Grün ist das neue Rot

Bezirksversammlungswahl HafenCity: SPD stürzt ab, Grüne steigen auf.

Eigentlich kann er sein Glück immer noch nicht so richtig fassen. Die Wähler in Hamburg-Mitte haben bei den Wahlen zur Bezirksversammlung drei FDP-Kandidaten ins Stadtteilparlament geschickt, freut sich der HafenCity-Kandidat James „Jimmy“ Blum. „Jetzt haben wir die Deluxe-Variante, dass wir als FDP Fraktionsstatus in der Bezirksversammlung haben und mit Anträgen nachhaltiger etwas bewegen können.“ Blum ist wichtig, dass er „mit einem ganz persönlichen Wahlkampf und ohne Politparolen“ im Quartier gewählt worden ist. 

Infografik: ©HafenCity Zeitung, Tobias Hahn
Infografik: ©HafenCity Zeitung, Tobias Hahn

Foto oben: James „Jimmy“ Blum, frisch gewähltes Mitglied der neuen FDP-Fraktion im Bezirk Hamburg-Mitte: „Geht es den Leuten im Viertel gut, freuen sich die Einzelhändler.“ Foto: Privat

Authentische, wichtige und grüne Themen hatte die Bezirks-SPD mit ihrem Koalitionspartner, den Grünen, in Hamburg-Mitte auch, organisierte neben Milliarden-Investitionen für den Wohnungsbau u.a. auch 35 Millionen Euro für die Parkanlagen des Bezirks Mitte – aber die Wähler hben es der SPD nicht zugerechnet. „Was will man machen, wenn unsere Herzblut-Themen Wohnungen und Leben im Stadtteil nicht durchkommen und vom Klima-Stimmungstrend in Berlin und Brüssel abgestraft werden“, so SPD-Fraktionschef in Mitte und Spitzenkandidat Tobias Piekatz enttäuscht. 

Tobias Piekatz, SPD-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte: „
Tobias Piekatz, SPD-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte:
„Ich stehe auch künftig dafür, das Leben in den Stadtteilen des Bezirks Mitte jeden Tag ein bisschen besser zu machen.“ Foto: Privat

Der Schock für die Hamburger SPD: Mit Gesamtverlusten von zehn Prozent im Bezirk Mitte (-9,9 Prozent in der HafenCity; s. Grafik u.) fiel die Niederlage für sie überall krachend aus. Und im Gegenzug haben die Grünen in Mitte um 10,8 Prozent (in der HafenCity sogar um 14,3 Prozent) erdrutschartig dazu gewonnen. Fakt ist Fakt: Grün ist das neue Rot in Hamburg und im Bezirk Mitte. Piekatz schaut nach vorne, will analysieren, „wo wir bes-ser werden müssen“, und hält ansonsten an seinem Bezirk-Mitte-Motto fest: „Ich stehe auch künftig dafür, das Leben in den Stadtteilen des Bezirks Mitte jeden Tag ein bisschen besser zu machen.“ Doch vorher beginnt erst einmal auf Kreisebene der Parteien das Pokern um künftige Koalitionen in der neuen Bezirksversammlung. Und der frisch gewählte FDP-Gewinner Blum aus der HafenCity stiftet noch Hoffnung für die Kummer gewohnten Gewerbetreibenden: „Geht es den Menschen im Viertel gut, freut sich auch der Einzelhandel. Das kann ich als Unternehmer beurteilen.“ Er will mit seiner FDP-Fraktion in der Bezirksversammlung „Gas geben“. Seine Themen sind eine „vernünftige und ökologisch vertretbare Verkehrsführung“ rund um das neue „Westfield Hamburg Überseequartier“ und eine „fröhliche Lebensqualität“.

Gunter M. Böttcher, Mitglied der CDU-Fraktion im Bezirk Hamburg-Mitte: „Ich setze mich noch stärker als bisher dafür ein, dass wir mit den Menschen reden, ihnen zuhören und wissen, was im Quartier läuft.“ Foto: Privat
Gunter M. Böttcher, Mitglied der CDU-Fraktion im Bezirk Hamburg-Mitte:
„Ich setze mich noch stärker als bisher dafür ein, dass wir mit den Menschen reden, ihnen zuhören und wissen, was im Quartier läuft.“ Foto: Privat

Enttäuscht über das schlechte Ergebnis der CDU in der HafenCity mit Verlusten von 8,9 Prozent ist auch der erfahrene Bezirkspolitiker und HafenCity-Bewohner Gunter M. Böttcher: „Ich habe gegen den Trend gearbeitet.“ „Wir müssen den Leuten zuhören  und wissen, was im Quartier läuft.“ Er hat sich kurz geschüttelt  und behält seinen Stadtteil-Optimismus: „Ich setze mich noch stärker als bisher dafür ein, dass wir mit den Menschen reden, ihnen zuhören und wissen, was im Quartier läuft.“ Und was brennt den Bewohnern unter den Nägeln? Böttcher: „Die Verkehrsbelastung und dass endlich der Schulcampus im Lohsepark kommt. Das dialogische Verfahren mit den Eltern, Anwohnern und Schulbehörde muss vertieft werden und die Ideen der Eltern müssen ernst genommen werden. Nur reden hilft nicht.“ Wolfgang Timpe

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