Hoffnungsschimmer

#CoronaHH: Gastronomie soll zum 18. Mai öffnen können

Für einen Lichtblick am Corona-geplagten Himmel der Gastronomie und Hotellerie sorgte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) jetzt mit einem Vorstoß: Dem NDR sagte er, er könne sich durchaus vorstellen, die generellen Verbote für Gastronomie und Hotellerie ab dem 18. Mai zu lockern und Öffnungen unter bestimmten Auflagen wieder zu erlauben. Um eine länderübergreifende Regelung abzustimmen, sei er mit seinen Kollegen in den anderen Bundesländern und mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Gespräch. „Das hängt aber natürlich auch von der Infektionsentwicklung ab“, sagte Westhagemann und warnte damit zugleich vor zu hohen Erwartungen. 

Foto oben: Dem NDR sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, er könne sich durchaus vorstellen, die generellen Verbote für Gastronomie und Hotellerie ab dem 18. Mai zu lockern und Öffnungen unter bestimmten Auflagen wieder zu erlauben. © Wolfgang Timpe

Voraussetzung für Lockerungen im Gastgewerbe sei, dass die Infektionen auf dem Stand blieben, wo sie seien. Der Wirtschaftssenator äußerte großes Verständnis für die Existenznöte und Ängste in den Betrieben. Gastronomie, Hotels und die Tourismusbranche seien von den Einschränkungen besonders hart getroffen, weil sie komplett geschlossen wurden. Es sei wichtig, ihnen und den Branchen im Freizeit- und Tourismusbereich wie Schausteller, Anbietern von Hafenrundfahrten oder Unternehmen wie dem Miniatur-Wunderland eine Perspektive zu geben. Hamburg arbeite außerdem an einem weiteren Liquiditätskredit für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. 

Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. peter Tschentscher: „Wir sind in Hamburg sehr froh, dass wir hier leben dürfen. Aber ein Teil der Lebensqualität besteht auch darin, dass wir ins Umland fahren ... und „ein Hamburger ist natürlich jetzt nicht infektiöser als irgend ein anderer Mensch in Deutschland.“ © Christian Charisius / dpa
Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher: „Wir sind in Hamburg
sehr froh, dass wir hier leben dürfen. Aber ein Teil der Lebensqualität besteht
auch darin, dass wir ins Umland fahren … und „ein Hamburger ist natürlich jetzt nicht infektiöser als irgend ein anderer Mensch in Deutschland.“ © Christian Charisius / dpa

Spielplätze und Kitas. Für Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) haben Spielplätze und Kitas oberste Priorität bei möglichen Lockerungen. Zwar sei die Relevanz der Gastronomie „unheimlich groß“, aber Restaurants seien deutlich schwerer zu kontrollieren. „Es ist offenkundig, dass es an bestimmten Stellen wirklich Druck gibt“, sagte -Tschentscher. Das gelte auch für die Kita- und Spielplatzfrage. Deshalb wolle Hamburg schon sehr bald Regelungen finden, Öffnungen der Spielplätze und Kitas zuzulassen. 

Reisen.Mit Blick auf die Mai-Ferien, die am 16. Mai beginnen, hofft der Bürgermeister darüber hinaus auf eine baldige Lockerung der Corona-Reisebeschränkungen in den benachbarten Bundesländern. Die Diskussionen darüber in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen gingen voran. „Wir sind hier in Hamburg sehr froh, dass wir hier leben dürfen. Aber ein Teil der Lebensqualität besteht auch darin, dass wir ins Umland fahren“, sagte -Tschentscher. Hamburg habe derzeit eine sehr niedrige Infektionsrate: „Insofern ist ein Hamburger natürlich jetzt nicht infektiöser als irgend ein anderer Mensch in Deutschland.“

Schulen. Wenig Hoffnung macht Schulsenator Ties Rabe (SPD) dagegen Corona-gestressten Eltern und Schülern im Homeschooling auf eine baldige Öffnung der Schulen. Für dieses Schuljahr schließt er eine Rückkehr zum normalen Unterricht vor den Sommerferien aus. „Ich glaube, garantieren kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur, dass der normale Schulbetrieb vor den Sommerferien auf keinen Fall wieder losgehen wird“, sagte der Schulsenator. Er hoffe aber, dass zu den Sommerferien zumindest aus jeder Klassenstufe die Schülerinnen und Schüler abwechselnd in der Schule sein können. Wolfgang Timpe

Kolumnist Jan Ehlert zitiert den Hamburger Schriftsteller Wolfgang Borchert in Bezug zum Corona-Lockdown: Die Tür schließt sich hinter ihm und nun, so Borchert, „hatte man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst“. © Privat
Kolumnist Jan Ehlert zitiert den Hamburger Schriftsteller Wolfgang Borchert
in Bezug zum Corona-Lockdown: Die Tür schließt sich hinter ihm und nun, so Borchert, „hatte man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen,
zusammen eingesperrt, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst“. © Privat

Sich selbst begegnen

Jan Ehlert in seiner Kolumne Literatur zur (Corona-) Lage:

Es ist, als hätte Egmont, der Held in Goethes gleichnamigen Drama, unsere Zeit erlebt: Es seien bereits Maßregeln genommen, dem Übel kräftig zu begegnen, rät er den Bürgern von Brüssel in einer Krisensituation: „Bleibt zu Hause; leidet nicht, dass sie sich auf den Straßen rotten. Vernünftige Leute können viel tun.“

Doch auch der oder die Vernünftigste ist in den vergangenen Wochen womöglich an seine oder ihre Grenzen gestoßen. Rutschte, wie Egmont, von „himmelhochjauchzend“ zu „zu Tode betrübt“. Ist wie Rilkes Panther tausendmal am Fenster vorbeigelaufen, hat sehnsüchtig hinausgeschaut, der Blick so müd geworden, dass er nichts mehr hält, und hinter tausend Fenstern keine Welt, in die man gehen dürfte. 

Johann Wolfgang von Goethe dichtete schon vor mehr als 230 Jahren: „Es gönnten ihr die Musen jede Gunst / Und die Natur erschuf in ihr die Kunst / so häuft sie willig jeden Reiz auf sich / Und selbst dein Name ziert, Corona, dich.“ © www.pixabay.com
Johann Wolfgang von Goethe dichtete schon vor mehr als 230 Jahren:
„Es gönnten ihr die Musen jede Gunst / Und die Natur erschuf in ihr die Kunst /
so häuft sie willig jeden Reiz auf sich / Und selbst dein Name ziert, Corona, dich.“
© www.pixabay.com

Lockdown, das bedeutet eingesperrt sein. Dieses Gefühl hat der Hamburger Schriftsteller Wolfgang Borchert in seiner Kurzgeschichte „Die Hundeblume“ eindrücklich beschrieben. Die Tür schließt sich hinter ihm, und nun, so Borchert, „hatte man mich mit dem Wesen allein gelassen, nein, nicht nur allein gelassen, zusammen eingesperrt, vor dem ich am meisten Angst habe: Mit mir selbst.“ Jetzt erst merken wir, wie gut wir darin waren, uns abzulenken. Nicht über uns selbst nachzudenken, sich mit uns selbst beschäftigen zu müssen. 

Doch genau in dieser Innenschau liegt eine große Chance, schreibt Borchert: „Ich kann nicht sagen, dass es unbedingt furchtbar ist, aber es ist eines der tollsten Abenteuer, die wir auf dieser Welt haben können: Sich selbst zu begegnen.“ Eine Weisheit, die schon die alten Philosophen predigen: Erkenne dich selbst, stand über dem Apollotempel von Delphi, und nicht umsonst heißt das bis heute wichtigste Werk Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“.

Wohin eine solche Selbstbetrachtung führen kann, hat auf wunderschöne Weise die Hamburger Schriftstellerin Ulla Hahn gezeigt, die Ende April 75 Jahre alt wurde. Ihre vierbändige Romanserie um die junge Hilla Palm ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Leben. Und vieles, was sie ausmacht, so sagt sie, habe sie erst beim Aufschreiben wirklich verstanden.

Vielleicht also nutzen wir die erzwungene Auszeit dafür, selbst kreativ zu werden. Dann bleiben wir nicht nur physisch, sondern auch geistig gesund. Und es könnte sich am Ende auch bewahrheiten, was Johann Wolfgang von Goethe schon vor mehr als 230 Jahren dichtete: „Es gönnten ihr die Musen jede Gunst / Und die Natur erschuf in ihr die Kunst / so häuft sie willig jeden Reiz auf sich / Und selbst dein Name ziert, Corona, dich.“

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