Bauruine. Die HafenCity-Treppe neben der HCU war ein beliebter Platz, um auf den Terrassenstufen die Elbeschifffahrt zu genießen. Seit Monaten gesperrt, nix tut sich. Warum?
»Als aktiver CDU-Kommunalpolitiker im Bezirk Hamburg-Mitte und als Bewohner der HafenCity frage ich mich zunehmend, wie es sein kann, dass eine wichtige öffentliche Treppenanlage am Baakenhafen neben der HafenCity Universität (HCU) über Jahre hinweg verfällt, gesperrt wird und die zuständigen Stellen dennoch keine zeitnahe Lösung präsentieren können.
Foto oben: HafenCity-Treppe an der Elbpromenade neben der HCU. Wiedereröffnung unklar – frühestens 2028. © Wolfgang Timpe
Die Geschichte dieser Treppenanlage wirkt wie ein Lehrstück behördlichen Versagens. Bereits 2016 traten erste Schäden auf. Nach erneuten Mängeln 2022 wurde über drei Jahre lang untersucht, getestet und geprüft. Als schließlich die vollständige Sperrung erfolgte, gab es weder einen belastbaren Zeitplan noch eine konkrete Sanierungsstrategie. Selbst ein Jahr nach der Vollsperrung der Treppe ist die Planung zur Reparatur beziehungsweise Instandsetzung immer noch nicht vergeben.
Für uns alle entsteht der Eindruck, dass niemand Verantwortung übernehmen will. Eine im Jahr 2013 eröffnete Anlage erweist sich nach wenigen Jahren als dauerhaft problematisch, muss möglicherweise vollständig neu aufgebaut werden und bleibt am Ende voraussichtlich drei Jahre lang gesperrt. Währenddessen verweisen die beteiligten Stellen auf laufende Prüfungen, Vergaben und Abstimmungen.

Hamburg-Mitte: „Man muss sich fragen, warum offensichtliche strukturelle Probleme nicht früher erkannt wurden,
weshalb eine Machbarkeitsstudie mehr als drei Jahre benötigt und warum Bürger und Besucher der HafenCity
mindestens bis 2028 auf die Wiederherstellung einer wichtigen Wegebeziehung warten müssen.“ © Marlene Hoberger
Man muss sich daher fragen, warum offensichtliche strukturelle Probleme nicht früher erkannt wurden, weshalb eine Machbarkeitsstudie mehr als drei Jahre benötigt und warum Bürger und Besucher der HafenCity mindestens bis 2028 auf die Wiederherstellung einer wichtigen Wegebeziehung warten müssen.
Auch die barrierefreie Rampe bröckelt bereits an vielen Stellen, sodass zu befürchten ist, dass auch mobilitätseingeschränkte Menschen in absehbarer Zeit keinen direkten Zugang mehr von und zur U-Bahn-Station haben. Die Untätigkeit und Langsamkeit der Verantwortlichen sind angesichts dieses Zeitablaufs kaum noch nachvollziehbar.
Lieber Herr Dr. Andreas Kleinau, als Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH kommen Sie doch bitte zu unserem nächsten HafenCity Bürgerforum und erklären uns, wie wir zeitnah eine Lösung bekommen können« Dr. Gunter M. Böttcher
Infos unter: hafencityforum.info
Chronologie der Ereignisse
2013. Eröffnung einer prestigeträchtigen Anlage. Im August 2013 wurde die Treppenanlage zwischen HafenCity Universität (HCU) und der Baakenhafenbrücke in Betrieb genommen. Zum Zeitpunkt der Eröffnung sollen keine Mängel vorgelegen haben.
2016. Erste Schäden treten auf. Bereits drei Jahre nach der Eröffnung lösten sich erste Oberflächenbeläge. Die Schäden wurden innerhalb der Gewährleistungsfrist durch den damaligen Auftragnehmer bis 2018 beseitigt. Schon damals hätte man sich fragen müssen, warum eine erst wenige Jahre alte Anlage überhaupt derartige Mängel zeigt.
2022. Erneute Schäden und Beginn einer Studie. Im Jahr 2022 traten erneut Schäden auf. Diesmal waren die Gewährleistungsfristen bereits abgelaufen, sodass keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden konnten. Statt einer schnellen Sanierung wurde im September 2022 eine Machbarkeitsstudie beauftragt.
Die Studie sollte die Ursachen der Schäden untersuchen und Sanierungsvarianten entwickeln. Das klingt vernünftig, wirft aber die Frage auf, warum eine Treppenanlage, die erst neun Jahre alt war, überhaupt einer derart grundlegenden Untersuchung bedurfte.
2022 bis 2025. Drei Jahre Untersuchung statt Lösung. Besonders schwer nachvollziehbar ist, dass die Machbarkeitsstudie mehr als drei Jahre dauerte. Die Ergebnisse lagen erst am 19. November 2025 vollständig vor. Als Begründung wird angegeben, dass verschiedene Sanierungsvarianten über mehrere Jahreszyklen hinweg in Testfeldern beobachtet werden mussten.
Für viele Bürger wirkt dies wie ein Musterbeispiel behördlicher Langsamkeit: Während die Anlage weiter verfällt, werden jahrelang Versuche durchgeführt, ohne dass eine konkrete Wiederherstellung erfolgt.
Juli 2025. Vollständige Sperrung. Anfang Juli 2025 wurde die Treppenanlage schließlich vollständig gesperrt. Als Grund wurden lose Steine, Abdecksteine und vergrößerte Fugen genannt, die die Verkehrssicherheit gefährdeten. Seitdem versperrt ein Bauzaun für monatlich 87,50 Euro den Zugang. Sichtbare Bauarbeiten fanden jedoch lange Zeit nicht statt. Für die Anwohner entstand der Eindruck, dass die Verantwortlichen zwar absperren können, aber keine Lösung präsentieren.
Ende 2025. Das eigentliche Problem wird sichtbar. Die Machbarkeitsstudie kam schließlich zu einem ernüchternden Ergebnis: Die wirtschaftlichste Reparaturvariante funktioniert nicht dauerhaft. Stattdessen wird eine komplette Erneuerung des Aufbaus empfohlen. Noch bemerkenswerter ist die Aussage der HafenCity Hamburg GmbH selbst, wonach die Anlage in ihrer geplanten und realisierten Form nicht dauerhaft verkehrssicher ist und damit grundlegende strukturelle Mängel aufweist.
Als Bürger fragt man sich unweigerlich: Wenn eine Anlage nach wenigen Jahren erhebliche Schäden entwickelt und letztlich komplett neu aufgebaut werden muss, wie kann dann behauptet werden, es lägen keine fachlichen Planungs- oder Ausführungsmängel vor?
Februar 2026. Weiterhin kein Zeitplan. Im Februar 2026 erklärte die Verwaltung, ein Zeitplan befinde sich noch „in Abstimmung und Prüfung“. Zu den Sanierungskosten wollte man sich nicht äußern. Selbst die Frage nach der Wiederherstellung blieb unbeantwortet. Für die Bürger bedeutete dies: Die Treppe bleibt geschlossen, ein Ende ist nicht in Sicht.
Juli 2026. Noch immer keine Sanierungsplanung abgeschlossen. Ein weiteres halbes Jahr später wurde bekannt, dass nicht einmal die Vergabe der Sanierungsplanung abgeschlossen war. Es lagen noch keine Angebote für die Bauarbeiten vor, weil die Ausschreibung der eigentlichen Bauleistungen noch gar nicht erfolgt war.
Mit anderen Worten: Ein Jahr nach der Sperrung befand man sich immer noch in einer Vorbereitungsphase. Tatsächliche Bauarbeiten waren weiterhin nicht absehbar.
Ausblick. Wiedereröffnung frühestens 2028. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Aussage vom Juli 2026, dass die Sanierungsplanung nach Beauftragung noch gut ein Jahr dauern werde. Mit dem Baubeginn sei frühestens Ende 2027 zu rechnen. Eine Wiedereröffnung vor dem Sommer 2028 sei nicht zu erwarten.
Damit würde eine seit Juli 2025 gesperrte Treppenanlage mindestens drei Jahre unbenutzbar bleiben. Vom Beginn der Machbarkeitsstudie 2022 bis zur möglichen Wiedereröffnung 2028 vergingen dann sogar rund sechs Jahre.



