Jazz & Pop im Dock

Foto: Elbjazz-Outdoor-Hauptbühne Blohm & Voss, Elbjazz-Artist in Residence-Pianistin Julia Hülsmann: „Jazz ist für mich Freiheit.“ ©Dario Dumancic, Elbjazz Festival

Mehr als 50 Konzerte auf acht Bühnen beim Elbjazz-Festival am 31. Mai und 1. Juni

Vorfreude auf Livemusik: Das Elbjazz-Festival verwandelt den Hamburger Hafen am 31. Mai und 1. Juni wieder in eine Konzertbühne. Mehr als 50 Konzerte stehen in der HafenCity und auf dem Werftgelände von Blohm+Voss auf dem Programm. Auf acht Bühnen treten die Musiker auf – in und auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie ebenso wie in der Hauptkirche St. Katharinen, auf der MS Stubnitz im Baakenhafen sowie auf drei Bühnen bei Blohm+Voss. Verbunden werden die Locations durch Bus- und Fährshuttle. 

Das Programm bedient alle Spielarten des Jazz. „Musikalisch ist für jeden etwas dabei, vom reinen Jazz über Funk, Soul, HipHop und Afrobeat bis zu elektronischen Klängen“, versprechen die Veranstalter. Zu den Höhepunkten gehört  das Konzert von Jamie Cullum am Freitagabend. Dass der britische Songwriter zu den besten Entertainern im Jazz gehört, hat er beim Elbjazz Festival bereits 2013 bewiesen. Michael Wollny, der eins seiner vier Elbjazz-Konzert 2018 wegen Unwetter absagen musste, wird jene Show dieses Jahr nachholen. 

Elbjazz-Outdoor-Bühne vor der Elbphilharmonie am Platz der Deutschen Einheit vorm Carls: „Das Elbjazz lebt von den besonderen Locations im Hafen.“ ©Christian Spahrbier, Elbjazz Festival

Spannende Newcomer wie Alfa Mist oder Kamaal Williams entdecken

Besonders dürfte auch der Auftritt von Benny Golson werden. Der Saxophonist gilt als Legende und ist bereits 90 Jahre alt. „Den hatte ich schon vor 40 Jahren auf Tour und ist für mich ein Highlight“, sagt Karsten Jahnke, Künstlerischer Leiter des Elbjazz Festivals im Interview der HafenCity Zeitung (Seite 26). Neben etablierten Künstlern gibt es aber auch spannende Newcomer zu entdecken wie beispielsweise Kamaal Williams, Altin Gün, Alfa Mist, Kokoroko oder Mildlife. 

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Elbjazz-Festivals wird es zudem einen Artist in Residence geben: Jazzpianistin Julia Hülsmann präsentiert drei verschiedene Projekte. Am Freitag steht neben einem Auftritt mit dem Musiker Christopher Dell in der Hauptkirche -St. Katharinen auch ein Konzert ihres Octets auf der Hauptbühne Blohm+Voss auf dem Programm. Für dieses „Herzensprojekt“, wie Hülsmann es nennt, heuerte sie Musikerinnen und Sänger aus den unterschiedlichsten Ländern an, um persönliche Lieblingsstücke von Künstlern wie Alanis Morissette, Feist und Archive zu covern. Am Sonnabend spielt sie in der Elbphilharmonie dann Songs von den Beatles. Ihr Jazzmotto beschreibt die Bandbreite und Vielfalt des Elbjazz-Festivals: „Es ist reizvoll, mehrmals in anderer Zusammensetzung zu spielen, um unterschiedliche musikalische Seiten von sich zu zeigen. Jazz ist für mich Freiheit.“

Selber ein virtuelles Konzert mit Oculus-Rift-Brille und Avatar ausprobieren

Abgerundet wird das Festival durch ein vielseitiges Rahmenprogramm. Zum zweiten Mal in Folge gibt es ein virtuelles Konzert: Ausgestattet mit einer Oculus-Rift-Brille und eigenem Avatar, können Besucher während der 15-minütigen Show von Michael Wollny in eine spektakuläre Welt eintauchen. Am 1. Juni findet in der Schiffsbauhalle die Verleihung des Hamburger Jazzpreises statt und am Sonntag nach dem Festival gibt es in der Hauptkirche St. Katharinen einen Jazz-Gottesdienst, inklusive Orgelkonzert von Kit Downes. 

Tagestickets ab 55 Euro und 2-Tagestickets für 99 Euro sowie das Programm gibt es unter www.elbjazz.de. Die Kartenkontingente für die Elbphilharmonie sind bereits erschöpft, doch laut Pressesprecher Bernd Zerbin sollte das niemanden traurig stimmen. „Auch letztes Jahr waren rund ein Drittel unserer Festivalbesucher ohne Elbphilharmonie-Karte, aber sie hatten ein mindestens genauso schönes Festival. Das Elbjazz lebt von den besonderen Locations im Hafen.“ Gerda Schmidt
https://www.elbjazz.de/de/home

Karsten Jahnke, 81: „Wenn ich heute eine Platte auflege, kann es passieren, dass ich vor Begeisterung schreie.“ ©Thomas hampel

5 HCZ-FRAGEN AN …
Karsten Jahnke, Künstlerischer Leiter Elbjass-Festival seitBeginn:

„Ich fange an zu schreien!“s

Herr Jahnke, es kommt das 9. Elbjazz-Festival, Sie sind von Beginn an dabei und haben das Motto „Kontinuität im Wandel“ ausgerufen. Meint das positive Routine oder neugieriges Entdecken?  Karsten Jahnke: Natürlich die Neugier! Wir präsentieren Bands, die noch nie in Hamburg oder Deutschland aufgetreten sind. Kontinuität meint nur den bewährten Ablauf, nicht ein sich wiederholendes Programm. 

Auf was freuen Sie sich beim Elbjazz 2019?  Ich bin ja nun ein alter Hase mit bald 82 Jahren und mich begeistert ein Benny Golson, den ich schon vor 40 Jahren auf Tour hatte, dass der immer noch spielt und immer noch richtig gut. Das ist für mich ein Highlight. Und da ich ein Michael-Wollny-Fan bin, den ich zurzeit für einen der besten Jazzer überhaupt halte, ist sein Trio ein Höhepunkt. Mein Geheimtipp ist das Trio um den spanischen Jazz-Pianisten Marco Mezquida mit ihren Ravel’s Dreams. Die kenne ich nur vom Telefon und freue mich, sie endlich live zu erleben.

Was war für Sie bei den vergangenen acht Elbjazz-Festivals das berührendste Ereignis? Ich war einfach begeistert von Joshua Redman und seinem Quartett, der hat den Jazz mit der Muttermilch aufgesogen. Denen kann man nichts mehr vormachen und zugleich spielen sie mit einer ungeheuren Begeisterung. Sie haben erreicht, dass der eher populär spielende Jamie Cullum sein Programm variierte und wesentlich mehr jazzte. Das kommt nicht alle Tage vor. 

Die Musikkritiker belächeln den Jazz ihres Stars, des 92-jährigen Benny Golson, als zu seicht. Was ist für Sie Jazz? Für mich ist Jazz einfach interessante Musik. Nie würde ich mich festlegen, was Jazz ist oder was nicht. Ich bin kein Musikhistoriker oder -kritiker, sondern nur ein Musikliebhaber. 

Was bedeutet Ihnen als fast 82-Jährigem Musik? Musik hat mich immer glücklich gemacht. Und wenn ich heute eine Platte auflege, kann es passieren, dass ich vor Begeisterung anfange zu schreien.
Interview Wolfgang Timpe


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