Ein Zwischenruf: Neu leben

Der Corona-Shutdown. Wolfgang Timpe, Herausgeber der HafenCity Zeitung, über die Coronavirus-Krise und erste Zeichen zum Besseren

Welt, Europa, Deutschland, Hamburg, HafenCity: Der Coronavirus-Shutdown, der vollkommene gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenbruch durch Covid-19 findet aktuell und zunehmend statt – gerade bis in die kleinsten Verästelungen in unsere HafenCity hinein. Für ausnahmslos jedes Kleinst-, Mittel- oder Großgewerbe im Quartier – ausgenommen Apotheke, Supermarkt und Konzerne – ist es fünf nach Zwölf. Gerade in der HafenCity, wo schon unter Vor-Corona-Bedingungen viele Selbstständige, Einzelhändler und Gewerbe am kreditierten Existenzminimum gearbeitet haben, schlägt die Corona-Pandemie doppelt kräftig und vernichtend auf zart wachsende Unternehmer*innen ein. Es droht ein schwarzes Loch.

Lassen Sie uns die neu gelebte Solidarität so vieler in den künftigen Nach-Coronavirus-Alltag mit hinübernehmen. Lassen Sie uns bewusster, einfach neu mit erneuerten Werten leben.“

HCZ-Herausgeber Wolfgang Timpe © Erol Gurian (Foto oben)

Kampf gehört in Hamburgs jüngstem Stadtteil zum unternehmerischen Grundverständnis. Doch Covid-19 hat alle Gewohnheiten und sozialen Spielregeln außer Kraft gesetzt. Das ist furchtbar und doch hat die allumfassende Vollbremsung des Spätkapitalismus, das Stillstellen von Schneller, Höher, Weiter, gesellschaftlich und umweltpolitisch auch etwas widersprüchlich Heilendes: Die Smog-Horrorregionen China und Peking sind plötzlich eine der CO2-freiesten Industrie- und Großstadtzonen der Welt und in Venedig ist dank fehlender Kreuzfahrtschiffe und ruhender Industrieproduktion das Wasser klar und die Fische kehren zurück. Daraus folgt keine falsche Romantik. Aber vielleicht hat ja Jogi Löw Recht, der ein weltweites „kollektives Burn-out“ diagnostiziert und eine kollektive Umkehr fordert: Statt der falschen Jagd nach „Machtgier, Profit, noch besseren Resultaten, Rekorden“ und der Tatsache, dass „Umweltkatastrophen uns bislang nur so am Rande berührt haben, Krankheiten irgendwo in der Welt stecken geblieben sind“, gehe es jetzt darum: „Was ist mit der Familie, mit Freunden, wo kann ich die Menschen in meiner Umgebung unterstützen?“ 

Die Bundeswehr nennt das ungewohnte Reagieren auf Krisenzeiten „Leben in Lage“. Vielleicht sind viele tausend Corona-Tote und unzählige vernichtete Klein- und Mittelstands-Existenzen der brutale Preis dafür, was Politik, Parteien und Umweltaktivisten bislang nicht geschafft haben: eine echte Umkehr zu einem bewussteren Miteinander, ein nachhaltiger und radikaler an den Menschen und an Menschlichkeit orientierteres Leben. Insofern heißt die gesellschaftlich radikale Corona-Botschaft u.a. auch: Lassen Sie uns die neu gelebte Solidarität so vieler in den neuen Nach-Coronavirus-Alltag mit hinübernehmen. Lassen Sie uns bewusster, einfach neu mit erneuerten Werten leben. Wolfgang Timpe

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