»Eine einmalige Top-Adresse«

Mönckebergstraße II. Das ehemalige Karstadt-Sport-Gebäude startete im Juli erfolgreich mit 54 Künstler:innen neu als „Artstadt“. Gemanagt wird die Zwischennutzung von Christoph Witthohn, mit dem die HafenCity Zeitung gesprochen hat

Von der HafenCity in die Mönckebergstraße ist es nur ein Katzensprung, und neuerdings sind die kulturellen Verbindungen zwischen Innenstadt und HafenCity ebenfalls eng geknüpft. Bestes Beispiel ist Christoph Witthohn, der als Projektmanager im ehemaligen Karstadt-Sport-Gebäude in der Mönckebergstraße zusammen mit vielen Mitspieler:innen die Fäden in der sogenannten „Artstadt“ zieht. Witthohn, der im M28 Kreativspeicher am Sandtorkai in einer Ateliergemeinschaft sein Büro unterhält, organisiert die „Artstadt“ im „Raum für kreative Zwischennutzung“ und sorgte dafür, dass sich im Juli 54 Künstler:innen auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern im Erdgeschoss präsentieren konnten. „Wir haben hier im Gebäude unterschiedlichste künstlerische Disziplinen: Von Malerei über Bildhauerei und Tanz bis hin zur Erstellung digitaler Kunst ist bei uns alles vertreten“, sagt Witthohn. „Dabei achten wir auf eine hohe Qualität der Arbeiten und stellen bewusst keine Stars der Kunstszene heraus, weil wir breit gefächert sein wollen“, so der 41-Jährige.
Foto oben: Kunst-Werke statt Sport-Artikel, „Artstadt“ statt Karstadt: Die großzügigen Etagen des früheren Karstadt-Sport-Hauses bieten Künstler:innen und Kunsteventmanagern einzigartige Locations für urbane Kultur mitten in der Innenstadt. © Hamburg Kreativ Gesellschaft | Jan-Marius Komorek

Gefördert wird die „Artstadt“ von der Kreativgesellschaft Hamburg, welche die Räumlichkeiten über das Leerstand-Zwischennutzungsprogramm Frei_Fläche vermietet. In den nächsten Monaten finden in den oberen Stockwerken Workshops, Ateliers und unterschiedlichste Projekte ein Zuhause. Celina Behn, Projektmanagerin Frei_Fläche der Hamburg Kreativ Gesellschaft, zog im Gespräch mit der HafenCity Zeitung ein positives und optimistisches Start-Resümee: „Der Anfang ist gemacht, und wir freuen uns auf alles, was kommt.“ Über den Leuchtturm-Effekt, den das Projekt deutschlandweit hat, sagte Behn: „Diese Top-Adresse ist vergleichsweise einmalig in Deutschland, und wir sind zuversichtlich, dass wir eine starke Wirkung zeigen.“

Kunst und Kultur in der City: Neun-Millionen-Etat der Stadt zur kreativen Zwischennutzung. © Hamburg Kreativ Gesellschaft | Jan-Marius Komorek
Kunst und Kultur in der City: Neun-Millionen-Etat der Stadt zur kreativen Zwischennutzung. © Hamburg Kreativ Gesellschaft | Jan-Marius Komorek

Möglich gemacht hat das Projekt ein vom Senat im Juni 2021 beschlossenes Neun-Millionen-Euro-Paket. Für Finanzsenator Dr. Andreas Dressel (SPD) ein Gewinn: „Solche kreativwirtschaftlichen Nutzungen wie hier jetzt an der Mönckebergstraße und auch schon an zahlreichen anderen Orten in Hamburg sorgen für eine Belebung der Quartiere.“ Kuratiert wird die „Artstadt“ von den Ausstellern Markus Armbrecht und Gerland Øye, die Künstler:innen aus aller Welt gewinnen konnten. 

Die wechselnden Ausstellungen sind kostenfrei zugänglich. Einen Gewinn erhofft sich Christoph Witthohn durch die Vernetzung der Künstler:innen. Der HafenCity Zeitung (HCZ) sagte er: „Wir hoffen durch dieses einmalige Projekt über den Zeitraum für die Zwischennutzung hinaus Kunst in die Innenstädte zu bringen, und sind jetzt schon ein Leuchtturm für viele andere Städte mit ähnlichen Konstellationen in Bezug auf leer stehende Karstadt-Immobilien.“ 

Vorangeher:in (v. l.): Katharina Baltz, Kai-Olaf Zink, Christoph Witthohn und Fabian Christmann gehören zu den „Erstbeziehern“ der „Artstadt“ im Ex-Karstadt-Sport-Haus. © Matthias Schinck
Vorangeher:in (v. l.): Katharina Baltz, Kai-Olaf Zink, Christoph Witthohn und Fabian Christmann gehören zu den „Erstbeziehern“ der „Artstadt“ im Ex-Karstadt-Sport-Haus. © Matthias Schinck

Im August nutzten die Kampnagel-Macher:innen die Räumlichkeiten der „Artstadt“, um dort drei Wochen lang die Eröffnung des Deutschen Museums für Schwarze Unterhaltung und Black Music zu feiern (siehe auch Juli-Ausgabe der HCZ). Gegründet von Joana Tischkau, Anta Helena Recke, Elisabeth Hampe und Frieder Blume, ist das Museum mit einer umfassenden Sammlung an Schallplatten, Magazinen, Autogrammen und Erinnerungsstücken Deutschlands führendes Museum für Schwarze Deutsche Kultur und Popgeschichte. 

In Hamburg bekommt das Museum ein Zuhause mit einer langen Historie Schwarzer Entertainer:innen, die von der Schlagersängerin Marie Nejar bis zu Deutschrap-Größen wie Samy Deluxe reicht.

Ab 11. September werden nun afrikanische Künstler:innen, organisiert vom Kultur- und Bildungsverein NaJe e.V. aus Rothenburgsort und seiner Vorsitzenden Christelle Yobo (siehe Bericht rechts), neuen vielfältigen Schwung ins Erdgeschoss der „Artstadt“ bringen. Neben dem kostenlosen Eintritt in die bis 29. September dauernde Ausstellung wird es an Freitagen und Samstagen gegen Eintritt spezielle Tanz- und Clubevents geben. Die Innenstadt erforscht für sich eine neue kulturelle Identität im Herzen von Hamburg. Matthias Schinck

Info

Generelle Informationen zu aktuellen Projekten und kommenden Veran­staltungen und Aus­stellungen erhalten Sie auf www.artstadt.com