»Frohe Zuversicht«

St. Katharinen wird – Lockdown hin, dritte Welle her – eine fröhliche gestreamte Osternacht mit oder ohne Livepublikum feiern. Hier schon mal exklusive Auferstehungsgedanken zur Pandemie-Zeit von St. Katharinen-Pastor Frank Engelbrecht

Die Pandemie kommt mir vor wie eine Wüstenwanderung. Am Anfang war ich auch fasziniert von den Bildern – bei allem Schrecken über die frühen Bilder aus Italien und von anderen Orten –, die zeigten: Die Wüste ist ein lebensfeindlicher Ort für uns Menschen. Ich war fasziniert von der Stille und Weite, die sich auftat. Aber spätestens nach einem Jahr habe ich keine Lust mehr. Leider fragt die Wüste nicht nach Lust und Laune. „Endlich mal wieder ausgiebig duschen oder feiern, dass sich die Tische biegen!“ Schön wär’s. Geht in der Wüste aber nicht, es sei denn auf Kosten anderer.
Foto oben: Wenn in St. Katharinen am Samstag mit Mundharmonika-Jazzer und Pfarrer Frank Engelbrecht die Osternacht 2021 mit Musik, Schauspiel und Predigt eitgeistig gestreamt wird, kann man sich an die guten alten Präsenz­-Gottesdienste und Kultur-Höhepunkte erinnern. © Thomas Hampel 

St. Katharinen-Pfarrer Frank Engelbrecht: „Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Frohe Ostern!‘“ © Privat
St. Katharinen-Pfarrer Frank Engelbrecht: „Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Frohe Ostern!‘“ © Privat

Aber was machen wir, wenn uns Lust, Kraft und Zuversicht schwinden? Mein Vorschlag: Wir gehen in die Wüste, und zwar in Erinnerung an eine große biblische Erzählung vom Exodus. Da führt Moses das Volk Israel auf Gottes Geheiß aus der Sklaverei in Ägypten nach zähen Verhandlungen mit dem hartherzigen Pharao durch die Wüste in die Freiheit. Weltberühmt ist diese Szene: Moses teilt mit Gottes Kraft das Rote Meer und schafft eine Schneise, durch die wehrlose Frauen, Kinder und Männer ihren schwer bewaffneten Verfolgern entkommen. 

Auch Ostern ist mit dem Exodus verbunden. Das Abendmahl, das Jesus am Abend vor seiner Verhaftung mit seinen Jüngern teilt, ist ein Passah-Mahl. Das ist das jüdische Fest zur Erinnerung an die letzte Mahlzeit der Israeliten vor ihrem Aufbruch mit Moses aus Knechtschaft, Unterdrückung, Krankheit und Tod in die Freiheit. Ostern und Passah feiern den Vorgeschmack auf das gelobte Land, in dem Milch und Honig fließen, Menschen einander wieder ohne Angst besuchen, Theater und Musikbühnen öffnen und Friede herrscht statt Krieg. 

Aber dazwischen liegt eben die Wüste. 40 Jahre ist Moses unterwegs und verzweifelt immer wieder an dem Kleinmut seiner Leute, dem er selbst oft kaum zu widersprechen weiß: ,Ach, wären wir doch in Ägypten geblieben! Was hilft das Versprechen der Freiheit, wenn wir unterwegs untergehen? – Gott hilf! Was soll ich da sagen?‘ Wir gehen jetzt ins zweite Jahr der Pandemie. Daraus sollen bitte schön niemals 40 Jahre werden. 

Doch wenn wir unsere Zeit der Pandemie jetzt zu Ostern mit der biblischen Wüstenwanderung vergleichen, öffnet sich die Tür zu einer doppelten Möglichkeit, miteinander und mit der Pandemie umzugehen. Das erste ist, dass wir weiter zueinanderstehen und die Not sehen: die Not der Kranken, der Pflegenden, der Verstorbenen und derer, die um sie trauern. Die Not aller, die um ihre Existenz fürchten. Das andere gehört dazu: Dass wir nach Zuversicht suchen und einander Mut machen und Lust und Glauben wecken weiterzugehen. In alledem suchen wir nach Wegen, die uns nicht im Kreise der Wüste halten, sondern in die Freiheit und Menschlichkeit führen. 

Als St.Katharinen-Event-Kultur-Nächte noch gefüllte und erfüllende Happenings waren. © Thomas Hampel
Als St.Katharinen-Event-Kultur-Nächte noch gefüllte und erfüllende Happenings waren. © Thomas Hampel

Beides feiern wir zu Ostern in den Kirchen dieses Jahr wohl digital im dritten Lockdown in der dritten Welle. Den Zusammenhalt und die geduldige und frohe Zuversicht, an der wir im Glauben mal mit mal gegen die Realität unseres Lebens festhalten. Oder, mit meinem aktuellen Lieblingswort des Paulus aus dem Römerbrief: ,Wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen: Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden. Frohe Ostern!‘“ Frank Engelbrecht

Info Osternacht

„Was ist Wahrheit?“ – Dieser Urfrage der Menschheit nähert sich die Osterkulturnacht 2021 u.a. im Live-Stream aus St. Katharinen – mit Musik, Jazz, Pop, Klassik und Improvisation, Schauspiel, Debatte, Talk-Show und Kabarett, Meditation, Andacht und Gebet.

Osternacht in St. Katharinen mit Jazz-Pianist und Organist ­Daniel Stickan, Saxophonist Max Rademacher u.v.a. © St. Katharinen
Osternacht in St. Katharinen mit Jazz-Pianist und Organist ­Daniel Stickan, Saxophonist Max Rademacher u.v.a. © St. Katharinen


Mit dabei sind: Jazz-Pianist und Organist Daniel Stickan, Kabarettistin, Sängerin und Improvisationskünstlerin Katie Freudenschuss, Saxophonist Max Rademacher, Sänger und Sprecher Markus Riemann, Schauspielerin und Sprecherin Marion Gretchen Schmitz sowie Pastorin Gunhild Warning und Pastor Frank Engelbrecht. 
Außerdem können sich über Chat und Mail alle einmischen, die sich von fern und nah in den Live-Stream dazu schalten. 
Oster-Kulturnacht im Live-Stream aus der Hauptkirche St. Katharinen Samstag, 3. April 2021, ab 21.30 Uhr 
undTurmaufstieg ab 23.30 Uhr. Live Stream und Gottesdiensttermine auf www.katharinen-hamburg.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

49 + = 53