Ozean-Kunst trifft Olympia-Ja und Mode-Material

Jimmys Parkett. Der HCZ-Reporter über Events, People und Schnack aus dem Quartier

Ich bin trocken geblieben, obwohl ich tief in den Ozean eingetaucht bin. Das klingt wie ein Widerspruch, ist aber die ehrlichste Beschreibung dessen, was ich im Port des Lumières erlebt habe. Die neue Show »Wunderwelt Ozean – Ein immersiver Tauchgang« zieht einen hinein, ohne dass man es merkt. Kein Becken, kein Wasser, keine Taucherbrille – und doch steht man plötzlich mitten im Meer. Es beginnt ruhig. Ein Morgen, eine glatte Oberfläche. Dann Bewegung. Licht bricht durch das Wasser. Delfine schießen durch den Raum, nicht auf einer Leinwand, sondern um einen herum. In diesem Moment kippt etwas. Man schaut nicht mehr. Man ist drin. Über 70 Prozent der Erde sind Ozean. Diese Zahl kennt man, aber man spürt sie selten. Hier wird sie Emotion, Weite und Tiefe. Und eine Welt, die größer ist als alles, was wir an Land kontrollieren. Ein Weißer Hai zieht an mir vorbei. Ein Wal schiebt sich durch den Raum. Quallen pulsieren im Takt der Musik. Alles in Lebensgröße. Man steht still und merkt, wie klein man ist. 
Foto oben: Die neue Show »Wunderwelt Ozean – Ein immersiver Tauchgang« im Port des Lumières zieht einen hinein, ohne dass man es merkt. Kein Becken, kein Wasser, keine Taucherbrille – und doch steht man plötzlich mitten im Meer. © Fabijan Vuksic

Die Technik verschwindet dabei komplett. Es geht nicht um Projektionen oder Bildschärfe. Es geht um das Eintauchen in Bilder, Klang und Raum greifen ineinander. Der Boden bewegt sich, die Wände leben. Man verliert die Orientierung, aber nicht die Kontrolle. Es ist eher ein langsames Gleiten. Besonders stark sind die Momente, in denen nichts passiert. Kein Spektakel. Nur Licht, das durchs Ozeanwasser fällt. Oder ein Schwarm Fische, der sich lautlos bewegt. Diese Ruhe wirkt länger nach als jede große Szene. 

Die Show arbeitet mit echten Aufnahmen und Animationen. Mehr als hundert Arten sind zu sehen. Viele davon kennt man nur aus Dokumentationen. Hier kommen sie näher. Und gleichzeitig wird klar, wie weit weg diese Welt ist. Was bleibt, ist ein Staunen – und eine leise Irritation. Weil man merkt, wie wenig man eigentlich versteht von dem, was unter der Oberfläche passiert. Und wie fragil alles ist.

Ich bin rausgegangen und musste kurz überlegen, wo ich bin. Ach ja, meine HafenCity. Beton. Straßen. Lärm. Es hat ein paar Minuten gedauert, bis ich aus der neuen Port des Lumières-Schau von der »Wunderwelt Ozean – Ein immersiver Tauchgang« wieder im Leben angekommen war. So etwas passiert mir sehr selten. Und genau deshalb lohnt sich der Besuch.
Port des Lumières, Platz am 10. Längengrad 1, 20457 Hamburg; port-lumieres.com/de

»OlympJA Hamburg«-Initiator Matthias Onken: „Wir haben gehandelt. In Eigeninitiative. Ohne Auftrag von oben.“ © Thomas Panzau

Hamburg diskutiert nach 2015 wieder einmal über Olympia. Verschiedenen Befürworter:innen aus der Hamburger Stadtgesellschaft fehlt es für die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 und 2044 deutlich an Verve und Überzeugungskraft aus dem Senat, die Bürger:innen für diese Volksbefragung am 31. Mai zu begeistern. Darum kommt jetzt zusätzlich ein Pro-Olympia-Impuls aus der Stadt selbst – aus Vereinen, Initiativen und Privatleuten. Auch ich gehöre dazu.

Wir haben in den letzten Wochen gemerkt, wie groß die Unterstützung ist. Vor allem bei jungen Menschen. „Die Jugendlichen in dieser Stadt stehen sehr hinter der Idee“, sagt Matthias Onken, er bündelt die ehrenamtlichen Bestrebungen für die »OlympJA Hamburg«-Initiative. Diese Stimmung ist in der öffentlichen Debatte deutlich unterrepräsentiert. Zu oft dominieren Zweifler und Neinsager die Schlagzeilen und Berichte. Die gehören dazu, jedoch sind nicht das ganze Bild der Meinung in der Stadt. „Deshalb haben wir gehandelt. In Eigeninitiative. Ohne Auftrag von oben. Am 24. April, mit Beginn der Briefwahl, haben wir einen großen Event auf dem Jungfernstieg organisiert. Musik. Sport. Begegnung. Es war eine offene Bühne für alle, die Lust auf Olympia in Hamburg haben. Es sollte genau kein politischer Termin sein. Und es hat sich für alle Teilnehmer:innen wie ein Fest angefühlt“, so Onken.

Es gehe den Initiatoren um Emotionen, vor allem auch um Vorfreude. „Es ist Zeit, gute Laune zu verbreiten und Lust zu machen“, sagt OlympJA Hamburg-Sprecher Onken. Genau das fehle bislang und müsse bis zum Referendum-Tag am 31. Mai inensiv geweckt werden. Dabei reden wir über ein Projekt, das wenn überhaupt wahrscheinlich erst 2040 oder später stattfinden soll – 2036 möchte Hamburg wegen der Nazi-PR-Spiele 1936 gerne vermeiden. Es bleibt Zeit, vieles besser zu machen als andere Städte.

Natürlich gebe es Sorgen bei den Menschen über zu hohe Mieten und womöglich hohe Olympiakosten. Diese Fragen seien berechtigt und müssten gestellt und vom Senat eindeutig beantwortet werden. Aber ein einfaches „Nein“ löse heute kein Problem von morgen, sagt Mitinitiator von OlympJA Hamburg Uwe Bergmann, viele kennen ihn noch als Veranstalter des Duckstein-Festivals bei uns in der HafenCity. 

„Ein Ja eröffnet die Chance, das Konzept gemeinsam zu verbessern“, findet er: „Ich stehe hier als Bürger, nicht als Unternehmer“, bezieht er zur Kick-off-Veranstaltung von OlympJA Hamburg Position. Für ihn gehe es nicht um Profit, sondern darum, was eine Stadt bewegen könne. Wer 2006 beim Fußball-Sommermärchen an den Public-Viewing-Events in Hamburg teilgenommen habe, wisse, wie viel positive Energie und Lust das gemeinsame Erleben gab.

Olympia kann Vereine stärken und Integration fördern, Kinder in Bewegung bringen und neue Erlebnisorte in der Stadt schaffen. Aber: Die Mehrheit muss es wollen und mitgestalten können. Was ja gewollt ist, aber von der Senatskampagne nur unzureichend den Menschen nahegebracht wird. Das will die OlympJA Hamburg-Initiative jetzt bis zur Wahl am Sonntag, 31. Mai, stadtweit mit auf den Weg bringen und eine Lust-auf-Olympia-Stimmung wecken. Der 24. April auf dem Jungfernstieg war nur der Startschuss: Hamburg kann das, wenn wir es gemeinsam wollen! Für mich geht es auch um eine mutmachende positive Grundhaltung und: um die Zukunft unserer Stadt! Weitere OlympJA-Events folgen.
Infos unter: OlympJA

„FAZ“-Podium in Hamburg: Die Umsetzung des Klimaentscheids konstruktiv angehen. © Christof Hürter

Der Hamburger Klimaentscheid zum Vorziehen der CO₂-freien Metropole um fünf Jahre von 2045 auf 2040 spaltet das Podium. Einigkeit herrscht nur beim Ruf nach Klarheit. Sechs Monate nach dem Hamburger Klimaentscheid ist von Aufbruch wenig zu spüren. Stattdessen dominiert Unsicherheit. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion der ­„Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) in der Freien Akademie der Künste deutlich. Auf dem Podium saßen Christian Lindner, Prof. Dr. Götz Wiese von „Hamburg vor zur Welt“, Annika Rittmann als Mitinitiatorin des Zukunftsentscheids, Dr. Anne Lamp, CEO von Traceless, sowie „FAZ“-Redakteurin Susanne Preuß.Der Konflikt war klar. Die einen sehen im Entscheid ein demokratisches Mandat für mehr Tempo. Die anderen warnen vor wirtschaftlichen Schäden und sozialer Überforderung.

Annika Rittmann forderte, endlich in die Umsetzung zu kommen. Das Problem liege nicht im Ziel, sondern im Stillstand danach. Sie sagte mir später, es gehe nicht darum, alles neu zu machen, sondern vorhandene Maßnahmen schneller umzusetzen, Fortschritte zu messen und Menschen stärker einzubeziehen. Der Senat habe bislang keinen klaren Plan vorgelegt. Aus ihrer Sicht müsse das Gesetz jetzt konkretisiert werden und endlich Wirkung entfalten. Christian Lindner zeigte sich deutlich skeptischer. Er erklärte, Hamburg müsse sich fragen, ob es Vorbild werde oder eher abschreckendes Beispiel. Der Anteil der Stadt am globalen CO₂-Ausstoß sei gering. Gleichzeitig warnte er vor wirtschaftlichen Folgen. Wenn funktionierende Anlagen vorzeitig stillgelegt würden, entstünden Verluste. Auch im Verkehr plädierte er für Technologieoffenheit. Viele Menschen seien auf das Auto angewiesen. Klimapolitik habe einen Preis, und über diesen müsse offen gesprochen werden. Für diese Position bekam er deutlichen Gegenwind aus dem Publikum. Auf Kritik reagierte er knapp mit den Worten: „Das muss man aushalten.“

Götz Wiese nahm eine vermittelnde Rolle ein. Er kritisierte den politischen Umgang mit dem Entscheid nach der Abstimmung, betonte aber, das Ergebnis sei zu respektieren. Nun müsse Hamburg das Beste daraus machen. Gleichzeitig verwies er auf begrenzte Handlungsspielräume, etwa im Verkehr oder im Hafen. Dort greife vor allem Bundesrecht. Im anschließenden Gespräch sagte er mir, Unsicherheit sei Gift und es brauche verlässliche Rahmenbedingungen. Nur so könnten Bürger und Unternehmen planen.

Damit zeigte sich der Kern des Abends. Für die einen schafft der Klimaentscheid Orientierung. Für die anderen erzeugt er neue Unsicherheit. Für die einen ist das Ziel, 2040 ein CO2-freies Hamburg zu erreichen, notwendig. Für die anderen viel zu riskant. Der Abend machte vor allem eines deutlich: Der Klimaentscheid ist beschlossen. Doch wie er umgesetzt wird, ist offen. Genau darin liegt jetzt die eigentliche politische Aufgabe.

Nachhaltige Mode (v. l.): Stefanie Gornicki, Dörpwicht, Dr. Andrea Wiehler, Nudebutbetter, und ­Franzi Kordis, ­Dörpwicht, mit Cocker Lotte. © Privat

Mitten in unserer Innenstadt, im ­Future Fashion Lab der Kreativ Gesellschaft in der Galleria Passage, passiert etwas, das man leicht übersehen könnte. Dort trifft HafenCity auf Hannover. Zwei Labels, zwei Handschriften, ein gemeinsamer Raum. Dr. Andi Wiehler ist vielen in der HafenCity seit Jahren bekannt. Sie war es vor gefühlt hundert Jahren, die meinem Mann und mir vom Projekt Hafenliebe erzählte, 2012 waren wir dann gemeinsam dort eingezogen.

Vor drei Jahren gründete Andrea Wiehler das Label nudebutbetter. Nicht aus Kalkül, sondern aus Leidenschaft für Mode und Materialien. Hauptberuflich lehrt sie Betriebswirtschaft an der Hamburger Hochschule. Nebenbei entwickelt sie Kleidung, die man kaum spürt. Ihre Shirts wiegen nur rund 60 Gramm. Sie kommen ohne Seitennähte aus und legen sich eng an den Körper. „Das soll sich anfühlen wie eine Umarmung“, sagt sie. Wer sie trägt, versteht schnell, was sie meint. Neben ihr steht ein Label aus Hannover mit einem ganz anderen Ansatz: Dörpwicht, übersetzt Dorfmädchen, arbeitet konsequent mit natürlichen Materialien wie Wolle, Seide und Leder, das mit Olivenblättern gegerbt wird. Alles wird in Deutschland gefertigt. Selbst Details wie Reißverschlüsse stammen aus heimischer Produktion. Die Stücke sind klar, ruhig und handwerklich präzise. Was beide verbindet, ist der Anspruch. Keine schnelle Mode, keine Kompromisse. Wer möchte, kann die Kleidung direkt vor Ort kaufen oder anpassen lassen. Es geht nicht um Masse, sondern um Dinge, die bleiben. Ich kenne Andrea Wiehler seit drei Jahrzehnten. Und vielleicht bin ich deshalb nicht ganz objektiv. Aber genau solche Projekte zeigen, dass Mode auch anders kann.
Infos unter: galleria-hamburg.de und nudebutbetter.com und doerpwicht.com

Alles Gute, euer Jimmy

_______________________
Jimmy Blum ist Unternehmer und lebt in der HafenCity und in Nocera, Umbrien. 

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

Abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter!

Das könnte Ihnen auch gefallen