Bilanz. Im ersten Halbjahr 2025 wächst der Containerumschlag der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) um 7,9 Prozent, und man hat den Niederländer Jeroen Eijsink als neuen HHLA-CEO gewonnen
Mit niederländischer Nonchalance und sozialstrategischem Understatement kommentiert Jeroen Eijsink, 52, seine Berufung als neuer Vorstandsvorsitzender der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) zum 1. Oktober 2025 für Hamburgs und Deutschlands wichtigstes Hafenunternehmen: „Ich freue mich darauf, meine bisherigen Erfahrungen in meiner Funktion als CEO bei der HHLA einzubringen und das Unternehmen in dem dynamischen Umfeld, in dem wir tätig sind, weiter voranzubringen. Gemeinsam werden wir die Chancen der Transformation nutzen und die Position der HHLA als Schlüsselakteur in der europäischen Logistik im Sinne unserer Kunden weiter ausbauen.“
Foto oben: Neuer HHLA-CEO Jeroen Eijsink: „Wir werden die Position der HHLA als Schlüsselakteur in der europäischen Logistik im Sinne unserer Kunden weiter ausbauen.“ © HHLA
Die Keywords klingeln: „Chancen der Transformation“ nutzen heißt doch übersetzt, dass Modeschlagworte wie Dekarbonisierung des Hafens, seine Digitalisierung und Neuerschließung von Hafenflächen, eine zukünftige nachhaltige Industrialisierung 2.0 (u. a. durch Hightech-Start-ups) möglich werden sollen. Und: Die Marktstellung als „Schlüsselakteur der europäischen Logistik“ ausbauen heißt wohl, dass für das Hafenwachstum im Zweifel kein Stein auf dem anderen bleiben soll – für die Zukunft des Hamburger Hafens.

So überraschend erfreulich die aktuelle Bilanz des ersten HHLA-Halbjahres 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit einer Umsatzsteigerung um 16,3 Prozent auf 884,5 Millionen Euro und einer Gewinnsteigerung nach Steuern von 13,2 auf 19,1 Millionen Euro auch ist: Sie basiert im Kern auf dem klassischen TEU-, dem Containerumschlagbusiness, das künftig noch stärker wachsen soll. Das reicht nach Meinung der Experten aber allein nicht aus. Selbstzufriedenheit wäre fehl am Platze. Heute brach liegende Hafenflächen und ungenutzte Kaikanten müssen für die Zukunft ertüchtigt werden. Zwar haben sich der Hafen und die Containerabfertigung in Teilen digitalisiert, aber bei neuen „sauberen“ Industrieansiedlungen, die neue nachhaltige Hafenumsätze generieren, ist der Hafen im internationalen Wettbewerb, etwa mit Rotterdam, noch ein sogenannter Underperformer.
Der neue 49,9-Prozent-HHLA-Gesellschafter Mediterranean Shipping Company (MSC), die weltgrößte Reederei, und die Stadt haben bei der aktuellen aufsehenerregenden Dividendenkürzung den Vorschlag von HHLA-Vorstand und -Aufsichtsrat abgelehnt und abgesenkt. Das war ein Schlag ins Kontor der HHLA-Anleger vom neuen HHLA-Mitbesitzer MSC und der Stadt. Sie argumentierten, dass man den Aktionären nicht das Geld nicht gönne, sondern dass man dringend jede Menge Kapital für notwendige Zukunftsinvestitionen in die HHLA benötige, um deutlich konkurrenzfähiger zu werden und um neue Wachstumsfelder im Hamburger Hafen zu erschließen.
Da leutet das Glöckchen konsequenter Hafenentwicklung, verpackt in der smarten PR-Formulierung von HHLA-Neu-CEO Jeron Eijsink, dass er „das Unternehmen in dem dynamischen Umfeld“ weiter „voranbringen“ wolle. Passend zu Eijsinks Wachstumsstrategie will die Stadt zusammen mit Bund und Hafen-Partnern in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro in die „Westerweiterung“ des Hafens, unter anderem für mehr Containerlagerflächen, stecken. „Wir schaffen schon heute die Voraussetzungen, damit Hamburg auch für die Herausforderungen von morgen gerüstet ist“, sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) angesichts der Milliarden-Investitionen. HCZ