich das nie verstanden. Denn wir waren alle neu in diesem Stadtteil. Und deshalb war für mich von Anfang an klar: Wenn wir die HafenCity entwickeln wollen, können wir das nur gemeinsam.
Weisbrod-Weber: Und so unterschiedlich sind die Interessen gar nicht. Im Gegenteil: Wir als Nachbarn und Nicht-Gewerbetreibende haben ein großes Interesse, dass die Flächen im Erdgeschoss belebt sind. 

Wo haben Sie in der HafenCity am stärksten Ihre Netzwerk-Spuren hinterlassen? Weisbrod-Weber: Wir haben uns zum Beispiel sehr dafür eingesetzt, die Verkehrssituation der HafenCity zu verbessern, weil viele Mitglieder damit unzufrieden sind. Wir haben Gespräche geführt mit der HafenCity GmbH, dem Bezirk, der Verkehrsbehörde und dem Projektentwickler des Südlichen Überseequartiers. Mittlerweile sind wir auf einem guten Weg und ich bin verhalten optimistisch, dass wir gute Lösungen finden werden. Auch dass der Kaiserkai vor und nach Veranstaltungen in der Elbphilharmonie für Autos gesperrt ist, ist ein zu einem guten Teil Erfolg des Netzwerks. 

Wenn man Bewohner der HafenCity nach dem Netzwerk fragt, erntet man häufig ratloses Schulterzucken. Machen Sie zu wenig Öffentlichkeitsarbeit? Nimpsch: Wir könnten sicherlich mehr vertragen, aber wir arbeiten alle ehrenamtlich und müssen uns auf das Wichtigste konzentrieren. Dazu gehört das Vereinsleben, das Beisammensein und der Austausch. Und letztendlich überzeugen wir die Menschen nur mit guter und erfolgreicher Arbeit. 

Wie fällt die Bilanz Ihrer Mission nach zehn Jahren aus? War sie erfolgreich? Weisbrod-Weber: Da halte ich es mit dem Tschu En-Lai, dem langjährigen chinesischen Premierminister, der auf die Frage, was er über die französische Revolution denkt, antwortete: „It’s to soon to say“ – es ist zu früh, das zu beurteilen. Ich sage: Wenn wir eine einspurige Versmannstraße und eine Linksabbiegerspur an der Magdeburger Brücke bekommen, dann waren wir erfolgreich. 
Nimpsch: Für mich ist es ein großer Erfolg gewesen, dass wir das Duckstein-Festival in die HafenCity holen konnten. Wir wollen Menschen anlocken, nur so bleibt der Stadtteil für Gewerbetreibende attraktiv.

Welche Enttäuschung wurmt Sie heute noch? Nimpsch: Das sind die dicken Bretter, die wir bohren müssen. Dazu gehört die Sonntagsöffnung von Geschäften und die damit verbundene Ungleichbehandlung gegenüber anderen Stadtteilen, obwohl die HafenCity ein touristischer Magnet ist für Hamburg.  

Herr Nimpsch, Sie führen Meßmer MOMENTUM als Geschäftsführer, und Sie, Herr Weisbrod-Weber waren unter anderem für Friedenssicherungseinsätze der Uno in der ganzen Welt unterwegs. Was reizt Sie, sich ehrenamtlich für die Menschen in einem Stadtteil einzusetzen? Weisbrod-Weber: Weil mich für diese Sorte Arbeit sowieso niemand bezahlen könnte (lacht). Aber im Ernst: Ein großer amerikanischer Senator hat einmal gesagt: „All politics are local“. Hier lebe ich, hier engagiere ich mich. Es geht immer um die direkte Betroffenheit vor Ort. Wer die HafenCity liebt, macht sie schöner. 
Nimpsch: Es ist ein Stück Pionierarbeit. Aber die HafenCity hat es auch verdient, weil sie ein besonderer unvergleichlicher Ort ist. Es ist eine Verbundenheit der Stadt und dem Stadtteil gegenüber. Und es ist mir als Geschäftsmann persönlich wichtig, Gewerbetreibende für die HafenCity zu begeistern und zu ermutigen, etwas Geduld mitzubringen.

Ein Thema, das vielen Bürgern im Stadtteil unter den Nägeln brennt, ist das Südliche Überseequartier. Wie stehen Sie dazu? Nimpsch: Das Südliche Überseequartier ist ein gutes Beispiel dafür, dass Gewerbe und nachbarschaftliches Wohnen oft ähnliche Interessen haben. Wir brauchen Ankermieter, einen Magneten, damit wir Frequenz herstellen können und die bunte Welt der kleinen Einzelhändler davon profitieren kann. Das funktioniert aber nur, wenn sich der neue Standort nach allen Seiten hin öffnet. 
Weisbrod-Weber: Ein großes Problem ist die Zunahme des Verkehrs durch das Südliche Überseequartier und die geplante Verkehrsführung. 2019 muss es in einem innovativen Stadtteil andere Lösungen geben, als den gesamten Lieferverkehr einmal um den Block und entlang von Wohnbebauung fahren zu lassen.

Ein weiteres Thema ist die Diskussion um den Schulcampus Lohsepark. Dort soll zugunsten einer Wohnbebauung der Schulhof aufs Dach verlegt werden. Was denken Sie darüber? Weisbrod-Weber: Wir sind dafür, dass die Schule so groß und offen gebaut wird, dass sie nicht nur den Schülern nutzt, sondern Räume und Flächen außerhalb der Schulzeiten dem gesamten Quartier zur Verfügung stehen. 

Was fehlt der HafenCity noch zu einem gewachsenen lebendigen Stadtteil? Weisbrod-Weber: Ich vermisse Grün und noch fehlen die Gemeinschaftshäuser. Es gibt wenige Orte, wo sich Gemeinschaften oder Vereine treffen können. 
Nimpsch: Grün ist tatsächlich ein großes Thema. Glauben Sie nicht, dass hier auch nur ein Baum stand, als wir hierhin gezogen sind. Das kam erst zwei Jahre später. Im Baakenhafen hat man offenbar gelernt und als erstes einen großen und schönen Park angelegt. Der Stadtteil muss sein ökologisches Gleichgewicht noch finden. Auch fehlt noch die Balance zwischen Wohnen einerseits und der Arbeits- und Bürowelt andererseits. Noch arbeiten hier  dreimal so viele Menschen wie hier wohnen und leben. 

Macht es Sie manchmal ohnmächtig, dass Sie als eingetragener Verein letztendlich nicht viel Macht haben gegenüber der Stadt oder einzelnen Investoren? Weisbrod-Weber: Wir haben so viel Macht wie jeder Bürger, nämlich am Stimmzettel. Im nächsten Jahr sind Bürgerschaftswahlen, Verkehr wird ein entscheidendes Thema sein.  Unsere Hebel als Interessenvertreter sind politisch. Dafür brauchen wir kein großes Budget, sondern viele Mitglieder. 

Warum lohnt es sich, in der HafenCity zu arbeiten? Nimpsch: Weil sie ein spannender Stadtteil ist, der wächst, touristisch interessant ist, große Player hat und am Wasser liegt. Die Menschen hier haben Pioniergeist. 
Weisbrod-Weber: Für die ehrenamtliche Arbeit in der HafenCity ist es ein großer Vorteil, dass alle, die sich engagieren, neu hier sind. Niemand macht hier etwas schon immer und weiß schon alles besser. Das macht das Miteinander einfacher und angenehmer.

Und warum lohnt es sich, hier zu leben? Weisbrod-Weber: Man wohnt sehr zentral und es gibt ein großes gemeinschaftliches Leben. Es ist wie im Dorf: Wir haben einen Supermarkt, eine Schule und man trifft Nachbarn auf der Straße. Die HafenCity hat etwas Heimeliges und gleichzeitig lebt man mitten in einer Großstadt. 

Es ist das Jahr 2029. Welche Themen werden das Netzwerk bewegen? Nimpsch: Umwelt, Klima und die Touristenströme werden uns umtreiben. Eine Brücke zu schlagen in die Stadtteile jenseits der Elbbrücken, der Elbe und in die Innenstadt, wird eine große Herausforderung werden  – nicht nur infrastrukturell, sondern auch in den Köpfen der Menschen. 

Sie haben alle Freiheiten: Was würden Sie in der HafenCity sofort machen? Weisbrod-Weber: Als Koordinator der Netzwerk Verkehrs AG würde ich alle vierspurigen Straßen zurückbauen und als Anwohner würde ich die Mieten in den Erdgeschosslagen so deckeln, dass sich kleine, lokale Geschäfte und Handwerker dort ansiedeln können … ach ja, und das südliche Überseequartier, wenn es denn sein muss,  würde ich hinter die Freihafen-Elbbrücken verlegen, wo jetzt der Elbtower hinkommt. 
i Ich würde Entscheider zusammenbringen, die Veränderungen zügig umsetzen. Die zähen Prozesse strapazieren meine Geduld.
Das Gespräch führte Wolfgang Timpe
https://netzwerk-hafencity.de https://netzwerk-hafencity.de/termine/sommerfest-2019-10-jahre-netzwerk-hafencity

Nachbarschaftsfest des Netzwerks HafenCity e.V. im Lohsepark. Foto: Thomas Hampel
Nachbarschaftsfest des Netzwerks HafenCity e.V. im Lohsepark. Foto: Thomas Hampel

Nachbarschaftsfest: Das Netzwerk HafenCity e.V. feiert im Lohsepark

Das Sommerfest des Netzwerks HafenCity e.V. findet aus Anlass des 10-jährigen Jubiläums statt. Es soll ein fröhliches Fest von Nachbarn für Nachbarn, von Anwohnern für Anwohner sein. Vorstand und Verein haben sich explizit gegen das Modell „Feierstunde mit Festakt“ entschieden. Es wird vier Bereiche geben:
• Eine Aktivitätenfläche für Jung und Alt, u.a. mit
   einer Sport- und Tobefläche des Parcours, Boule
   vom Bouleclub Hamburg, und Kinderprogramm;
• Einen Infobereich, in dem das Netzwerk und seine
   Arbeitsgruppen sich vorstellen;
• Einen Bereich für Essen & Trinken;
• Eine Bühne mit einem bunten Programm von und
   für Kinder am Nachmittag und ab 18 Uhr mit Musik
   für Erwachsene (Folkrock-Gitarrensound der „Sea
   captains“ und Nordatlantik-Rock von „Hansagold“)
   Termin: 16. Juni 2019, 15-20 Uhr — Ort: Lohsepark

Flyer: Netzwerk hafenCity e.V.
Flyer: Netzwerk hafenCity e.V.


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