Premiere. Mit der 1. Kunstschau »Crossing Currents – Hamburg Art Week« wollen sich unterschiedlichste Künstler:innen, Galerien und Kunstorte erstmals in der ganzen Stadt präsentieren und so auch international sichtbarer werden. Künftig einmal im Jahr
Basel, Miami, Venedig und, neu: Hamburg. Die Stadt bekommt ein neues Kunstformat mit kuratierten Kunstrouten. Vom 3. bis 6. September 2026 feiert »Crossing Currents – Hamburg Art Week« seine Premiere. Die 1. Kunstschau will Museen, Galerien, freie Kunsträume, Sammlungen und Künstler zusammenbringen. Vier Tage lang soll zeitgenössische Kunst in der ganzen Stadt sichtbar werden. Die Zahlen dokumentieren den Anspruch: 18 Museen und Kunstinstitutionen, mehr als 44 Galerien sowie 42 Off-Spaces und unabhängige Initiativen sollen teilnehmen. Hinzu kommen mehrere Kunstsammlungen und der Landesverband der Galerien. Statt eines zentralen Messegeländes wie bei der Art Basel, Art Miami oder der Biennale von Venedig setzt „Crossing Currents“ auf die Stadt selbst. Sechs kuratierte Routen führen Besucher zu unterschiedlichen Kunstorten.
Foto oben: Neues Hamburger Kunst-Quartett: Die Co-Initiatorinnen der Hamburg Art Week, Anna Nowak und Luise Nagel (oben r.), sowie die Co-Direktorinnen Jessica Nupen und Fanny Roy (unten r.). © Steve Thomas Photography
»Die Hamburg Art Week bietet nun mit kuratierten Kunstrouten genau diesen Rahmen und macht die Vielfalt und Qualität der Kulturstadt Hamburg für alle erlebbar.«
Kultursenator Dr. Carsten Brosda: „Hamburg verfügt über eine engagierte Kulturszene von außergewöhnlicher künstlerischer Qualität. Was bisher gefehlt hat, ist ein gemeinsames Format, das die unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure der zeitgenössischen bildenden Kunst in Hamburg zusammenbringt und dieses Potenzial sichtbar werden lässt. Die Hamburg Art Week bietet nun mit kuratierten Kunstrouten genau diesen Rahmen und macht die Vielfalt und Qualität der Kulturstadt Hamburg für alle erlebbar.“
Der Titel „Crossing Currents“ spielt mit Strömungen, Verbindungen und Austausch. Das passt zu einer Hafenstadt, die von Handel, Bewegung und internationalem Kontakt geprägt ist. Entscheidend wird sein, dass daraus mehr entsteht als ein Wochenende für ein ohnehin kunstnahes Publikum. Die Macherinnen setzen deshalb auf Offenheit und Vielfalt. Ausstellungen bilden dabei nur einen Teil des Programms. Dazu kommen Performances, geleitete Führungen und Gespräche. Das Performance-Programm „Pulse“ zum Beispiel verbindet bildende Kunst mit Musik, Klanginstallationen, Tanz, Gesang und gesprochenem Wort. Die Beiträge finden entlang der Kunstrouten statt und sollen auf Ausstellungen, Kunstwerke und Architektur reagieren.

Q. E. D. Gallery. © Maria Jeona Zoleta & Q.E.D Gallery
„Why Another Art Week?“ lautet der Titel geplanter Gesprächsrunden. Expertinnen und Experten aus Kunst und Kultur diskutieren, was Hamburg als Kunststandort ausmacht und was eine Art Week leisten kann. Ein neues Kulturformat muss seinen Platz erst finden, Aufmerksamkeit allein reicht nicht. Genau darauf zielt das Team. Die künstlerische Leitung liegt bei der Kuratorin und Choreografin Jessica Nupen. Gemeinsam mit der Kunst- und Kulturmanagerin Fanny Roy führt sie das Projekt. Initiiert wurde die Hamburg Art Week von Luise Nagel von der Produzentengalerie Hamburg und Anna Nowak, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Kunsthauses Hamburg. Das Hamburg-Art-Week-Quartett beschreibt die Idee so: „Als Gründungsteam wollen wir eine Plattform zu schaffen, die bestehende Verbindungen innerhalb der Hamburger Kunstszene vertieft und den kreativen Charakter der Stadt widerspiegelt – und gleichzeitig neue Beziehungen entstehen sowie lokale und internationale Stimmen miteinander ins Gespräch kommen lässt. Dadurch hoffen wir, den Kontakt zwischen Hamburg und der internationalen Kunstwelt zu stärken und den Ruf der Stadt als lebendigen Ort für zeitgenössische Kunst in weite Kreise hinauszutragen.“
Unterstützt wird die erste Ausgabe von der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, der Zeit Stiftung Bucerius, der Michael Otto Stiftung und M.M. Warburg & CO. „Kunst und Kultur sind wichtig für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, sagt Prof. Dr. Michael Otto. Viele Menschen wüssten nicht, wie vielseitig Hamburgs Kulturszene sei. Und Manuel Hartung, Vorstandsvorsitzender der Zeit Stiftung Bucerius, formuliert den Anspruch noch weiter. Hamburg solle „einen bedeutenderen Platz auf der Kunstlandkarte erlangen“. Die neue Kunstwoche sei eine Plattform für Institutionen, Kunstschaffende und Publikum und könne „die internationale Sichtbarkeit der Stadt erhöhen“.
Einzelne Häuser wie zum Beispiel die Hochschule für bildende Künste haben an den Tagen der Art Week besondere Öffnungszeiten. Und das Dieter Roth Museum kündigt für den Zeitraum vom 3. bis 6. September mehrere Veranstaltungen an. Alle Details unter hamburgartweek.com. Dort findet man auch die Inhalte und Angebote für die sechs Crossing-Currents-Routen und erfährt, welche Künstler:innen im Mittelpunkt stehen.
»Wir hoffen , den Kontakt zwischen Hamburg und der internationalen Kunstwelt zu stärken und den Ruf der Stadt als lebendigen Ort für zeitgenössische Kunst in weite Kreise hinauszutragen.«
Die erste Ausgabe der Hamburg Art Week ist nicht als einmaliges Experiment gedacht. Die Veranstalter wollen die zeitgenössische Kunstschau künftig jährlich stattfinden und wachsen lassen. Die Premiere soll zeigen, ob sich so unterschiedliche Disziplinen und Orte der Kunststadt Hamburg unter einem gemeinsamen Dach verbinden lassen, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.
Hamburg besitzt große Museen, eine lebendige Galerieszene, Kunsthochschulen, Sammlungen und eine Vielzahl unabhängiger Kunst- und Kulturorte. Das Problem war bislang weniger das Angebot als dessen gemeinsame Wahrnehmung. Genau dort will Crossing Currents ansetzen. Man will keine neue Kunstszene schaffen, sondern zeigen, was längst da ist. Man darf gespannt sein, ob es gelingt, auch Menschen für Galerien, Museen und Off-Spaces zu interessieren, die dort sonst selten zu Gast sind. Kultursenator Brosdas Satz von der „Vielfalt und Qualität der Kulturstadt Hamburg“ wäre dann mehr als die politische Begleitung einer Premiere. Er wäre der Maßstab, an dem sich die neue Art Week messen lassen muss. Ihr Ziel, auch die internationale Sichtbarkeit zu erhöhen, kann nur guttun. Robert Bockelmann



