Szene. Das Hamburger Clubschiff und Kulturdenkmal »MS Stubnitz« findet einen neuen temporären Standort am Cruise Center Baakenhöft in der HafenCity
Die »MS Stubnitz« bleibt Hamburg als Kulturort erhalten. Ab Oktober zieht das ehemalige Kühlschiff an das Cruise Center Baakenhöft in der HafenCity. Dort soll die Stubnitz mindestens bis Anfang 2028 liegen und weiter Konzerte, Clubnächte, Kunst und kulturelle Veranstaltungen anbieten. Damit endet vorerst die lange Suche nach einem neuen Liegeplatz, dauerhaft gelöst ist die Standortfrage aber noch immer nicht.
Foto oben: Kultursenator Dr. Carsten Brosda:„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, den Kulturort Stubnitz und auch das Kulturdenkmal Stubnitz zu erhalten.“ © Hauke Dressler
Hamburgs Kultursenator Dr. Carsten Brosda sprach bei der Vorstellung des neuen Liegeplatzes von einer wichtigen Lösung für die Stadt. „Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, den Kulturort Stubnitz und auch das Kulturdenkmal Stubnitz zu erhalten“, sagte Brosda. Das Schiff sei inzwischen ein fester Bestandteil der Hamburger Kulturszene geworden.
Die Suche nach einem langfristigen Liegeplatz bleibt trotzdem kompliziert. Auf Nachfrage der HafenCity Zeitung erklärte Brosda, warum eine dauerhafte Lösung im Hafen so schwer zu finden ist: „weil wir im Hafen auf der Südseite mit der Hafenwirtschaft tatsächlich aktiv sind und man die Plätze hätte. Aber da ist es mit dem Besucherverkehr schwierig.“ Gleichzeitig verändere sich die Stadt permanent. „Wir haben Baustellen, heranrückende Wohnbebauung und viele andere Fragen, wo immer wieder Konflikte gelöst und austariert werden müssen“, sagt Brosda. „Und solange die Stadt noch so sehr in Bewegung ist und hier so viel passiert, muss man halt ein bisschen flexibel bleiben.“
Der neue Standort am Baakenhöft soll nun zumindest für einige Jahre Planungssicherheit bringen. Möglich wurde der Umzug auch, weil Kreuzfahrtschiffe inzwischen früher als geplant am neuen Cruise Center HafenCity abgefertigt werden können. Dadurch wird der bisher genutzte Liegeplatz frei. Vertreter der Cruise Gate Hamburg GmbH erklärten, man freue sich, einen kleinen Beitrag zum Erhalt des Kulturortes leisten zu können.
Auch die HafenCity Hamburg GmbH sieht die Stubnitz als wichtigen Teil der Stadtentwicklung. Geschäftsführer Dr. Andreas Kleinau sprach von einem „wertvollen Beitrag“ für das Quartier. Kultur gehöre zu „einer lebendigen Stadtentwicklung“ dazu. Gleichzeitig müsse man „Konflikte mit neuer Wohnbebauung und anderen Nutzungen im Hafen“ immer wieder neu lösen.

Felix Stockmar von der Stubnitz-Crew, HafenCity-Geschäftsführer Dr. Andreas Kleinau und
Jörg Jocker von Cruise Gate Hamburg. © Jimmy Blum
Für die Crew der Stubnitz ist der neue Standort mehr als nur eine Zwischenlösung. Betreiber Felix Stockmar sagte im Gespräch mit der HafenCity-Zeitung, dass sich „das Team der Stubnitz bewusst gegen andere mögliche Orte entschieden“ habe. Vor allem ein Standort rund um St. Pauli und die Landungsbrücken sei immer wieder diskutiert worden. „Es hat alles sein Für und Wider“, sagte Stockmar. „Aber am Ende haben wir als Crew schon das Gefühl, der Standort hier gefällt uns besser als zum Beispiel St. Pauli.“
Der Grund liege vor allem im Publikum. „Die Menschen, die hierherkommen, kommen einfach, weil sie zu uns kommen wollen“, sagt Stockmar. Dadurch entstehe eine andere Gemeinschaft und Atmosphäre als an den stark touristisch geprägten Orten rund um die Reeperbahn. „Das passt besser zu dem, was wir inhaltlich und kuratorisch machen.“ Seit dem Umzug in die HafenCity im Jahr 2013 habe sich auch das Verhältnis zur Nachbarschaft entspannt. Zwar habe es anfangs Konflikte wegen Lärm und Veranstaltungen gegeben, doch inzwischen gebe es auch viel Zuspruch aus dem Quartier. „Das eine Lager hat gesagt: Um Gottes willen, was soll das hier alles“, erinnert sich Stockmar. „Und das andere Lager hat gesagt: Das ist halt ein Ort, wo mal etwas passiert, wo Menschen etwas Spannendes tun.“
Die Idee, die Stubnitz künftig neben der geplanten neuen Oper am Baakenhöft liegen zu haben, finden viele Beteiligte reizvoll. Senator Brosda sprach von einer „schönen Gesamtkonstellation“ für den Kulturstandort am Wasser. Gleichzeitig bleibt offen, wie es nach Beginn der Bauarbeiten für die Oper weitergeht. Spätestens Anfang 2028 muss deshalb erneut nach einer Lösung gesucht werden.
Für die Stubnitz selbst bleibt der Wunsch dennoch klar. Auf die Frage nach einem dauerhaften Traumstandort antwortete Stockmar: „Zum einen ist es auf jeden Fall Hamburg.“ Für die Hamburger Kulturszene ist der neue Liegeplatz deshalb vor allem eines: ein wichtiges Signal für den Erhalt eines besonderen Ortes im Hafen.
Die MS Stubnitz war ursprünglich als Kühlschiff der DDR-Handelsflotte unterwegs. Heute gilt sie als eines der bekanntesten schwimmenden Kulturprojekte Europas. Seit vielen Jahren finden auf dem Schiff internationale Konzerte, elektronische Musikveranstaltungen, Ausstellungen und Festivals statt. Gerade die Mischung aus Industriecharme, Hafenatmosphäre und unabhängiger Kulturszene macht den Ort für viele Besucher besonders. Immer wieder treten dort Künstler auf, die später große Hallen füllen. Gleichzeitig bleibt die Stubnitz bewusst ein alternativer Kulturraum mit vergleichsweise kleinen Veranstaltungen und direktem Kontakt zwischen Publikum und Künstlern.
Mit dem neuen Standort am Baakenhöft bleibt dieser besondere Ort nun zumindest für einige Jahre erhalten. Für viele Beteiligte ist das auch ein Zeichen dafür, dass Kultur im Hamburger Hafen weiterhin ihren Platz haben soll – trotz wachsender Stadt, neuer Wohnungen und großer Bauprojekte rund um die HafenCity. Jimmy Blum
Info Weitere Informationen zur »MS Stubnitz« und ihrem Programm unter: stubnitz.com



